Google News testet Kommentarfunktion
Sehr eingeschränkt lässt Google Kommentare zu Artikeln in der Nachrichten-Suchmaschine zu: Zu Wort kommen nur von den Artikeln direkt betroffene oder zitierte Personen und Organisationen.
Google testet in seiner amerikanischen Nachrichten-Suchmaschine eine neue Kommentarfunktion für die verlinkten Artikel aus den verschiedensten Medien. Das Projekt soll aber kein gigantisches Diskussionforum und auch kein Mega-Blog mit Millionen von – mehr oder minder sinnvollen – Leserbriefen werden. Die Software-Entwickler von Googles Newsteam möchten den von den Nachrichten unmittelbar betroffenen oder in Artikeln erwähnten Personen und Institutionen die Möglichkeit eines Kommentars geben. Die individuelle Perspektive der Betroffenen, so hoffen die Google-Entwickler, könne die von Journalisten verfassten Texte um eine neue Dimension erweitern.
Wie das konkret funktioniert, sieht man bei Artikeln über eine wissenschaftliche Studie, die den Effekt von Fastfood-Verpackungen auf das subjektive Geschmacksempfinden untersucht hat. Hier melden sich der Pressesprecher von McDonalds zu Wort und ein Wissenschaftler, der in einer Agenturmeldung zitiert wurde. Auch der Autor der jüngst veröffentlichten Untersuchung über den schädlichen Einfluss von Lern-DVDs auf Kleinkinder nutzt die neue Kommentarfunktion bereits. Derzeit spricht Google mögliche Kommentatoren noch gezielt an und lädt sie zu einer Stellungnahme ein; schon bald soll das nicht mehr nötig sein.
Die ersten Reaktionen auf das neue Google-Feature fallen zurückhaltend aus. Damit werde Google News von einem Nachrichten-Aggregator zu einem redaktionellen Angebot, meinen skeptische Beobachter. Google will genau diesen Eindruck – wegen der möglicherweise einhergehenden rechtlichen Konsequenzen für das Unternehmen – nicht erwecken. Medienbeobachter äußern zudem Bedenken, dass Google die Identität der Kommentatoren überprüft und damit zum Schiedsrichter darüber wird, wer kommentieren darf und wer nicht.
Es gebe vieles, was für die neue Funktion spreche, meint der Direktor des Center for Citizen Media, Dan Gillmor, im Wall Street Journal. Ebensoviele Gründe aber gebe es, dabei sehr vorsichtig vorzugehen, zum Beispiel die Gefahr der gefälschten Kommentare. Google will das durch verschiedene Methoden verhindern; die Kommentare werden sämtlich manuell geprüft, heißt es im Google News Blog. Journalisten fürchten, dass die Funktion bei den zahlreichen PR-Leuten großen Anklang findet, die ihre Kunden in einem Artikel falsch repräsentiert wähnen und nun ihre PR- und Marketing-Soße über die Artikel gießen.
Für Vic Strasburger, den von AP über die McDonalds-Studie interviewten Forscher, ist das Kommentar-Angebot dagegen eine gute Sache. Er habe so seinen Punkt wesentlich besser rüberbringen können, sagt er dem Wall Street Journal. Schließlich habe er über eine Viertelstunde mit dem AP-Reporter gesprochen, sei in der Agenturmeldung dann aber auf zwei Sätze reduziert worden.
Das neue Feature gibt es vorerst nur in den USA. Google will auf dem Heimatmarkt erst testen, ob die Funktion angenommen wird und welcher Aufwand dafür betrieben werden muss. Sollte sich die Kommentarfunktion bewähren, wird auch über die Einführung in anderen Regionen nachgedacht. (vbr)