Fernbedienen, aber wie?
Der Fernseher wird zum Web-Zugang und zum Multimedia-Display im Wohnzimmer. Die gute, alte Fernbedienung ist zunehmend ĂĽberfordert, doch das Wettrennen um ihr Erbe ist noch offen.
- Martin Kölling
Der Fernseher wird zum Web-Zugang und zum Multimedia-Display im Wohnzimmer. Die gute, alte Fernbedienung ist zunehmend ĂĽberfordert, doch das Wettrennen um ihr Erbe ist noch offen.
Hallo! Erinnert sich da draußen noch jemand an die Zeit, in der man aufstehen musste, um den Fernseher mit einem Fingerdruck ein- und auszuschalten und um zwischen den drei verfügbaren Programme zu wechseln? Ich habe es noch als Kind erlebt, genauso wie die Revolution meiner fernseherischen Kindheit: die Fernbedienung. Toll, dachte ich damals, Hightech im Wohnzimmer. Doch nun darf ich auch das Ende des Zeitalters der klassischen Fernbedienung erleben. Denn mit ihr wird die Bedienung der neuen Generation sogenannter Smart-TVs zur Qual, besonders, wenn man sich wie ich in den vergangenen Jahren an die Touchscreen-Bedienung von Smartphones gewöhnt hat.
Wenn ich zum Beispiel das TV-Internet-Portal des japanischen Konsortiums Actvila besuchen will, muss ich zuerst einmal den richtigen Knopf zwischen den 56 Knöpfen der Fernbedienung finden und drücken. Dann darf ich eine Gedenkminute einlegen, während derer das TV die Seite lädt. Alsdann klicke ich mich mit den Pfeiltasten über den Bildschirm, bis ich die gewünschte Rubrik erreicht und mit der Enter-Taste bestätigt habe. Und weiter geht das Spiel: Ach, und wie lange es erst dauert, Videos in meinem Lieblings-Online-Videoshop auszuwählen...
Und wie das erst bei Google-Fernsehern funktioniert, die Zugang zum gesamten Internet bieten: Haben Sie schon mal versucht, Text mit der Fernbedienung einzugeben? (Das geht sehr, sehr langsam.) Oder wie wäre es mit dem Übertragen von Bildern oder Videos von einem Handy auf den Fernseher? (Das geht nur, wenn ich sie zuvor auf eine SD-Karte geschoben habe und die Karte im Gerät steckt oder die Aufnahmen schon auf der externen Festplatte lagern, die mein TV als Videorekorder nutzt.)
Die Problematik ist den Herstellern von TV-Geräten durchaus bewusst. Darum experimentieren sie mit diversen Konzepten, die die Fernbedienung verbessern sollen. Auf eine Idee festlegen will sich jedoch noch niemand, denn auch sie wissen nicht, worauf die Menschen letztlich abfahren werden. Panasonic zum Beispiel nutzt bei seinem neuesten Fernseher sein neuestes Handy. Mit einem Fingerwisch lassen sich damit Bilder und Videos zwischen den Geräten hin und her schieben. Tablets lassen sich auch zum Fernbedienen und Fernfernsehen verwenden. Samsung hat bei seinen neuesten Flach-TVs eine kleine Kamera eingebaut, über die Gestensteuerung möglich wird. Zusätzlich hat die Fernbedienung ein Mikrofon, die Spracheingabe ermöglicht.
Das sieht ja beides ganz nett aus. Aber der Verspieltheit sind keine Grenzen gesetzt – besonders in Japan. Der Spielzeughersteller Tomy beispielsweise hat einen kleinen multimedialen Zeigestock für die Fernbedienung digitaler TVs und analoger Magazine auf den Markt gebracht. An dessen Spitze ist eine kleine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger befestigt. Bei neueren japanischen Fernsehern kann man damit durch Umherzeigen die Programme wechseln. Und Magazine kann man damit umblättern und selbst im Dunkeln lesen. Denn in der Spitze ist eine LED untergebracht.
Doch was setzt sich durch? Ich glaube, dass es keinen klaren Sieger geben wird, sondern die Fernseher letztlich mehrere Eingabe-Modi anbieten werden. Denn alle Verfahrensweisen haben ihre Stärken und Schwächen. Mein Favorit für die Eingabe ist das Handy. Das habe ich ohnehin fast immer dabei. Ich kann damit nebenbei Mails checken, im Internet browsen und leidlich bequem texten. Gestensteuerung eignet sich hingegen für weniger Handy-affine Zielgruppen und auch ich würde sie wohl nutzen. Sprachsteuerung bleibt wohl eher ein Exot, denn dazu muss man bisher eigentlich alleine vor dem Fernseher sitzen. Geplapper stört entweder die Spracheingabe – oder bei der Spracheingabe die Mitschauer.
Aber warum nicht weiter denken? Interessant wäre natürlich, wenn die Spracheingabe so gut funktioniert, dass man in kleinen Gruppen gemeinsam einen Text formulieren kann. Eine andere Idee ist dann noch die Gedankensteuerung. Rudimentär möglich ist die schon heute. Aber richtig spannend wird es, wenn die dafür notwendigen Sensoren in den Bügel der 3D-Brille passen. Bin mal gespannt, wie die gestaltet werden können. (bsc)