Mobilstandards interoperabel machen statt regulieren
Die Regulierungsbehörden sollte sich nicht in die Frage des Standards beim Mobilen TV einmischen, empfahlen Unternehmensvertreter bei einer von der EU-Kommission veranstalteten Diskussion.
Die Regulierungsbehörden sollte sich nicht in die Frage des Standards beim Mobilen TV einmischen. Das empfahlen Unternehmensvertreter bei einer von der EU-Kommission auf der CeBIT veranstalteten Diskussion Thema Mobil-TV. Die Unternehmens- und Verbandsverteter reagierten damit auf eine entsprechende Ankündigung von Medienkommissarin Vivianne Reding. Reding hatte gewarnt, sie würde DVB-H per Verordnung durchdrücken, sollte die Industrie sich nicht bis zu den olympischen Spielen 2008 auf eine sinnvolle, gemeinsame Lösung geeinigt haben. Sie sei enttäuscht über den mangelnde Fortschritt in dem Zukunftsthema, verkündete Reding.
Phil Laven, Vizedirektor der European Broadcasting Union (EBU), und im Sekretariat des im vergangenen Sommer zusammengekommenen European Mobile Broadcasting Council EMBC) empfahl der Kommission, statt den Standard zu verordnen lieber Interoperabilitätsanstrengungen zwischen den verschiedenen Standardinitiativen zu fördern. Neben DVB-H und DMB gibt es auch noch eine lange Liste weiterer Standards wie FLO, DAB-IP, MBMS und DVB-SH. "Es gibt keinen offensichtlichen Gewinner," so Laven.
Während die EMBC-Mitglieder sich so in rund 50 Fragen geeinigt habe, habe man einen einzelnen, einheitlichen Standard nicht für zwingend erklärt. "Die Kommission sollte auch keinen Standard durch Regulierung bevorzugen," forderte Laven und erinnerte auch daran, dass es Rücksicht zu nehmen gelte auf getätigte Investitionen. Mit Kritik reagierten auch Vertreterinnen von BskyB und der GSM Association. Die Vertreterin der BskyB, die auf die verschiedenen Versuche hinwies, an denen sich ihr Unternehmen beteiligte, warnte davor "eine Technologie zu verordnen, bevor ihre Zeit gekommen ist." Reding und andere Kommissionsvertreter, aber auch ein Vertreter von Nokia verwiesen auf den Erfolg des "verordneten" GSM-Standards.
Ilkka Raiskinen, Senior Vice President Multimedia Experiences von Nokia sagte: Je weniger Standards, desto eher komme man zu economies of scale und damit verbilligt sich die Technik. Schon das zweite DVB-H fähige Mobiltelefon des Unternehmens, das N 77, sei mit 370 Euro bereits deutlich billiger. Unterstützung erhielten die Regulierungskritiker dagegen vom Chef der Berlin-Brandenburgischen Medienanstalt, Hans Hege, der sagte: "Als Regulierer ist es nicht unsere Aufgabe, den Standard festzulegen. Wir wissen nicht, wie sich der Markt entwickelt. Wir eröffnen nur die Möglichkeiten."
Hege erinnerte auch daran, dass möglicherweise ein über die frei werdenden Frequenzen realisierbares breitbandiges mobiles Datennetz aus Sicht der öffentlichen Hand noch wichtiger sein könne, da sich damit der Zugang in infrastrukturschwachen Gebieten realiseren lasse. "Mobiles Fernsehen ist 'nice to have', wenn es den Leuten an einem breitbandigen Internetzugang fehlt, ist das eine erhebliche Einschränkung." Um die Frequenzen, die im Rahmen der digitalen Dividende frei und damit für neue Dienste nutzbar werden, könnte so noch ein heftiger Wettbewerb entstehen. Bei den Frequenzen sind sich übrigens alle Mobil-TV-Befürworter und -Anbieter einig, dass eine Harmonisierung der Frequenzbereiche in den EU-Mitgliedsländern von Vorteil wäre, damit ein echtes Roaming später möglich wird. Reding sagte, die Kommission habe sich um Frequenzen im S- und L-Band bemüht und werde sich auch das begehrte UHF-Band berücksichtigen. Deutschland, Frankreich und Italien nutzen derzeit schon UHF-Frequenzen.
Die von Hutchinson kontrollierte 3 Italia meldete auf der Cebit ihren 400.000sten zahlenden MobilTV-Kunden. Vincenzo Novari, CEO von 3 Italia, sagte in der Diskussion, die große Nachfrage nach TV-Bildern der 3-Italia-Kunden habe ihn veranlaßt, nach einer besseren Lösung zu suchen. Nach einem Vergleich von DMB, MBMS und DVB-H habe sich 3 Italia für Letzteres entschieden. "DMB bietet nur sechs Kanäle, MBMS wäre enorm kostenintensiv beim Ausrollen der Infrastruktur gewesen und die Endgeräte waren noch zu weit von der Marktreife," so Novari gegenüber Heise. Er betonte die Dynamik des Mobilen Fernsehens besonders. "Wir lernen jeden Tag etwas Neues," sagte er, "es handelt sich ja auch um ein zweijähriges Baby." Wie viele andere Probleme es noch zu lösen gilt, zeigte Novaris Hinweis, dass er nur zu gerne seinen Kunden neben den Samsung-Geräten auch Nokia-Geräte anbieten wolle. Doch das von Samsung eingesetzte Schlüsselmanagement für den "conditional access" ist mit den Nokia-Geräten nicht zu haben.
Das Problem Urheberrecht und Digital Rights Management könnte sich im mobilen TV-Geschäft auch noch als Hürde erweisen. Das gilt auch für ein mögliches späteres Roaming der mobilen Fernsehzuschauer, denn Rechte werden ja häufig noch lokal eingekauft. In diesem Bereich wünscht sich der EMBC denn ebenso Hilfestellungen der Kommission wie im Bereich Anpassung der eben erst angepassten Werberegeln der Richtlinie über Audiovisuellen Mediendienste. Lieber als eine Einmischung in die Standarddiskussion hätte man außerdem, dass die Kommission mit dafür sorgt, dass die Branche nicht unter möglichen Patenten für die Standards zu leiden hat. (Monika Ermert / (jo)