Elektronische Stabilitätskontrolle soll in US-Fahrzeugen zur Pflicht werden
Die National Highway Traffic Safety Administration gibt heute neue Vorschriften zur Verminderung des Unfallrisikos im StraĂźenverkehr bekannt. Im Mittelpunkt steht das Anti-Schleudersystem ESP.
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) gibt am heutigen Donnerstag neue Vorschriften zur Verminderung des Unfallrisikos im Straßenverkehr bekannt. Wichtigste Änderung dürfte dabei die Verpflichtung für Automobilhersteller sein, Neufahrzeuge künftig serienmäßig mit einer Elektronischen Stabilitätskontrolle (ESP) auszustatten. Nach einer Studie des Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) könnten allein in den USA jedes Jahr rund 10.000 Todesfälle vermieden werden, würde man alle Fahrzeuge mit einem solchen Anti-Schleudersystem ausrüsten.
Wissenschaftler der Universität Michigan kommen in einer anderen Studie zu dem Ergebnis, dass ein eingebautes ESP das Risiko eines Fahrzeugüberschlags mit Todesfolge für die Insassen bei SUVs (Sports Utiliy Vehicle) um 73 Prozent und bei herkömmlichen Pkw um 40 Prozent verringern kann. Sie verglichen dabei die Unfallfolgen von Fahrzeugmodellen aus den Jahren 1995 bis 1999 mit Modellen der Jahre 2000 bis 2004. Insgesamt halten die Wissenschaftler fest, dass die elektronische Stabilitätskontrolle die wichtigste Neuerung im Bereich der Fahrzeugsicherheit seit der Einführung des Sicherheitsgurtes ist.
Dennoch sind Fahrzeuge mit ESP-Systemen, die instabile Fahrzustände über Lenkwinkel-Daten, Raddrehzahlen, Querbeschleunigungen und Gierraten (Drehungen um die Hochachse) erfassen und Schleudervorgänge durch Eingriffe in das Bremssystem und Motormanagement entschärfen können, in den Vereinigten Staaten alles andere als verbreitet. Während Deutschland bei den Pkw-Neuzulassungen im Jahr 2004 schon auf eine ESP-Einbaurate von 64 Prozent kam, waren es in den USA gerade einmal 11 Prozent. Für das Jahr 2006 weist Deutschland eine Einbaurate von 73 Prozent aus und wird damit in der EU nur von Schweden übertroffen; der EU-Durchschnitt liegt bei 39 Prozent.
Aber auch hierzulande hagelt es Kritik. Denn ESP-Systeme sind in Deutschland meist erst ab der Mittelklasse wirklich Standard, obwohl sie gerade in Kleinwagen, die häufig von Fahranfängern gesteuert werden, besonders wichtig wären. Doch dort ist ESP häufig noch nicht einmal gegen Aufpreis erhältlich. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat deshalb im Februar eine Empfehlung zur Selbstverpflichtung aller deutschen Automobilhersteller ausgesprochen, ESP serienmäßig in alle Fahrzeuge einzubauen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) forderte die Hersteller auf, ESP nicht in Kombination mit teuren Ausstattungspaketen anzubieten. Dies würde den Kunden nur vom Erwerb von mehr Sicherheit abschrecken. (pmz)