Mehr Patentanmeldungen in Asien
Aus der aktuellen Patent-Statistik der UN-Organisation für geistiges Eigentum WIPO lässt sich eine Verschiebung der Patentanmeldungen in Richtung Asien ablesen.
Für jede in die Forschung investierte Million wurden 2005 in Korea knapp sechs Patente angemeldet. Das ist mehr als in jedem anderen Land der Welt und nur einer der Indikatoren der von der World Intellectual Property Organisation (WIPO) konstatierten Verschiebung hoher Anmeldezahlen in Richtung Nordostasien. Die für das geistige Eigentum zuständige UN-Organisation legte heute ihre aktuelle Statistik zur Entwicklung der Patentanmeldungen weltweit vor. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2005, da die Daten nur mit großer Verzögerung an die WIPO gegeben werden.
Den Trend, dass mehr und mehr asiatische Staaten die klassischen Patentanmelder überflügeln, hatte die WIPO bereits im letzten Jahresbericht festgehalten. Erneut fiel das Wachstum der Patentanmeldezahlen in Ländern wie Korea und China höher aus. China verzeichnete etwa 2005 fast 33 Prozent mehr Anmeldungen als 2004, rechnet man lediglich Patente chinesische Erfinder, waren es sogar über 42 Prozent.
Zwar bleibe die Nutzung des Patentsystems nach wie vor konzentriert auf einige wenige Regionen der Welt, teilte WIPO-Generaldirektor Kamil Idris mit. "Wir sehen aber eine historische Evolution in der geographischen Verteilung der Innovation". In den kommenden Jahren würden sich die Anteile am patentierten Wissen verschieben und es würde mehr Teilhaber geben.
Von den Millionen im Jahr 2005 gültigen Patenten sind 90 Prozent bei zehn Patentämtern angemeldet, und zwar in den USA, Japan, Deutschland, Korea, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Spanien, China, Kanada und der Russischen Föderation. 28 Prozent all dieser Patente gehören japanischen Patentinhabern, 21 Prozent US-amerikanischen. Beim Spitzenreiter Japan hat sich allerdings die Wachstumskurve auch deutlich abgeschwächt. Beim japanischen Patentamt wurden 2005 nur 0,9 Prozent mehr Patente angemeldet als 2004. Beim Europäischen Patentamt waren es im Vergleich dazu immerhin 4,1 Prozent mehr.
Allerdings melden gerade klassische Patentländer verstärkt Patente genau dort an, wo die Wachstumsraten so hoch sind – und sorgen damit für solche Wachstumsraten. Die WIPO spricht von einem starkten Trend zur Internationalisierung, der sich darin zeige, dass die Anmeldezahlen von Nicht-Einwohnern bei den jeweiligen Patentämtern rascher gewachsen sind als die von Einwohnern.
Vor allem Erfinder aus USA, Japan, Deutschland, Korea und Frankreich melden verstärkt Patente im Ausland an. Ziel sind dabei bevorzugt die USA, dahinter China, das Europäische Patentamt, Japan, Korea und Kanada. Schon 51 Prozent der beim Europäischen Patentamt angemeldeten Patente gehören nicht-europäischen Patentinhabern, in den USA sind es 47 Prozent.
Auch bei der Anmeldung von Patenten in möglichen Exportländern sieht die WIPO bereits erste Hinweise darauf, dass asiatische Unternehmen mehr und mehr auch ihre Patente anderswo anmelden. Nach WIPO-Angaben nimmt die Zahl der Patentanmeldungen für koreanische, chinesische und indische Erfindungen bei fremden Patentämtern zu. Damit würde der Schutz von Erfindungen aus diesen Ländern international ausgedehnt. Was die Wachstumsraten bei Patentierungen im Ausland angeht, liegen Korea, China, Indien vorne.
Bemerkenswert ist schließlich auch die von der WIPO erfasste Veränderung beim Patenteifer in verschiedenen Technologiesparten. Während etwa im Bereich Maschinenbau deutlich weniger Patente angemeldet werden, wird in den Bereichen Medizintechnologie (plus 32 Prozent seit 2000), audiovisuelle Technik (plus 28 Prozent) und Informationstechnologie (plus 27 Prozent) deutlich mehr "erfunden". Ein rasantes Wachstum im Halbleiterbereich konstatiert die WIPO auf Basis eigener Zahlen aus Anmeldungen nach dem Internationalen Patent Cooperation Treaty. Anmeldungen im Wachstumsbereich Elektronik gibt es übrigens vor allem bei den Patentämtern von Japan, den USA und Korea. (Monika Ermert) / (vbr)