Visto wirft Microsoft Patentverletzung vor

Der Spezialist fĂĽr mobile Datendienste ist vor Gericht gegangen, da Windows Mobil 5.0 angeblich drei Visto-Patente verletzt.

vorlesen Druckansicht 35 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.

Der Anbieter von mobilen E-Mail-Diensten Visto hat den Softwarekonzern Microsoft wegen angeblicher Verletzung von drei Patenten verklagt. Das Unternehmen will beim District Court for the Eastern District of Texas erreichen, dass Microsoft künftig nicht mehr Vistos Technik für mobilen Zugang zu E-Mails und andere Daten missbrauche, und verlangt Schadensersatz in nicht genannter Höhe, heißt es in einer Mitteilung. Visto wirft Microsoft vor, mit seiner seit Mai erhältlichen Software Windows Mobile 5.0 die Patente mit den Nummern 6,085,192 (System and method for securely synchronizing multiple copies of a workspace element in a network), 6,708,221 (System and method for globally and securely accessing unified information in a computer network) und 6,151,606 (System and method for using a workspace data manager to access, manipulate and synchronize network data) zu verletzen.

Die über die angebliche Patentverletzung hinaus geäußerten Vorwürfe des Visto-CEO Brian A. Bogosian sind eher grundsätzlicher Natur. Er meint, Microsoft habe eine lange, gut dokumentierte Tradition des Erwerbs fremder Technologie, diese als die eigene auszugeben und neue Märkte zu erobern. "Manchmal kauft Microsoft die Technik. In anderen Fällen eignen sie sich Technik widerrechtlich an." Das habe in der Vergangenheit dazu geführt, dass Microsoft Auseinandersetzungen mit Sun, AT&T und Burst.com führen musste. Um in den Markt des mobilen Zugangs zu E-Mail und anderen Daten einzusteigen, habe sich Microsoft nun unerlaubt der Technik von Visto bedient.

"Seit mehr als zehn Jahren leben kleine, innovative Unternehmen im Silicon Valley und anderswo in Angst vor dem Tag, an dem Microsoft sich dazu entscheidet, in ihren Markt einzusteigen", stellt Bogosian die Lage aus seiner Sicht dar. Die Redmonder seien "groß, mächtig, ein wohlhabendes Unternehmen. Aber sie weisen kein reales Wachstum auf, nur in ihren ohnehin profitablen Abteilungen". Microsoft wolle seinen Investoren beweisen, dass es zu einem nachhaltigen Wachstum auch in neuen, sich entwickelnden Märkten in der Lage sei. Als Beispiele für Unternehmen, die von Microsoft kleingestutzt wurden, zählt der Visto-CEO Netscape und RealNetworks auf. Visto solle dieses Schicksal nicht erleiden.

Bogosians Befürchtungen werden dadurch genährt, dass Windows Mobile 5.0 zusammen mit der bereits marktdominanten Software Exchange Server ausgeliefert werde. Dieses Bundling habe in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass Microsoft in das Visier von Wettberwerbshütern geriet. Visto zeigt sich zuversichtlich, dass das US-amerikanische Rechtssystem das Unternehmen schützen werde.

Während Visto mit schweren Geschützen in Richtung Redmond feuert, will sich das Unternehmen offenbar den Rücken freihalten. Laut Medienberichten hat die Firma ein Lizenzabkommen über die Nutzung einer von dem Patentverwerter NTP patentierten Technik zum mobilen Versand von E-Mails geschlossen. Es handele sich dabei um just jene Technik, über die NTP mit dem Blackberry-Hersteller Research in Motion seit Jahren im Clinch liegt und derzeit wieder verhandelt. (anw)