Bundesrechnungshof befĂĽrchtet Jahr-2000-Chaos

Die meisten Behörden hätten sich viel zu spät mit dem Jahr-2000-Problem befasst, heißt es in einem vertraulichen Bericht der Rechnungsprüfer.

vorlesen Druckansicht 30 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Christian Persson

Der Bundesrechnungshof befürchtet zur Jahrtausendwende ein Computer-Chaos in der Bundesverwaltung. Die meisten Behörden hätten viel zu spät begonnen, sich mit dem Jahr-2000-Problem auseinander zu setzen, heißt es in einem vertraulichen Bericht der Frankfurter Rechnungsprüfer an den Haushaltsausschuss des Bundestags. Die Umstellung der Computer sei Anfang 1999 bei vielen Behörden noch in einem so frühen Stadium gewesen, dass die Zeit für Tests nicht mehr ausreichen dürfte.

Der Bericht vom 20. Mai 1999 war bisher aus rechtlichen Gründen nicht veröffentlicht worden. Er sei aber noch aktuell, sagte eine Sprecherin des Bundesrechnungshofes am Montag der dpa. Die "Bild"-Zeitung hatte in ihrer Montagsausgabe aus dem Papier zitiert. Wie die Zeitung berichtete, könnten durch Computer-Pannen beim Bundeskriminalamt oder Bundeszentralregister "kriminalitätsbezogene Datensätze" über Fingerabdrücke, Täter oder Schusswaffen verloren gehen. Bei öffentlich-rechtlichen Banken sei mit Zinsverlusten in Millionenhöhe zu rechnen, wenn eingehende Zahlungen auf Grund von Computer-Abstürzen nicht verbucht würden. Außerdem könne es geschehen, dass Kalkulationsprogramme in der Rentenversicherung vermeintlich überalterte Daten automatisch löschen. In der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte "könnten Fehler in den Konten der Versicherten zu unrichtigen oder mehrfachen Rentenzahlungen führen, die sich bei der großen Anzahl von Versicherten zu erheblichen Schadenssummen addieren könnten".

Der Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR) widersprach der Darstellung und versicherte, es werde kein "Computerchaos 2000" in der Rentenversicherung geben. Die Rentenversicherung habe seit mehreren Jahren alle Vorbereitungen getroffen, damit auch nach dem Jahreswechsel 2000 alle Renten ordnungsgemäß und pünktlich gezahlt werden. Erst kürzlich hätten umfangreiche Tests die Jahrtausendumstellung simuliert. Fehler seien dabei nicht aufgetreten.

Die Lösung des Jahr-2000-Problems in der Bundesverwaltung kostet nach Schätzung des Bundesrechnungshofes einen dreistelligen Millionenbetrag. Noch teurer könnte die Nachsorge werden, heißt es in dem Bericht. Zu befürchten seien nicht nur Ausfälle, sondern auch Regressforderungen und Rechtsstreitigkeiten.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums wies die Darstellung als falsch zurück. Der Bericht des Bundesrechnungshofes sei völlig veraltet, die Untersuchungen stammten aus dem Jahr 1998. Mittlerweile sei die Umstellung in der Bundesverwaltung "zu 100 Prozent abgeschlossen", sagte Sprecher Lutz Meyer-Bruns. Auch Rente und Arbeitslosenhilfe würden pünktlich ausbezahlt. (cp)