Relativierung ist gut

Michael J. Fox, Gründer der gleichnamigen Stiftung, glaubt nicht mehr, dass die beste und schnellste Therapie für die Parkinson-Krankheit auf Stammzellen beruhen wird. Das auszusprechen ist wichtig.

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Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Die Michael-J.-Fox-Stiftung hat seit ihrer Gründung im Jahr 2000 fast 300 Millionen US-Dollar in die Erforschung von neuen Therapien gegen die Parkinson‘sche Krankheit gesteckt. Während dieser Zeit warb die Organisation des prominenten Schauspielers, der selbst an der Krankheit leidet, fast schon aggressiv für die öffentliche und politische Anerkennung von potentiellen Parkinson-Therapien, die aus embryonalen Stammzellen gezüchtete Nervenzellen verwenden.

Doch kürzlich ließ Fox in einem Fernsehinterview mit der Aussage aufhorchen, er glaube nun nicht mehr, dass die schnellste und beste Therapie auf Stammzellen beruhen werde. Dazu gäbe es noch zu viele Rückschläge, dieser Weg sei einfach langwierig. Verschiedene Medikamente, mit denen die charakteristischen Symptome – etwa unfreiwilliges Bewegen von Armen, Kopf und Oberkörper – stark gemildert bis verhindert werden können, seien bereits viel weiter entwickelt und näher an der Marktreife. Trotzdem werde seine Stiftung weiterhin auch die Stammzellen-Forschungsschiene mitfinanzieren, schließlich sei es nicht ausgeschlossen, dass auch aus diesem Bereich Parkinson-Therapien erwachsen.

Nun könnte man fragen: Wen interessiert die Meinung von Michael J. Fox? Hat er vielleicht Aktien der Pharmaunternehmen, deren Forschung die Stiftung ebenfalls finanziert (wenn ein Unternehmen einen Wirkstoff aussortieren möchte, die Stiftungsexperten aber glauben, er sei viel versprechend, schießt die Organisation Finanzierung zu oder kauft den Wirkstoff zur Weiterentwicklung ab)? Letzteres dürften die Statuten der gemeinnützigen Stiftung verbieten.

Nein, seine Einschätzung ist aus einem ganz einfachen Grund wichtig: Die Stammzellforschung, ob nun mit embryonalen, adulten oder reprogrammierten Stammzellen, wurde viel zu häufig auch von der Presse hochgejubelt und zur Wundermedizin stilisiert. Führende Wissenschaftler haben zwar immer betont, dass man doch bitte auf dem Boden der Tatsachen bleiben möge, solche Therapien lägen noch in einer fernen Zukunft.

Aber ich habe das Gefühl, solche Aussagen kommen – so sie denn auch abgedruckt werden – immer noch nicht so richtig an. Patienten klammern sich an jede Hoffnung und sei sie, wie im Falle von auch in Deutschland operierenden rücksichtslosen Anbietern, noch so unseriös. Wenn sich nun Mike Fox als persönlich Betroffener hinstellt, und behutsam relativiert, dann könnte das eine ganz andere Wirkung entfalten: hier die Wissenschaftler, für viele Menschen unbekannte, weit entfernte Gesichter; dort der bekannte Schauspieler, der sich aufgrund seiner Symptome erst vermeintlich für immer aus dem Geschäft zurückzog, dann eine der größten privaten Parkinson-Stiftungen aufzog – und mittlerweile dank neuer Medikamente wieder Rollen annimmt.

In diesen geht er übrigens mit seiner Erkrankung offensiv und sehr sympathisch um. Weil die Mittel seine Symptome bei weitem nicht vollständig unterdrücken können, wurde ihm etwa in der Anwaltsserie „The Good Wife“ die Rolle eines Anwalts auf den Leib geschrieben, der ebenfalls an Bewegungsstörungen leidet. Wie wenig Fox damit auf die Tränendrüse drücken will, zeigt die perfide Ausrichtung seines TV-Charakters: Louis Canning ist ein durch und durch hinterhältiger Anwalt, Vertreter gewissenloser Pharmafirmen, und einer, der stets darauf bedacht ist, mit seinem Gebrechen Eindruck bei der Geschworenen zu schinden. Auch das ist vielleicht eine, wenn auch paradoxe Art, Betroffenen Hoffnung zu machen. (vsz)