O2 erwartet Preisrutsch und kündigt neue Tarife an

Rudolf Gröger, Chef des Mobilfunkunternehmens, will das Tarifsystem vereinfachen und hat für das Weihnachtsgeschäft günstigere Preise angekündigt.

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Deutschlands kleinster Mobilfunknetzbetreiber sieht den Markt in Bewegung. O2 erwartet einen Preisrutsch und will sich mit einem transparenten Tarifmodell und günstigeren Konditionen für die Zukunft rüsten. "Die Handytarife in Deutschland sind viel zu kompliziert", erklärte O2-Chef Rudolf Gröger dem Berliner Tagesspiegel. Neu ist diese Erkenntnis allerdings nicht. Die Konkurrenz ist schon mit Pauschaltarifen am Start. E-Plus-Chef Michael Krammer ist lautstarker Verfechter der neuen Einfachheit und mischt den Markt mit seinen Billigmarken auf. Selbst Telekom-Boss Kai-Uwe Ricke hat die Diagnose schon gestellt, die vorgeschlagene Therapie kann dagegen weniger überzeugen.

Alles soll also einfacher sein. Noch widersprechen die persönlichen Erfahrungen der Handykundschaft und die Erkenntnise der Verbraucherschützer dem neuen Kredo der Branche. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) stellte kürzlich fest, dass der Tarifdschungel im Gegenteil immer dichter wird. Denn auch bei den auf der Oberfläche so einfachen Tarifen gibt es in der Regel zahlreiche Fußnoten. In mancher Tarifbroschüre finden sich derer gar 72 – auf zwei vollen Seiten.

O2 verspricht jetzt, bis Ende des Jahres das Tarifsystem zu vereinfachen. "Der Markt steht vor einem neuen Umbruch". Gröger erwartet, auch bedingt durch die vom Regulierer gesenkten Interconnection-Gebühren, weitere Bewegung nach unten. "Wir werden sicher noch einmal die Preise senken", kündigte der O2-Chef an. Der Süddeutschen Zeitung sagte Gröger: "Wir müssen uns mit Flatrates beschäftigen", über die Hälfte der Genion-Kunden entschieden sich bereits für die optionale Festnetzflatrate. Prepaid-Kunden können jetzt für 5 Euro eine Wochenend-Flatrate zu ihrer LOOP-Karte buchen. Selbst die kommen bisher nicht ohne Fußnoten aus.

Auch beim Flaggschiff Genion soll sich etwas tun. Genaueres will O2 dazu noch nicht verraten. Der Trend geht auch bei den Münchnern zu Dienstleistungen aus einer Hand: Telefon, Handy, das neue DSL-Produkt sowie in Zukunft auch Fernsehangebote oder andere interaktive Dienste. Da ist nicht viel Phantasie nötig, um sich auszumalen, wie ein Genion-Produkt in Zukunft aussehen könnte.

Der deutsche Mobilfunkmarkt ist weitgehend gesättigt. Die Anbieter versuchen sich nun, mit zusätzlichen Angeboten wie DSL-Zugängen oder attraktiveren Preisen gegenseitig die Kundschaft abzujagen. Was noch fehlt, ist eine echte Handy-Flatrate: Ein Tarif für Gespräche in alle Netze. Bisher ließ sich das nur schwer kalkulieren, sagen die Betreiber. Das lag auch an den Interconnection-Gebühren, an denen sie gegenseitig gut verdient haben. Diese Gebühren legt in Zukunft der Regulierer fest. Vielleicht rechnen die Netzbetreiber dann noch mal neu. (vbr)