Swisscom will mehr Geld von der Konkurrenz
Neue, deutlich erhöhte Preise für den Teilnehmeranschluss empören die Mitbewerber des Schweizer Telekommunikationsunternehmens Swisscom.
Am 1. April verliert die marktführende Swisscom ihr Monopol auf der so genannten letzten Meile, dem Kupferkabel zwischen Hausanschluss und Ortszentrale. Der Kupferdraht bleibt zwar im Besitz der Swisscom, und sie ist auch künftig für Service und Unterhalt verantwortlich. Doch mit Inkrafttreten eines revidierten Fernmeldegesetzes werden marktbeherrschende Anbieter verpflichtet, den Mitbewerbern zu kostenorientierten Preisen folgende Dienste anzubieten: Verrechnen von Teilnehmeranschlüssen des Festnetzes, vollständig entbündelter Zugang zum Teilnehmeranschluss, Mietleitungen und Zugang zu den Kabelkanalisationen sowie während vier Jahren den schnellen Bitstrom-Zugang (Breitbandnetz).
Die Swisscom gab nun bekannt, dass der kostendeckende Preis für die Miete der Kupferkabel durch Mitbewerber auf künftig 33,40 Schweizer Franken inklusive Mehrwertsteuer pro Monat (20,65 Euro) steigen soll. Der derzeitige Preis beträgt 25,25 Franken (15,60 Euro), genauso viel wie auch der Endkunde der Swisscom dafür zu begleichen hat. Mit den höheren Preisen wird man – wie die Swisscom selbst zugibt – deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 17,50 Franken (10,80 Euro) liegen.
Die Telekomanbieter TDC Switzerland AG (mit ihrer Marke sunrise) und Tele2 reagierten verärgert auf die Ankündigung der höheren Kosten. sunrise hält die Preiserhöhungen der Swisscom "für unrealistisch". Und Tele2 soll laut Medienberichten darüber empört sein, dass das Netz zu guten Teilen vom Steuerzahler finanziert worden sei, doch Bürger, die zu einem anderen Anbieter wechseln wollten, gleich noch einmal zur Kasse gebeten würden. Beide Anbieter behalten sich vor, den Preis bei der Eidgenössischen Kommunikationskommission (ComCom) anzufechten.
Laut einer Pressemitteilung hat Swisscom für die Ermittlung des neuen Preises die vom Gesetz und dem Regulator vorgegebene Berechnungsmethode LRIC (Long Run Incremental Costs) genutzt. Bei dieser Methode wird von einem Anbieter ausgegangen, der heute ein solches Netz bauen würde. Diese Kosten ergeben dann den berechneten Preis. Als wichtigsten Grund für die höheren Preise, die sie mit der LRIC-Methode berechnet hatte, gibt die Swisscom höhere Baukosten in der Schweiz an (Lohnkosten, Baunormen und die Bodenbeschaffenheit, da viele Leitungen unter Asphalt liegen). Die Baukosten haben laut Swisscom einen Anteil von rund 80 Prozent der Kosten des Anschlussnetzes.
Weitere Probleme wird es mit der Öffnung der Breitbandinfrastruktur der Swisscom geben. Das marktführende Telekomunternehmen weigert sich auf Grund der Wettbewerbssituation, den so genannten Bitstrom-Zugang (Bitstream Access) als reguliertes Produkt anzubieten. Im Breitbandmarkt herrsche ein intensiver Wettbewerb mit den Kabelnetzbetreibern, sagt Swisscom. Die Rekurskommission für Wettbewerbsfragen habe in einem Verfahren festgestellt, dass man der Swisscom keine Marktbeherrschung im Schweizer Breitbandmarkt nachweisen könne. Swisscom Fixnet Wholesale biete bereits seit Längerem kommerzielle Breitbanddienste an. Ab Sommer 2007 folge außerdem ein erweitertes kommerzielles VDSL-Angebot.
Der Schweizer Bundesrat und das Parlament hatten eigentlich für einen Zeitraum von vier Jahren den Bitstrom-Zugang beschlossen. Das soll den alternativen Anbietern Zeit geben, ihre eigene Infrastruktur aufzubauen. Aus der Sicht von sunrise und Tele 2 missachtet die Swisscom mit dieser Weigerung aber den Parlamentsentscheid. Damit werde die vollständige Öffnung der letzten Meile um zwei bis drei Jahre verzögert, hieß es bei Tele2. (Tom Sperlich) / (pmz)