Digitales Kabel-TV wird in Österreich mit Rundfunkgebühren gefördert
Der österreichische Sonderweg mit MHP macht die DVB-C-Boxen ziemlich teuer. Wer schnell zugreift, bekommt 60 Euro Förderung.
Die österreichische Regulierungsbehörde RTR möchte die Digitalisierung der Kabel-TV-Netze vorantreiben. Zu diesem Zweck schüttet sie dieses Jahr bis zu 5 Millionen Euro aus dem aus Rundfunkgebühren gespeisten Digitalisierungsfonds an 25 Kabelnetzbetreiber aus. 4 Millionen sind für die Subventionierung von DVB-C-Boxen (Digital Video Broadcasting Cable) vorgesehen, wobei bis zu 66.666 Kunden jeweils 60 Euro Zuschuss auf den Einkaufspreis von 125 bis 130 Euro erhalten. Eine weitere Million erhalten die Netzbetreiber für Werbekampagnen.
Die Settop-Boxen werden eigens für den überschaubaren österreichischen Markt produziert, was den Preis treibt. Sie müssen nämlich einen offenen Middleware-Standard unterstützen. Das läuft im Endeffekt auf MHP hinaus, weil der in Großbritannien eingesetzte Alternativstandard MHEG-5 von den österreichischen TV-Sendern nicht unterstützt wird. DVB-C-Boxen mit MHP gibt es im deutschsprachigen Raum aber noch nicht. Weitere Kriterien, wie etwa geringer Stromverbrauch, wurden für die Förderung nicht aufgestellt. Bisher setzen die Kabelnetzbetreiber für ihre digitalen Programmangebote einfache Decoder ohne MHP ein. Nur in Linz gab es einen mit 1,5 Millionen Euro geförderten DVB-C-Pilotversuch mit MHP.
25 von rund 200 österreichischen Kabelnetzbetreibern haben einen Förderantrag gestellt und dürften in den nächsten Tagen die Verträge zur Unterzeichnung erhalten. Ihre Namen werden erst nach Vertragsunterzeichnung veröffentlicht. Sie betreuen mit 440.000 Kunden gut ein Drittel des Marktes. Einige von ihnen haben sich parallel auf den Einsatz des Verschlüsselungsstandards Conax verständigt.
Bei der Förderaktion nicht dabei ist der mit Abstand größte Kabelanbieter UPC Telekabel, der alleine über eine halbe Million TV-Kabel-Kunden betreut. Das Unternehmen offeriert seit Jahren Digital-TV ohne MHP. UPC plane allerdings einen "Strategiewechsel" und werde voraussichtlich im kommenden Jahr gefördert, ließ RTR-Geschäftsführer Alfred Grinschgl am Mittwoch durchblicken. Bei UPC war zu Mittag niemand für eine Stellungnahme erreichbar.
Die Abwicklung der DVB-C-Förderung erfolgt über die Kabel-Netzbetreiber, die ihre Kunden einzeln anschreiben werden. Die Regulierungsbehörde hat angekündigt, die Daten der Antragsteller mit dem Verzeichnis der Rundfunkgebührenzahler abzugleichen. Wer seinen Fernseher nicht angemeldet hat, soll keine Förderung erhalten. Geplant ist offenbar auch eine Förderaktion für das IP-TV von Telekom Austria.
Bescheidenen Zulauf gibt es unterdessen bei der im vergangenen Jahr angelaufenen Förderaktion für DVB-T-Boxen für den terrestrischen Empfang. Die ersten 100.000 Rundfunkgebührenzahler, die eine DVB-T-Box mit MHP kaufen, können je 40 Euro Subvention in Anspruch nehmen. Bislang ist erst knapp die Hälfte des Kontingents ausgeschöpft. (Daniel AJ Sokolov) / (anw)