Alles auf Sieg

Ob Microsoft mit Surface Erfolg haben wird, hängt davon ab, ob das Windows-8-Tablet nicht nur gut gedacht, sondern auch gut gemacht ist.

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Von
  • JĂĽrgen Seeger

Microsoft“, schreibt Wikipedia, „ist ein multinationaler Softwarehersteller“. Das ist seit dem 18. Juni 2012 nur noch die halbe Wahrheit. Und hat eigentlich noch nie richtig gestimmt, so jedenfalls Steve Ballmer während der Präsentation des Tablet-Computers Surface in Los Angeles. Denn Microsoft sei schon 30 Jahre lang auch im Hardware-Business aktiv – die MS-Maus (1982!), das Natural-Ergonomic-Keyboard, die Webcam, die Xbox360, der Multitouch-Tisch, Kinect …

Aber Windows, „the heart and soul of Microsoft“ (immer noch Ballmer), läuft doch seit Jahr und Tag hundertmillionenfach nicht auf eigener Hardware, sondern nur auf PCs von Drittanbietern? Nicht kleinlich werden. Ein perfektes „Benutzererlebnis“ ist nur durch die Einheit von Hard- und Software möglich (weiterhin Ballmer). Ein Schelm, wem dabei ein angebissener Apfel einfällt. Oder das „Was schert mich mein Geschwätz von gestern“ eines ehemaligen deutschen Bundeskanzlers.

Aber weder Politik noch Geschäft beruhen auf unumstößlichen Wahrheiten, und die erfolgsverwöhnten Redmonder haben in den letzten Jahren in einem Bereich nach dem anderen die Poleposition abgeben müssen. Ihre Suchmaschine Bing kann Google nicht das Wasser reichen, im Smartphone-Markt spielen Windows Phone/Mobile keine Rolle mehr, das boomende Tablet-Segment beherrscht Apple, der Windows-Phone-Marketplace ist bestenfalls ein Me-too-Produkt.

Es wurde also dringend Zeit fĂĽr einen Paukenschlag. Und zumindest die bis jetzt bekannten Eckdaten lassen Surface, den Windows-Tablet-Computer mit der Tastatur im Deckel, gut dastehen. Denn:

  • Auf dem größeren der beiden Modelle läuft mit Windows 8 Microsofts nächstes Desktop-Betriebssystem, steht also die ganze Vielfalt von Anwendungssoftware zur VerfĂĽgung, die die Windows-Welt auszeichnet (der Sinn des ARM-basierten Modells mit Windows RT als Betriebssystem erschlieĂźt sich dem Autor dieser Zeilen nicht).
  • Wenn die Tastatur so gut funktioniert wie behauptet, kann man den Surface auch fĂĽr ernsthaftes Arbeiten einsetzen und nicht nur zum Websurfen, Videos-Schauen und Spielen. MS Office ist durch Angry Birds nicht wirklich zu ersetzen.
  • Im Vergleich zum iPad stellt sich Surface durch USB-Port et cetera deutlich offener dar (was kein KunststĂĽck ist).

Um es mit den Worten eines Kommentators auf YouTube zu sagen: Does all the stuff iPad owners (like me) wish their iPad could do.

Ob Surface wirklich zur ernsthaften iPad-Konkurrenz wird, hängt jetzt davon ab, ob das Produkt nicht nur gut gedacht, sondern auch gut gemacht ist. Es geht um Details wie die Reaktionspräzision der Touch-Oberfläche, die Akkulaufzeit, die ärgernisfreie Plug-and-Play-Kommunikation mit angedockter Hardware.

Viel Hilfe hat Microsoft dabei nicht zu erwarten. Denn die PC-Hersteller, die bislang jede neue Betriebssystemversion mitgepusht haben, werden bei Windows 8 zu Konkurrenten.Sie planen nämlich längst eigene Tablets.

Alle Links: www.ix.de/ix1207003 (js)