Verlagsgründer Paul Pietsch gestorben

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Der Mitbegründer und langjährige Verleger der Motor Presse Stuttgart, Paul Pietsch, ist tot. Er starb am 31. Mai drei Wochen vor seinem 101. Geburtstag in seinem Haus in Karlsruhe, wie ein Verlagssprecher am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart bestätigte. Der Unternehmerpersönlichkeit Pietsch gelang im Nachkriegsdeutschland eine rasante Erfolgsgeschichte. Nach einer Karriere als Rennfahrer in den 1930er-Jahren legte er nach dem Krieg den Grundstein für eine Firma, mit der aus einer provisorischen Büro-Baracke ein internationaler Zeitschriftenkonzern erwuchs. Mit seinen Freunden Ernst Troeltsch und Siegfried Hummel hatte Pietsch 1946 von den französischen Alliierten die Lizenz Nummer 1308 erhalten, die zur Herausgabe einer Autozeitschrift berechtigte. Im Dezember 1946 erschien mit einer Auflage von 30.000 Exemplaren und einem Umfang von 36 Seiten erstmals „Das Auto“, Vorläufer der späteren „Auto, Motor und Sport“.

Verlagsgründer Paul Pietsch

(Bild: Motor Presse Stuttgart)

Mit Pietsch starb auch der älteste noch lebende Formel-1-Fahrer. Als seinen größten Erfolg sah er – neben diversen Siegen – 1939 den dritten Platz beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring. Pietschs Leidenschaft galt ausländischen Wagen wie etwa Maserati und Alfa Romeo. Der gebürtige Freiburger war gelernter Bierbrauer und hätte dem ursprünglichen Familienplan zufolge die väterliche Brauerei übernehmen sollen. Doch schon mit 20 Jahren – Pietschs Vater war früh gestorben und hinterließ ein Erbe – kaufte er sich einen Bugatti.

1962 war der Zeitschriftenverleger mit der Gründung der Paul Pietsch Verlage auch ins Buchgeschäft eingestiegen. Nach und nach trieb er die Internationalisierung voran. Sein Reich ist heute nach eigenen Angaben Europas größtes Medienhaus in der sogenannten Special-Interest-Branche und zählt 120 Zeitschriften in 21 Ländern rund um die Welt. Seit dem Jahr 2005 gehört die Motor Presse Stuttgart mehrheitlich zu Gruner + Jahr. Für den Verlag arbeiten aktuell etwa 1500 Menschen. Zu seinem Erfolg hatte der Verleger vor rund einem Jahr in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt: „Ich habe nie mit Krediten gearbeitet, sondern mir gesagt: Lieber einen Schritt langsamer wachsen als mit zu hohem Risiko.“ (dpa) (mfz)