Euro NCAP will ab 2014 auch Notbremsassistenten testen
Seit 2009 werden im Euro-NCAP-Testverfahren auch systeme wie das ESP getestet, die Unfälle vermeiden helfen. Ab 2012 will die Prüforganisation auch Notbremsassistenten prüfen, um so ihre Verbreitung zu fördern
- Gernot Goppelt
Brüssel, 19. Juni 2012 – Seit Einführung das neuen Bewertungsverfahrens im Jahr 2009 geht es beim Euro-NCAP-Test nicht mehr nur um Crashtests. Es zählt nun auch die Unfallvermeidung mithilfe von aktiven Sicherheitssystemen wie dem ESP. Und diese Tendenz verstärkt sich noch, denn die Prüforganisation Euro NCAP will aber 2014 auch die Funktion von automatischen Notbremssystemen in seine Bewertung einfließen lassen.
Nur wenige Anbieter
Nach einer jüngeren Studie ist die Euro NCAP zu dem Ergebnis gekommen, dass autonome Notbremsassistenten die Zahl der Unfälle um 27 Prozent verringern könnte. Allerdings seien diese Systeme in Europa bisher weit davon entfernt, irgendwelchen Standards zu entsprechen. Zudem seien Notbremsassistenten bei 79 Prozent aller angebotenen Pkw nicht erhältlich und 66 Prozent aller Hersteller würden die Technik überhaupt nicht anbieten. Die Systeme verwenden unterschiedliche Sensorik, manche können auch Menschen erkennen, die meisten nur Autos.
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Ab 2014 will die Prüforganisation Euro NCAP auch Notbremsassistenten prüfen, um damit ihre Verbreitung zu fördern.
Den höchsten Standard hätten Volvo, Infiniti und Mercedes, gefolgt von Jaguar, Range Rover, Audi und Lexus, sofern man in der Betrachtung auch Sonderausstattungen berücksichtigt. Bei den Volumenherstellern fallen demnach vor allem die Firmen Mazda, Ford, Honda und Volkswagen positiv auf, die Notbremsassistenten auch für einige „Mainstream“-Modelle anbieten. Dazu gehören zum Beispiel der Mazda CX-5, der Ford Focus, der Honda Civic und sogar der VW Up. Demnächst kommen außerdem die Mercedes A-Klasse sowie die Ford-Modelle Fiesta und Kuga dazu.
Am besten verpflichtend
Laut Euro-NCAP-Chef Michiel von Ratingen wäre eine größere Verbreitung dieser Systeme hilfreich, um das Ziel der EU zu erreichen, die Anzahl der Unfalltoten bis 2020 um 50 Prozent zu verringern. Daher will die Prüforganisation ab 2014 die Prüfung von Notbremsassistenten zum Bestandteil der Bewertung machen, die im besten Fall fünf Sterne abwirft. Damit wird die Hürde nochmals höher gelegt, um die (auch) werbewirksame Höchstwertung erhalten zu können. Darüber hinaus hofft man bei Euro NCAP aber auch, dass die EU Notbremsassistenten bald zu einem verpflichtenden Ausstattungsmerkmal macht.
Zunächst einmal soll allerdings der aktualisierte Euro-NCAP-Test das Bewusstsein der Verbraucher schärfen. Noch nicht ganz transparent ist indes, wie die Qualität der Systeme überhaupt geprüft wird. Besonders die Erkennung von Fußgängern erfordert eine Qualität der Erkennung und Sensorfusion, die heute noch nicht völlig abgesichert ist. Zudem stellt sich die Frage, wie ein verallgemeinerbares Testverfahren sämtliche Eventualitäten des realen Straßenverkehrs abbilden soll. Die Euro NCAP merkt an, dass zum Beispiel moderne Infrarot-Systeme auch bei Dunkelheit noch funktionieren. Natürlich – das sagt aber noch nichts darüber aus, wen oder was sie da erkennen. Es ist zu wünschen, dass das Prüfverfahren Mängel in der Bilderkennung und -bearbeitung minidestens so zuverlässig offenlegen wird, wie die Crashtests Lücken in der passiven Sicherheit aufzeigen. (ggo)