Wie man sich 1982 die Zukunft vorstellte
Wie wird unsere Zukunft in 30 Jahren aussehen? Diese Frage sollte 1982 der „Kids' Whole Future Catalog“ beantworten. Zeit für eine Rückschau.
- Hannah Fuchs
Wie wird unsere Zukunft in 30 Jahren aussehen? Diese Frage sollte 1982 der „Kids' Whole Future Catalog“ beantworten. Zeit für eine Rückschau.
Roboter für den Hausputz, Computer, die den morgendlichen Weckdienst übernehmen und abends das Licht ausschalten oder Urlaub im Weltraumhotel – so wurde unsere heutige Welt 1982 im „Kids' Whole Future Catalog“ von Paula Taylor vorhergesehen. Urlaub im Weltraum machen wir zwar noch nicht, wenngleich auch schon erste Weltraumtouristen ins All geflogen sind. Dank Smart Homes sind wir aber durchaus in der Lage, das Licht zu steuern und den Putzroboter gibt es (womöglich noch nicht ganz ausgereift) auch schon, wie man hier vor einigen Tagen lesen konnte.
„The Kids' Whole Future Catalog“ ist – wie man dem Titel unschwer entnehmen kann – eigentlich ein Kinderbuch. In Kapiteln wie „Future Technology“, „Future Transportation“, „Future Energy“ oder „Future Work“, bereitete Paula Taylor darin Kinder auf die Welt im Jahr 2012 vor. Die 30 Jahre sind nun vergangen, höchste Zeit, die Prognosen aus den Achtzigern zu überprüfen:
(Texte sinngemäß übersetzt und gekürzt)
„Future Technology“ (S. 11-24):
Im Jahr 2000 sollen Computer im Buchformat erhältlich sein. Darin stehen dann all die Informationen, die auch in der Library of Congress (die Bibliothek mit dem weltweit größten Bücherbestand) in Washington zu finden sind. Statt in der Schule zu sitzen, werden wir unsere eigenen Lerncomputer zu Hause haben und auch nicht mehr jeden Morgen ins Büro fahren, sondern auch diese Arbeit von unseren PCs aus erledigen.
Autos überwachen künftig selbstständig ihre Elektronik und signalisieren, sobald etwas falsch läuft. Sie werden uns sagen, wie lange die Fahrt dauert und wie weit ein Ziel entfernt ist. Außerdem wird uns der dafür nötige Spritverbrauch mitgeteilt. Zur Bushaltestelle müssen wir 2012 nicht mehr laufen – es genügt eine Nummer zu wählen und uns wird ein Bus vor die Haustür geschickt.
Sogenannte E-Book-Reader sind wohl genau das, was sich die Leute 1982 unter einem „Computer im Buchformat“ vorstellten und alternativ hat heute auch Wikipedia (2001 gegründet) – mehr oder weniger fundierten Inhalt – zu bieten. Diese „Future Technologies“ könnten wir abhaken. Glücklicherweise gehen unsere Kinder heute jedoch noch immer zur Schule, die Heimarbeit vom eigenen PC findet sich aber immer häufiger. Auch unsere Autos haben sich in den letzten 30 Jahren weiter entwickelt. Autoschlüssel im eigentlichen Sinne sind bereits überflüssig, der Start per Knopfdruck reicht oft aus. Und auch die Routenplanung, Überwachung der Elektronik und des Verbrauchs übernehmen Autos im Jahr 2012. Nur die öffentlichen Verkehrsmittel kommen noch immer nicht auf Abruf vorgefahren - leider.
„Future Homes & Communities“ (S. 25-58):
In 30 Jahren wird es Städte geben, in denen das Leben im Einklang mit der Natur im Vordergrund steht. Die Menschen, die in dieser Stadt leben, wollen sie so gepflegt und ruhig wie möglich halten. Außerdem wollen die Menschen dort in Zukunft bestmöglich Ressourcen einsparen.
Moderne Häuser werden bald von einem Computer kontrolliert. Er signalisiert, wenn der Kaffee fertig ist und er erinnert die Bewohner daran, den Müll raus zu bringen. Mithilfe einer Fernsteuerung lässt sich der Fernseher, aber auch alle anderen technischen Geräte kontrollieren. Wenn sich das Garagentor öffnen soll, geben wir lediglich den jeweiligen Befehl in der Gegensprechanlage durch. In der Nacht kümmert sich der Computer eigenständig um das Bezahlen von Rechnungen.
In 30 Jahren wird es auch unterirdische Häuser geben, die im Winter schön warm bleiben und im Sommer gut gekühlt sind. Drei Meter unter der Erdoberfläche betragen die Heizkosten nur rund ein Viertel, verglichen mit unseren heutigen Wohnhäusern.
Da das Land in Zukunft knapp und teuer wird und die Erdoberfläche zu dreiviertel mit Wasser bedeckt ist, denkt die Menschheit in 30 Jahren darüber nach, schwimmende Städte zu bauen.
Städte im Einklang mit der Natur sind aktuell tatsächlich im Trend. Wo im Buch von „gewachsenen Häusern“ die Rede ist, sind wir heute beim vergleichbaren Urban Farming (siehe hierzu Technology Review 08/2012) angekommen. Und auch die „computergesteuerten Häuser“ sind gerade stark im Kommen; um bestmöglich Energie einzusparen und den Haushalt zu automatisieren, können Licht, Heizung, Elektrogeräte bereits mithilfe heutiger Technologie gesteuert werden. Nur die Rechnungen müssen wir leider noch immer selbst zahlen... Erste Versuche mit unterirdischen Häusern oder schwimmenden Städten, sogenannten „Floating Cities“, laufen, durchgesetzt haben sie sich aber bis heute noch nicht. Vielleicht aber 2042?
„Future Work“ (S. 181-200):
2012 werden einige unserer heutigen Berufe vielleicht nicht mehr existieren, da der Computer viele Aufgaben übernehmen wird. Die Menschen werden ihre Post über das Internet verschicken; in Postämtern wird es somit vielleicht keine Angestellten mehr geben. Und auch die Stellen für Börsenmakler und Reiseberater werden rar. Denn in Zukunft nutzen die Menschen ihre Computer, um Börsenpreise zu kontrollieren oder Flugtickets zu buchen. Heute sind IT-Programmierer gefragt, aber in 30 Jahren vielleicht nicht mehr – denn dann werden viele Computer in der Lage sein sich selbst zu programmieren.
Die Prognosen zum Arbeitsmarkt treffen die Sache ziemlich genau auf den Punkt: Computer übernehmen bereits viele unserer früheren Jobs. In Zeiten von Internet und Automatisierungstechnik greifen wir heute oftmals auf den PC zurück, wofür wir früher mit „echten Menschen“ in Kontakt treten mussten. Onlinebooking, -banking, -mailing, was würden wir nur ohne das liebe Internet tun! In der Industrie übernehmen heute wenige Roboter Arbeiten, für die früher viele Menschen nötig waren. Gleichzeitig tun sich aber auch neue Jobs auf, da prophezeit das Buch beispielsweise eben diesen Roboterentwickler, der diese speziell nach Kundenwünschen entwirft oder den Geningenieur, der 2012 neue, beständigere Arten entwickelt.
Die 254 Seiten sind für ein Kinderbuch zwar stattlich, liefern jedoch eine ganz gute Vorbereitung darauf, was heute tatsächlich Realität ist. Denn auch wenn einige Pläne, wie Weltraumhotels oder Unterwasserstädte vielleicht etwas verfrüht waren, treffen andere Prognosen im Grunde genommen zu. Energieeffizienz, erneuerbare Energien oder intelligente Technologien schienen auch in den Achtzigern schon ein Topthema gewesen zu sein.
Der „Kids’ Whole Future Catalog“ ist mittlerweile „out of print“ und auch bei Amazon finden sich nur noch wenige gebrauchte Exemplare. Dabei reicht die Preisspanne von zehn bis knapp 140 Dollar. Das eigentliche Kinderbuch scheint zum echten Liebhaberstück geworden zu sein. So langsam könnte man über eine Neuauflage nachdenken:
Was meinen Sie – wie wird unsere Zukunft im Jahr 2042 aussehen?
(jlu)