RoboCup-WM: Fußball steht an erster Stelle

In Mexico City ist die 16. RoboCup-Weltmeisterschaft eröffnet worden. Im Mittelpunkt stehen die die verschiedenen Fußballwettbewerbe, aber auch andere Ligen kommen nicht zu kurz.

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  • Hans-Arthur Marsiske

Die 16. RoboCup-Weltmeisterschaft ist eröffnet. Allerdings war die Eröffnungszeremonie mit zwölf Gästen auf dem Podium am Dienstag der einzige Programmpunkt. Ansonsten waren die Teams weiterhin mit Vorbereitungen beschäftigt, viele, insbesondere die Juniorteams trafen an dem Tag erst ein. Die eigentlichen Wettbewerbe beginnen am heutigen Mittwoch.

Bei der Eröffnungszeremonie saßen zwölf Gäste auf dem Podium, aber glücklicherweise haben nicht alle eine Begrüßungsrede gehalten.

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

In erster Linie geht es bei dem Roboterturnier immer noch um Fußball. Jedenfalls nannte Daniele Nardi, Präsident der RoboCup Federation, in seiner Eröffnungsrede das Fußballspiel an erster Stelle und hob insbesondere die Möglichkeiten hervor, auf dem Spielfeld die Kooperation autonomer Roboter voranzubringen. Allerdings steckt ausgerechnet die Liga, die hierfür gegenwärtig am besten geeignet ist, in einer tiefen Krise. Das ist auch jetzt in Mexico City nicht zu übersehen: Die Middle Size League, bei der bis zu sechs Roboter pro Team auf einem 12 mal 18 Meter großen Spielfeld antreten, ist ziemlich abseits vom übrigen Geschehen in einer kleinen Halle untergebracht, zusammen mit der Rescue Simulation League. Lediglich fünf Teams haben es hierher geschafft. Ein sechstes Team aus China, die Nubots, haben zwar ihre Roboter nach Mexiko geschickt und Hotelzimmer reserviert, haben aber keine Visa für die Einreise bekommen. Das ist besonders bitter, weil der Transport der großen und schweren Roboter sehr teuer ist.

Bernardo Cunha vom portugiesischen Team Cambada beklagte auch eine schlechte Vorbereitung. Das Spielfeld weise einige Mängel auf, sagte er und meldete dringenden Diskussionsbedarf über die Zukunft dieser Liga an, die erst vor zwei Monaten bei den RoboCup Dutch Open zeigen konnte, welches Potenzial in ihr steckt. Dort verfolgten zeitweise über 600 Zuschauer mit großer Begeisterung die Spiele, die durch eine neue Regel noch einmal interessanter geworden sind: Dribbeln über die Mittellinie ist nicht mehr erlaubt, um in die gegnerische Hälfte zu kommen, muss der Ball zu einem Mitspieler gepasst werden. In Mexiko werden kaum 100 Zuschauer auf der Tribüne Platz finden.

In der Middle Size League rächt sich damit sicherlich auch das Versäumnis, rechtzeitig die Spielregeln verschärft zu haben. Andere Ligen waren da aufmerksamer. So ist in der Standard Platform League, in der mit Nao-Robotern gespielt wird, die Gleichartigkeit der Tore in diesem Jahr das beherrschende Thema. Bislang konnten die Roboter die Tore anhand der Farben unterscheiden. Das ist jetzt nicht mehr möglich: Beide Tore sind gelb, das Spielfeld vollkommen symmetrisch. Die Teams mussten sich daher neue Verfahren für die Orientierung überlegen. Einige nutzen dafür die Umgebung jenseits des Spielfelds, andere setzen vor allem auf die Kommunikation der Spieler untereinander. Insbesondere dem Torwart kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: Wenn der Stürmer gerade zum Schuss ansetzt, von seinem Torwart aber erfährt, dass der den Ball unmittelbar vor sich sieht, sollte er die Aktion lieber abbrechen und die Richtung wechseln.

Sieht gut aus und kann sogar einen Ball aufheben: der neue Teen-Size-Roboter des Teams NimbRo.

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Die Standard Platform League verwendet einheitliche Hardware, die nicht verändert werden darf. Es geht ausschließlich um die Programmierung. In der Humanoid League kann die Hardware dagegen innerhalb vorgegebener Maße frei gestaltet werden. Allerdings nutzen hier viele Teams den Roboter Darwin, der teilweise auch modifiziert wird. Mit einer Größe von 45 Zentimetern gehört er in die Kid-Size-Klasse, die am stärksten besetzt ist. In der Teen Size mit Robotern von 90 bis 120 Zentimetern Größe treten dagegen nur vier Teams an. Jacky Baltes vom Organisationskomitee erwartet trotzdem einen spannenden Wettbewerb, da es sich um durchweg starke Teams handle.

Neben Fußball erwähnte Daniele Nardi in seiner Eröffnungsrede auch die anderen, stärker auf konkrete Anwendungen ausgerichteten Ligen wie RoboCup@home und RoboCup Rescue. Einer der Roboter, die in das zerstörte Kernkraftwerk in Fukushima vorgedrungen waren, sei beim RoboCup entwickelt worden. "Darauf sind wir sehr stolz", sagte er. Dabei war Nardi noch bescheiden: Immerhin war der japanische Roboter Quince, dessen Vorläufermodell beim RoboCup 2007 den zweiten Platz erreichte, der einzige, der in der Kraftwerksruine die Treppen bewältigte und bis in die oberen Stockwerke vordrang.

RoboCup-WM - Eröffnungstag (4 Bilder)

Sombrero

Wer in Mexiko stilecht ins Turnier gehen will, trägt natürlich Sombrero. (Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Auch RoboCup Rescue leidet in diesem Jahr allerdings unter einer eher schwachen Teilnahme. Elf Teams sind bisher eingetroffen, eins wird noch erwartet. Offenbar hat die lange Reise nach Mexiko viele abgeschreckt. Als neue Herausforderung steht "directed perception" im Mittelpunkt: In der Rescue Arena sind kreuzförmig angeordnete Röhren aufgebaut, in denen sich Sehtesttafeln befinden, wie sie Augenärzte verwenden. Die Aufgabe der Roboter ist es, in möglichst viele dieser Röhren zu blicken und die Tafeln richtig zu erkennen -- und das alles auf unebenem Untergrund. Das kann auch mit nur elf oder zwölf Teams spannend werden. (mho)