ADA: Neue Heimat unter dem Dach von Ricoh?

Schlecker ist Geschichte, aber was ist mit ADA? Ende Mai endete die Schonfrist, seitdem gibt es kein Geld mehr für die rund 1.000 Angestellten. Was es hingegen geben soll, sind Interessenten, die das Unternehmen kaufen wollen. Ganz oben auf der Liste: Drucker- und Kopiererhersteller Ricoh.

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Von
  • Damian Sicking

Uwe Jungk, Geschäftsführer, Ricoh Deutschland

(Bild: Ricoh)

Lieber Ricoh-Geschäftsführer Uwe Jungk,

die Drogeriemarktkette Schlecker konnte ja nun nicht mehr gerettet werden, aber wie sieht´s mit ADA aus? Auch hier ist die Zeit abgelaufen – Insolvenzgeld für die rund 1.000 Beschäftigten gab es nur bis Ende Mai.

Medien hatten schon im April berichtet, dass es Interessenten gebe, die das Systemhaus in Willich übernehmen wollten. Namen wurden allerdings nicht genannt. Wie ich nun gehört habe, soll Ricoh sehr stark daran interessiert sein, sich ADA einzuverleiben. "Ricoh?“, war meine spontane Reaktion, "was wollen die denn damit?“ Nun, wie ich erfuhr, ist Ricoh bereits seit längerem auf der Suche nach einem passenden IT­-Systemhaus, um die Lösungskompetenz im Bereich Managed Print Services (MPS) zu stärken und natürlich auch um zusätzliche Kunden aus dem IT-Umfeld zu gewinnen. Ricoh-Konkurrent Canon hatte es mit zahlreichen Übernahmen von Vertriebspartnern vorgemacht (unter anderem Schulz Bürozentrum in München, Thiesbrummel in Gütersloh, Telekopie in Düsseldorf, Saxocom in Dresden und Goeke in Dortmund). Ricoh dagegen setzte bisher auf strategische Kooperationen wie mit dem Münsteraner Systemhaus Ratiodata, eine Tochter des auf Banken spezialisierten IT-Dienstleisters GAD. Bei dieser seit zwei Jahren bestehenden Zusammenarbeit handelt es sich nach Angaben von Ricoh "um mehr als eine reine Vertriebspartnerschaft". Sie beinhaltet auch die "gemeinsame Weiterentwicklung von Lösungen, Dienstleistungen und Services für das Dokumentenmanagement von Genossenschaftsbanken". Das Ziel der Kooperation besteht in der Schaffung von Lösungen, die es diesen Kreditinstituten ermöglichen, ihre Bankprozesse zu vereinfachen und nachhaltig Kosten zu senken. Ein Ergebnis dieser Kooperation ist beispielsweise die Softwarelösung "scan2bank21“. Rund 30 Projekte haben Ricoh und Ratiodata bis heute gemeinsam realisiert.

Mit der Finanzwirtschaft kennt sich das ehemals zum Versicherungskonzernen Ergo und Signal Iduna gehörende Systemhaus ADA ebenfalls aus. Die größten Kunden stammten aus dieser Branche. Das macht die Sache für Ricoh natürlich ebenfalls interessant. Ob Kooperationspartner Ratiodata von dieser Übernahme aber im selben Maße begeistert wäre, steht auf einem anderem Blatt. Auch die mehr als 100 Systemhauspartner, die Ricoh-Channelmanager Oliver Herbrich im Rahmen des "Channel Partner Programms" seit Oktober letzten Jahres für die Zusammenarbeit mit Ricoh begeistern konnte, dürften eine solche Übernahme mit Argusaugen verfolgen. Die Übernahme von ADA wäre nämlich nichts anderes als die Stärkung des Direktvertriebs, und es liegt in der Natur der Sache, dass Vertriebspartner dazu niemals Beifall klatschen werden.

Lieber Herr Jungk, sicherlich haben Sie die Chancen und Risiken einer ADA-Übernahme sorgfältig bedacht und auch mit Vertrauten diskutiert. ADA ist sicherlich nicht nur wegen der Expertise in der Finanzwirtschaft für Sie interessant. Auch mit Druckern kennt sich das Systemhaus aus. "Print & Output" ist neben Managed Service, Remarketing, Network und Datacenter einer von fünf Geschäftseinheiten bei ADA. Außerdem kennt man sich ja schon aus gemeinsamen Projekten. So installierte die heutige Canon-Tochter Goeke im Jahr 2006 zusammen mit ADA Ricoh-Systeme bei der Versicherung Signal Iduna.

Lieber Herr Jungk, wie gesagt, die Drogeriemarktkette Schlecker ist Geschichte, aber was ist mit ADA? Hat das Systemhaus mit seinen rund 1.000 Mitarbeitern unter den Fittichen von Ricoh eine neue Heimat und Zukunft?

Beste Grüße!

Damian Sicking

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