Computex

Dunkle Wolken und gespannte Stimmung vor dem Start

Noch beherrschen die Standbauer die Szene an den fĂĽnf Spielorten der Computex 2012. Doch nach und nach rĂĽcken Messeneuheiten, Produktmanager und natĂĽrlich auch die ersten Show-Girls in die Hallen ein.

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Von
  • Georg Schnurer

Es ist ein trüber und regnerischer Montag in Taiwans Hauptstadt Taipeh. Der üblichen Betriebsamkeit zu Wochenbeginn tut das freilich keinen Abbruch: Durch die Straßen rauschen Auto- und vor allem Motorroller-Schlangen, Regenschirm-bewehrte Fußgänger hasten schneller als sonst zum nächsten überdachten Plätzchen. Besondere Hektik und Betriebsamkeit umgibt die vier Ausstellungsbereiche rund um den Wolkenkratzer Taipei 101 und die Messehalle in Nangang: Hier wird letzte Hand an die Stände gelegt, damit zur offiziellen Eröffnung der Computex 2012 am 5. Juni alles bereit ist.

Mehr als 1800 Aussteller – vornehmlich aus Taiwan und China, aber auch aus Europa und Amerika – wollen der IT-Welt fünf Tage lang zeigen, was sie zu bieten haben. Die Schwerpunkte der diesjährigen Computex sind Multi-Finger-Touch-Devices (darunter auch Notebooks mit Touch-Display), die Cloud und natürlich Tablet-PCs – wobei solche mit Microsofts künftigem Universal-Betriebssystem Windows 8 besondere Beachtung verdienen, und unter denen wiederum die Hybridmodelle mit ansteckbarer Tastatur.

Computex 2012: Der Tag vor dem Startschuss (27 Bilder)

Regentropfen...

Vor lauter Wolken kaum zu erahnen: Die Spitze des Wolkenkratzers "Taipei 101"

Wer sich in den Hallen umsieht, ahnt aber auch, dass auf der zweitgrößten IT-Messe der Welt neben diesen Highlights auch die üblichen Brot-und-Butter-Komponenten nicht fehlen: So finden sich besonders im Obergeschoss der Halle 1 dutzende Hersteller, die Kabel und anderes PC-Zubehör liefern. Telefon- und Tablet-Hüllen in teils grellbuntem Design hat man zusammen mit anderem Mobil-Zubehör in die seit Jahren abbruchreif wirkende Halle 2 verbannt. Die großen – vornehmlich asiatischen – Namen der IT-Branche dürfen sich hingegen in der modernen Ausstellungshalle in Nangang präsentieren. Dort residieren auch die drei Großen aus den USA: Intel, Microsoft und AMD.

Einen anderen Branchenriesen – wenn auch nicht gerade in der IT-Welt – hat es in das TICC verschlagen: Im Eingangsbereich dieser Halle sieht man … Autos, und zwar zwei IT-mäßig aufgehübschte Modelle von Ford. In Kooperation mit Microsoft zeigt der Autobauer hier, wie man sich das Autofahren in naher Zukunft vorstellt: Cloud-gestützt, natürlich (teilweise) sprachgesteuert und bei Bedarf auch geschwätzig, findet das Transportvehikel der Zukunft selbst die nächste Parklücke, umfährt den auf dem Weg liegenden Stau und liest eingehende Nachrichten vor. Die Kontrolle über das Fahrzeug behält dabei aber stets der Fahrer – schließlich möchte man diesem weder die Verantwortung noch den Spaß am Fahren abnehmen. Darauf legt man bei Ford großen Wert. Das Auto gibt lediglich Tipps und Hinweise; lenken, Gas geben und bremsen muss immer noch der Mensch am Steuer.

Als wir uns (zu Fuß) weiter bewegen, denken wir: "Was wäre die Computex ohne die lieb gewonnenen Skurrilitäten und Traditionen?" Zu Letzteren gehört, dass Lieferanten ihren guten Kunden Blumen auf den Messestand schicken. Das Grünzeug findet sich dann links und rechts vom Messestand und war früher auch ein Maß für die Beliebtheit und Finanzstärke des jeweiligen Unternehmens. Inzwischen findet man diese Tradition aber bei immer weniger Ausstellern. Man versucht stattdessen, Platz für Showbühnen zu schaffen, auf denen dann Promoter und Showgirls das Publikum anheizen. Einige dieser Aufmerksamkeits-Erzeuger probten schon am Tag vor der Eröffnung unter den kritischen Augen der Produktmanager ihren Auftritt, was bereits für kleinere Trauben von Fotografen sorgte – sehr zum Missfallen der Standbauer, die blockierte Wege in der Hektik des letzten Vormessetages absolut nicht schätzen. Mit sanftem Druck und notfalls auch schon mal mit lautem Hupen werden die im Wege stehenden Pressevertreter und Fotografen dann in ihre Schranken gewiesen. Eigentlich soll das Publikum nämlich erst morgen durch die Hallen strömen – doch das sieht man in Taiwan zum Glück nicht so verbissen. (gs)