Schöne Rücken, die entzücken

Erinnern Sie sich noch an das allererste iPhone? Sie wissen schon, das mit dem Silberrücken. Wo ist es nur hin?

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Von
  • Jens Lubbadeh

Erinnern Sie sich noch an das allererste iPhone? Sie wissen schon, das mit dem Silberrücken. Wo ist es nur hin?

Haben Sie einmal die Offenbarung des Johannes gelesen? Ich auch nicht. Aber aus diversen Horrorfilmen, Heavy-Metal-Scheiben und Wikipedia weiß ich, dass es dort um die Enthüllung des göttlichen Planes, den Antichristen, die Zahl 666, das letzte Gericht und die Wiederkehr Jesu Christi geht.

Die Nerd-Propheten der US-Postille „PC World“ offenbaren uns nun dieses: Das iPhone 5 werde ein „großer Hit“. Als Beleg dafür wird eine eigene „Studie“ genannt, die sich als Umfrage entpuppt. Rund 1200 PC World- / Mac-World-Leser wurden gefragt, ob sie denn das neue Phone kaufen wollen oder nicht. Dreiste Extrapolation oder self-fulfilling prophecy?

Spätestens seit dem Siegeszug des ersten iPhones hat der Kult um Apple-Produkte quasireligiöse Züge angenommen. Offenbarungen hat der Konzern jedoch schon immer gescheut wie der Teufel das Weihwasser. Niemals wurde der große Plan im Voraus enthüllt. Nur so kann die Hoffnung weiter genährt werden. Und Hoffnung ist stärker als Erwartung. Glaube, Liebe, Hoffnung - die drei christlichen Tugenden werden bei jeder Wiederkehr des iPhones reaktiviert.

Erinnert sich überhaupt noch jemand an das allererste iPhone, damals auch als „Jesus-Phone“ bezeichnet? Die Frage erscheint ein wenig absurd, denn das ist tatsächlich erst fünf Jahre her. 2007, das war das Jahr, in dem Angela Merkel im XXL-Strandkorb in Heiligendamm zur Klimakanzlerin gekrönt wurde und Barack Obama in den USA zum neuen Heiland aufstieg.

Das iPhone war ein Telefon wie ein Baby, wollte ständig berührt werden. Ein Handschmeichler. War die noch junge Beziehung des Homo Sapiens zum Mobiltelefon bis dahin rein technisch-funktionaler Natur gewesen, wurde sie durch das iPhone körperlich.

Das Ur-iPhone hieß schlicht iPhone. Dass in den mittlerweile fünf Gerätegenerationen, die Apple in den letzten fünf Jahren vollzogen hat, wirklich auch eine stete Evolution stattgefunden hat und das auch der letzte Depp versteht, wurde das Ur-iPhone im Nachhinein mit dem Zusatz 2G versehen. Warum eigentlich zwei?

Es war schön, das Ur-iPhone. Für manche das schönste bisher. Sein Highlight war der aluminene Silberrücken, der leider in den Folgegenerationen umgehend wieder abgeschafft wurde. Und damit auch komplett von der Bildfläche, so schnell und umfassend hat das iPhone 4 seine Vorgänger vom Markt gefegt. Fast überall sind nur noch die schwarzen Briketts zu sehen. Wenn man Glück hat kriegt man noch mal ein iPhone mit Rundrücken zu Gesicht. Aber einen Silberrücken habe ich das letzte Mal vor drei Jahren gesehen. Ob sie wohl in einer der 83 Millionen SchubladenDeutschlands vergessen vor sich hin schlummern? Oder sind am Ende auch sie auf den brennenden Müllbergen Ghanas gelandet?

Sie sind jedenfalls verlorene Söhne, von Apple nicht mehr gewollt. Ab iOS-Version 4.0 war Schluss mit der Unterstützung des 2G. Auf Nachfrage eines Kunden beim iGod persönlich, ob es denn zukünftige Aktualisierungen erhalten würde, sagte Steve Jobs damals nur "Sorry, no." Und kaputte 2Gs würde man auch nicht mehr reparieren.

Laut Gerüchten soll das iPhone 5 wieder ein Silberrücken sein. Aber das munkelte man auch schon beim Vierer. Ob ich es mir kaufen werde? Sorry, no. (jlu)