US-Behörden gehen gegen Anbieter von Mod-Chips vor
In einer landesweit koordinierten Aktion haben US-Zollfahnder die Büros und Privaträume von Anbietern von Mod-Chips für Spielkonsolen in 16 Bundesstaaten durchsucht.
US-Behörden haben einen landesweiten Schlag gegen Importeure und Händler so genannter Mod-Chips geführt. Mit Hilfe der zumeist aus dem Ausland eingeführten Bauteile lassen sich die Regionalcodes oder Schutzmechanismen von Spielkonsolen umgehen und die Geräte zum Abspielen kopierter Spiele bewegen. Die dem Ministerium für Heimatschutz untergeordnete US-Behörde für Immigrations- und Zollvergehen (ICE) hat gestern 32 Durchsuchungen in 16 Bundesstaaten durchgeführt, die nach Angaben der Behörde bisher größte Aktion gegen diese Art von Urheberrechtsvergehen. Vorausgegangen waren einjährige Ermittlungen mit Unterstützung des Verbandes der Spieleindustrie.
Ebenfalls im Fokus der Ermittler waren Anbieter von weiterem Zubehör, das zur Umgehung des Kopierschutzes dient, beispielsweise Hilfsmittel zum Austausch einer speziellen Boot-Disc gegen die Kopie eines Spiels, ohne dass die Konsole den Austausch "merkt". Solche Hilfsmittel und Mod Chips sind nach dem US-Urheberrecht (Digital Millennium Copyright Act, DMCA) vom 1998 nicht mehr erlaubt. Die Spieleindustrie beziffert den Schaden durch illegale Kopien auf mehrere Milliarden US-Dollar.
"Verbotene Geräte wie die heute ins Visier genommenen werden nur zu einem Zweck hergestellt, nämlich Maßnahmen zum Schutz des Urheberrechts zu umgehen", sagte Julie Myers vom US-Heimatschutzministerium. "Diese Verbrechen kosten rechtschaffene Unternehmen jedes Jahr Milliarden von Dollar und begünstigen vielfältige weitere Vergehen wie Schmuggel, Software-Piraterie und Geldwäsche." Auch Microsoft begrüßte die Aktion. "Das ist ein wichtiger Schritt im andauernden Kampf gegen Piraterie und der Bedrohung, die sie für die Weltwirtschaft und die Verbraucher darstellt", tönt es gewohnt martialisch aus Redmond.
In den USA haben schon einige Mod-Chip-Händler Bekanntschaft mit dem DMCA machen dürfen. 2003 wurde ein Händler für den Import und Vertrieb von rund 450 Chips für die Xbox zu fünf Monaten Haft und einer Geldstrafe von 28.500 US-Dollar verurteilt; im März musste ein 27-jähriger Hawaiianer für vier Monate ins Gefängnis, weil er modifizierte Xboxen verkauf hatte. Noch ein bisschen teurer wird es für die französische Firma Divineo werden, die unter anderem wegen des Verkaufs von Mod-Chips für Playstations von Sony verklagt worden war. Ein US-Gericht hatte zwei Niederlassungen des Anbieters im vergangenen Oktober zu Schadensersatz in Höhe von über 9 Millionen US-Dollar verurteilt.
Nach dem Vorbild des DMCA versucht die Lobby der Industrie, ähnliche Regelungen auch in neuen Gesetzen anderer Länder zu verankern. Denn nicht überall ist die Rechtslage eindeutig geregelt. So gelten in einigen Ländern Mod-Chips zum Beispiel nur dann als illegal, wenn sie urheberrechtlich geschützten Code – etwa das BIOS der Konsole – enthalten. Die Hersteller umgehen die gesetzlichen Beschränkungen, indem sie entweder Bauteile mit leerem EPROM anbieten, auf das der Nutzer die geschützte Software dann selbst aufbringen muss. Oder sie entwickeln gleich ein eigenes BIOS und verzichten ganz auf den Einsatz der geschützten Original-Software. (vbr)