Neues Macbook - ein Buch mit sieben Siegeln
Noch schärfer, noch besser, noch toller: Das neue Macbook ist Apples neuer Knüller. Zu Unrecht. Das Ding ist versiegelter als jedes anderes Notebook - aufrüsten und reparieren ist offenbar unerwünscht.
- Jens Lubbadeh
Noch schärfer, noch besser, noch toller: Das neue Macbook ist Apples neuer Knüller. Zu Unrecht. Das Ding ist versiegelter als jedes anderes Notebook - aufrüsten und reparieren ist offenbar unerwünscht.
Es war Tim Cooks erste große Apple-Show nach dem Tod von Steve Jobs. Auf der Apple-Entwicklerkonferenz präsentierte der Apple-Chef das neue Macbook Pro. Der größte Clou: die Auflösung. Fünf Millionen Pixel soll das neue Retina-Display bieten, vier mal mehr als andere Notebooks. Ganz unbescheiden bezeichnete Chefdesigner Jonathan Ive das scharfe Ding, das nächstes Jahr auf den Markt kommen soll, als den „besten Computer, den wir je bei Apple gebaut haben“.
Wow.
Doch jetzt kommt's: Es ist auch der eingekapselteste Computer, den Apple je gebaut hat. Experten der Reparaturcommunity "iFixit" haben das Super-Macbook auseinandergenommen und begutachtet. Nach ihrem Fazit setzt das neue Macbook einen neuen Negativrekord als das „schwerste zu reparierende Laptop“ bisher.
Die erste Hürde ist die Hülle: Apple nutzt eigene Schrauben, die gewöhnliche Schraubenzieher nicht drehen können. Die speziellen Schrauben versiegelten auch schon das iPhone 4 und 4S. Doch selbst wer sich diesen Schraubenzieher besorgt und es schafft, das Macbook zu öffnen, wird weitere Enttäuschungen erleben:
- Das Aufrüsten der Festplatte ist nicht möglich, weil die verbaute SSD-Platte einen eigenen, nicht standardisierten Anschluss besitzt.
- Das Aufrüsten des Speichers ist nicht möglich, weil die RAM-Riegel fest mit dem Mainboard verlötet sind.
- Der Akku ist in das Gehäuse eingeklebt. Außerdem liegt er direkt über dem dünnen Kabel, welches das Touchpad verbindet. Will man den Akku herausnehmen, kann man ihn und das Kabel leicht beschädigen.
- Die gesamte Displaykonstruktion ist in sich geschlossen. Beim Ausfall einer Einzelkomponente muss sie vollständig ausgetauscht werden – was bei Notebooks in der Regel wirtschaftlichen Totalschaden bedeutet.
Apple verfolgt mit dem neuen Macbook weiter konsequent seine Strategie, User davon abzuhalten, selbst an die Geräte Hand anzulegen. Für den Konzern hat das nur Vorteile: Er kann für das Aufrüsten der Komponenten weiterhin seine völlig überteuerten Preise verlangen, für Reparaturservice ebenfalls, 199 Euro verlangt Apple für einen Akkutausch. Aber, was noch entscheidender ist: Weil Apple zugleich in immer schnellerer Abfolge neue Produktlinien anbietet, werden sich User lieber ein neues Produkt kaufen, als für nur unwesentlich weniger Geld ihre alten Geräte aufrüsten lassen.
Gewinner ist Apple, Verlierer die Umwelt: Denn das Recycling solch fest verbauter Elektronik ist genauso schwierig wie ihre Reparatur. Und was passiert mit den ganzen Altgeräten, die eigentlich noch gar nicht wirklich alt sind? Irgendwann landen sie auf brennenden Müllbergen in Afrika, wo die Ärmsten der Armen versuchen, die darin enthaltenen Edelmetalle durch Verbrennen herauszulösen – auf Kosten ihrer Gesundheit. (jlu)