Schon gemerkt? Acrobat Reader und Acrobat 9 kommen jetzt ohne Flash Player!
Adobe liefert seine Reader-Software in bestimmten Versionen bereits seit April ohne eingebetteten Flash Player aus. Ist das der nächste, konsequente Schritt weg von Flash oder blinder Aktionismus?
- Kai König
Viele Nutzer von Adobe Reader und Acrobat dürften bemerkt haben, dass das eigentlich zur Darstellung von PDF-Dokumenten entwickelte Programm über die Jahre deutlich "Schlagseite" in Richtung Multimedia und Interaktivität bekommen hat.
Diese Entwicklung kam nicht von ungefähr, hat sich doch auch PDF von einem Format zur Darstellung von Text- und Grafikinhalten hin zu einem Container-Format für eine Vielzahl von Inhalten entwickelt. Hier sei nur an PDF-Portfolios, Videos in PDF-Dateien oder die Ausführung von JavaScript gedacht.
Ich möchte an dieser Stelle auch nicht auf Vor- und Nachteile dieser Entwicklung eingehen und ebenfalls nicht diskutieren, warum Adobe Reader {Toll|Unbrauchbar|Super|VielSchlechterAlsProduktXYZ|...} ist, sondern nur auf eine wichtige Änderung hinsichtlich der Einbettung von Flash-Inhalten in PDF-Dokumenten hinweisen.
Mit der Veröffentlichung von Adobe Reader und Acrobat 9.5.1 (Sicherheits-Update vom April 2012) hat Adobe die Auslieferung der Datei authplay.dll (bzw. ihr Äquivalent in den Mac-Versionen) mit der PDF-Software gestoppt. Diese Bibliothek stellte die Funktionen von Adobes Flash Player innerhalb Reader bzw. Acrobat bereit, sodass Nutzer und Entwickler Flash-Inhalte problemlos in PDF-Dokumente einbetten konnten.
Diese Vorgehensweise zur Unterstützung von Flash in Reader und Acrobat führt offenkundig zu verschiedenen Problemen, etwa erhöhter Wartungsaufwand und Gefahr von Sicherheitslücken in einer eingebetteten, speziellen Flash-Player-Version. Daher hat sich Adobe entschieden, in Reader und Acrobat 9 von nun an einen bereits auf dem System des Bedieners vorhandenen Flash Player zu nutzen. Diese Anbindung ist mit Hilfe der Netscape Plugin API (NPAPI) implementiert, setzt also einen funktionierenden Flash Player in Firefox, Safari oder Opera voraus. Moderne Versionen von Chrome kommen mit einem eigenen, eingebetteten Flash Player, und Internet Explorer benutzt ja eh ein ActiveX-Plug-in.
Probleme sind durch diese Änderung in der Mehrzahl der Fälle also nicht zu erwarten, die Zahl der von in PDF-Dokumente eingebetteten Flash-Inhalte ist wohl als eher gering einzuschätzen und diese Situation betrifft an dieser Stelle nur Reader und Acrobat 9. Schwierig wird es jedoch, wenn man sich in großen Organisationen umschaut, in denen Alternativen zu Internet Explorer kaum verbreitet sind. Hier mögen zwar Installationen des Flash Player mit Internet Explorer vorliegen, Reader und Acrobat werden diese jedoch nicht nutzen können.
"Und?", könnte da nun die Antwort des Lesers sein. Wer sich die Nutzung von Flash-Inhalten in PDF-Dokumenten jedoch einmal genauer anschaut, stellt fest, dass es sich dabei um einen sehr gängigen und beliebten Weg handelte, interaktive Inhalte in größeren Organisationen zu deployen.
Gerade Marketing- und andere (Nicht-IT-)Geschäfts-Abteilungen konnten auf diesem Weg interne Restriktionen hinsichtlich Flash-Player Versionen aushebeln. Adobe-Lösungen wie Captivate (E-Learning), LiveCycle (Prozess-Management und Formulare) oder InDesign nutzen ebenfalls in PDF-Dateien eingebettete Flash-Inhalte. Die Navigations-Elemente in PDF-Portfolios basieren ebenfalls auf Flash-Inhalten.
Also – teilweise Entwarnung. Wer interaktive Flash-Inhalte in PDF-Dokumente einbetten möchte oder muss, kann das nach wie vor tun – mit der Einschränkung, dass es auf manchen Systemen nun Probleme mit der Darstellung geben kann. Eine ähnliche Entwicklung wird auch auf Reader und Acrobat X zukommen. Es sage keiner, er sei nicht gewarnt worden. Mehr Details kann man in Adobes ASSET-Blog finden. ()