SAIC plant und koordiniert GPS-Modernisierung
Die US Air Force hat die Science Applications International Corporation (SAIC) damit beauftragt, die EinfĂĽhrung der 4,2 Milliarden US-Dollar teuren dritten GPS-Generation zu planen und zu ĂĽberwachen.
Während in Europa die Entwicklung und der Aufbau des geplanten Satelliten-Navigationssystems Galileo nicht zuletzt wegen nationaler Kompetenzstreitigkeiten mehr schlecht als recht vorankommt, bereiten die USA derzeit die nächste Generation ihres bereits seit mehr als einem Jahrzehnt einsatzfähigen Global Positioning System (GPS) vor. Spätestens bis zum Jahr 2014 sollen die mindestens 24 aktiven GPS-Satelliten (derzeit 31) einschließlich Bodenstationen durch neueste Technik ersetzt werden. Anders als bislang hat die für den GPS-Betrieb verantwortliche United States Air Force (USAF) aber nicht die staatliche Aerospace Corporation sowie Generalunternehmer wie Boeing oder Lockheed Martin mit der Planung und Koordination des 4,2 Milliarden US-Dollar schweren Projekts beauftragt, sondern mit der Science Applications International Corporation (SAIC) einen Consulting- und Entwicklungspartner aus der Privatwirtschaft an Bord geholt.
SAIC ist eigenen Angaben zufolge darauf spezialisiert, "komplexe technische Probleme der nationalen und inneren Sicherheit, im Energie- und Umweltsektor, in der Raumfahrt, der Telekommunikation und in der Logistik zu lösen". Den Großteil ihrer Aufträge erhält die inzwischen börsennotierte SAIC von der US-Regierung, etwa vom Department of Homeland Security (DHS), das zuletzt den Prototyp eines Cargo Advanced Automated Radiography System (CAARS) zum Aufspüren von radioaktiven Materialien bestellt hatte. Kunden sind aber auch die NATO (etwa beim ALTBMD-Programm für strategische Abfang- und Abwehrraketen im Gefechtsfeld) oder Entergy, einer der größten Stromerzeuger in den USA, dessen IT-Infrastruktur SAIC nach dem Hurrikan Katrina wieder aufbaute. Das Unternehmen war auch an den Sicherheitsvorkehrungen anlässlich der Olympischen Sommerspiele in Athen (2004) beteiligt. Viele der SAIC-Mitarbeiter gelten als Geheimnisträger.
Bekannt in der IT-Branche ist SAIC aber vor allem durch die Übernahme der Firma Network Solutions (NSI) im Jahr 1995 und den späteren Verkauf von NSI an VeriSign. Dabei soll das Unternehmen einen Gewinn von bis zu 21 Milliarden US-Dollar eingestrichen haben. NSI war lange alleine für die Registrierung von Top Level Domains im Internet zuständig. Noch heute sollen enge Verbindungen zwischen der .com-Registry VeriSign, SAIC und den Verantwortlichen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) bestehen. Insgesamt beschäftigt SAIC mehr als 43.000 Mitarbeiter in über 150 Ländern weltweit und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 8 Milliarden US-Dollar. Das operative Ergebnis im Geschäftsjahr 2005/06 (Ende: 31. Januar) betrug 496 Millionen US-Dollar, als Nettogewinn wies das Unternehmen 927 Millionen US-Dollar aus (PDF-Datei).
Das Volumen des Projekt-Management-Auftrags der US Air Force zur Weiterentwicklung des Global Positioning System beziffern Branchenkenner auf mehr als 250 Millionen US-Dollar. Die Air Force war wegen Verzögerungen und Budgetüberschreitungen bei größeren Entwicklungsprojekten in der Vergangenheit immer wieder in die Kritik geraten. Erste Aufträge zum Bau der neuen GPS-III-Satelliten – um die sich Boeing und Lockheed Martin bewerben – sollen bereits in diesem Jahr vergeben werden. Da SAIC Geschäftsbeziehungen zu gleich mehreren Konsortialpartnern des Galileo-Projekts (darunter EADS und Thales) unterhält, dürfte interessant werden, wie das Unternehmen seine Strategie im Hinblick auf das Konkurrenzprogramm der EU abstimmt. Diese hatte zuletzt ein Machtwort sprechen müssen, damit der notwendige Gründungsvertrag für das Konzessionsunternehmen überhaupt unterschrieben wird. (pmz)