Angestellte von US-IT-Firmen als Cyberwar-Nationalgardisten

Mitarbeiter von Microsoft, Cisco, Adobe und anderen großen IT-Firmen dienen als Nationalgardisten in einer Cyberwar-Einheit. Die als "Cybersoldaten" engagierten Mitarbeiter könnten für die Unternehmen zu einem Problem werden.

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Von
  • Florian Rötzer

Für die Kriegsführung im Cyberspace und die Verteidigung der amerikanischen Netzwerke ist die US-Luftwaffe zuständig; insgesamt sind hier derzeit 40.000 Soldaten mit unterschiedlichen "Cyberoperationen" beschäftigt. Die Luftwaffe habe erkannt, meint General Robert Elder, seit Kurzem Kommandeur des neu eingerichteten CyberCommand, "dass der Cyberspace ein mögliches Gravitationszentrum für die USA ist und Informationsüberlegenheit, ganz ähnlich der Luft- und Weltraumüberlegenheit, die Voraussetzung für effektive Operationen in allen Bereichen der Kriegsführung darstellt".

Wie Wired berichtet, sind für die 262nd Information Warfare Aggressor Squadron der Air National Guard mehr als 100 Angestellte von Microsoft, Cisco, Adobe und anderen großen IT-Firmen als Mitglieder rekrutiert werden. Sie bereiten sich neben ihrer Arbeit in der Privatwirtschaft auf dem McChord-Luftwaffenstützpunkt in der Nähe von Washington auf den Krieg im Cyberspace vor. Im Ernstfall können diese Mitarbeiter der IT-Firmen eingezogen werden; sie arbeiten jetzt zwei Tage im Monat und einmal 14 Tage am Stück für das Pentagon.

Diese "Cybersoldaten" hätten gegenüber allen anderen Infokriegern der Welt einen großen Vorteil, weil sie die Soft- und Hardware angreifen, die ihre Firmen selbst hergestellt haben, meint Wired. Schon 2005 hieß es, dass die Luftwaffe ein einsatzbereites Team für den Cyberwar aufgebaut habe. Michael W. Wynne, der für die Luftwaffe zuständige Vizeverteidigungsminister, hatte im März bekräftigt, dass man sich für die Kriegsführung im Cyberspace auch auf die Talente sowie die Erfahrung der Mitglieder der Nationalgarde und der Reservisten stützen müsse, "die direkte Verbindungen mit der Hightech-Industrie haben". Neben der oben erwähnten Einheit nannte er noch die 177th Information Aggressor Squadron in Kansas, in der ebenfalls Gardisten aus Unternehmen wie Sprint, Boeing oder Koch Industries arbeiten.

Die Rekrutierung von Angestellten aus den IT-Unternehmen könnte aber für diese Firmen zu einem Problem werden, weil sie wie Microsoft, Adobe oder Cisco ihre Produkte weltweit verkaufen wollen. Die "Cybersoldaten" könnten, wie Robert Masse von GoSecure sagt, Sicherheitslücken kennen und ausbeuten, von denen sonst niemand weiß. Schon der Verdacht könnte ausreichen, dass manche Staaten wie China oder Russland zögern, bei diesen Firmen Soft- und Hardware zu kaufen.

Cisco und Adobe reagierten auf Anfragen von Wired nicht. Ein Sprecher von Microsoft sagte, dass es keine besonderen Vorkehrungen für die Angestellten gebe, die sich als Nationalgardisten für die Einheit zur Kriegsführung im Cyberspace verpflichtet haben. Daher gebe es keinen Anlass zu einem Kommentar über die Arbeit, die sie machen. Ein Sprecher der Einheit erklärte, dass sie zwar als Angriffseinheit tituliert sei, aber die Arbeit hauptsächlich im defensiven Bereich stattfinde. Die Einheit habe nicht die Genehmigung, Angriffe auf Computernetzwerke auszuführen. (fr)