Antiken Schwarzweiß-Aufnahmen Farbe eingehaucht
Die Welt vor 100 Jahren in Farbe: Im Internet schlummern riesige Archive mit alten Schwarzweißaufnahmen, aus denen man sehr einfach naturgetreue Farbfotos machen kann. Wir zeigen, wo Sie diese Bilder finden und wie Sie ihnen Farbe einhauchen.
Erste Experimente mit Farbaufnahmen gehen auf die 60er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. Das Prinzip bestand darin, von einem Motiv nacheinander drei Schwarzweißdiapositive jeweils mit rotem, grünem und blauem Filter aufzunehmen. Die Bilder wurden dann entsprechend mit den gleichen Farbfiltern passgenau übereinander an die Wand projiziert. Durch additive Farbmischung entstand so eine farbige Darstellung des Motivs. Farbfilme, wie wir sie heute (noch) kennen, gibt es erst seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts.
(Bild: Mikhailovich Prokudin-Gorskii, Library of Congress)
Viele der damaligen Aufnahmen sind der Nachwelt in Form von Scans der Originalaufnahmen erhalten geblieben. So etwa von dem russischen Chemiker und Fotografen Sergei Mikhailovich Prokudin-Gorskii, der Anfang des 20. Jahrhunderts begann, seine Heimat in Farbaufnahmen zu dokumentieren. Man findet seine digitalisierten Originalarbeiten in der Library of Congress. Wer sich einmal selbst an der Restauration und farbigen Umsetzung der Schwarzweißaufnahmen versuchen will, kann sich die Positive als hochauflösende TIFF-Dateien hier herunterladen. Damit können Sie in die faszinierende Farbwelt des damaligen Russischen Reiches einzutauchen – eine Epoche, die wir ansonsten nur als Schwarzweißdarstellung im Kopf haben. Im Folgenden geben wir eine Anleitung, wie man aus den drei schwarzweißen Originalbildern zu einem Farbbild kommt.
Sergej Mikhailovich Prokudin-Gorskii (20 Bilder)

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Vom schwarzweißen Original zum Farbbild
(Bild: Mikhailovich Prokudin-Gorskii, Library of Congress)
Vorbereitungen. Die Aufnahmen sind in dem Archiv in unterschiedlichen Auflösungen und Formaten abgelegt. Für eine schnelle Durchsicht eigen sich die JPEG-Dateien, zur Restauration und Farbumsetzung die hochauflösenden Tiff-Bilder. In Photoshop geladen, sieht man drei unterschiedlich gefilterten Schwarzweißversionen des Motivs übereinander: oben Blau, in der Mitte Grün und Rot. Zunächst wechselt man Im Menü Bild in den Modus RGB-Farbe.
Einzelaufnahmen. Nun markieren Sie mit dem Auswahlrechteck-Werkzeug die Einzelaufnahmen und kopiert die Auswahlen (Strg + "C") jeweils in eine neue leere Datei (Strg + "N" und Strg + "V"). Dabei beginnt man am besten mit der Aufnahme – dem Grünkanal –, da diese am größten ist. Für die anderen beiden bewegt man die Auswahl per Cursor nach oben oder unten, sodass ihre Größe identisch bleibt. Die drei neuen Bilder reduziert man nun jeweils auf die Hintergrundebene (Strg + "E") und speichert sie als TIFF-Dateien ab.
Deckungsgleich. An den Einzelaufnahmen lässt sich schon erkennen, dass die Bildausschnitte nicht 100-pozentig identisch sind. Der nächste Arbeitsschritt dient nun dazu, die Ausschnitte in Deckung zu bringen. Dazu laden wir die drei Einzelaufnahmen als Ebenenstapel mit dem Befehl: Datei/Skripten/Dateien im Stapel laden… Darauf erscheint das Menüfenster Ebenen laden. Hier laden Sie die drei Bilder per Durchsuchen in die Liste und versehen die Checkbox Quellbilder nach Möglichkeit automatisch ausrichten mit einem Häkchen – OK. Wenn die Deckung der drei Ebenen gut übereinstimmt – bei sich leicht bewegenden Motiven wie Menschen, Bäumen oder Wasseroberflächen kann das schon einmal etwas problematischer sein – kann man die Arbeitsfläche beschneiden: Bild/Arbeitsfläche… Bei Werten von etwa 2.900 × 2.900 Pixeln schneidet man die problematischen Randbereiche ausreichend ab und die Auflösung eignet sich dann auch noch für größere Ausdrucke.
Es werde Farbe. Im folgenden Arbeitsschritt geht es darum aus den Schwarzweißebenen ein Farbbild zu "zaubern". Dazu öffnet man eine leere Datei in der Größe der Arbeitfläche des zugeschnittenen Bildes (also 3.000 × 3.000 Pixel) im RGB-Modus mit weißem Hintergrund. Aus der Datei mit den Rot-, Grün- und Blau-Ebenen wählen Sie nun die blaue Ebene aus und kopieren den Inhalt in die Zwischenablage (Strg + "A" und Strg + "C"). Nun wechseln Sie in die neue Datei und aktivieren dort in der Kanalpalette den Blaukanal. Nun fügen Sie per (Strg + "V") den Inhalt der Zwischenablage in die Arbeitsfläche ein. Diesen Vorgang wieder holen Sie noch für den Grün- und Rot-Kanal. Dabei nicht vergessen, in der "alten" Datei vor der Auswahl der nächsten Ebene wieder in den Ebenen-Modus zu wechseln. In der RGB-Ansicht baut sich nun nach und nach das Farbbild auf.
(Bild: Mikhailovich Prokudin-Gorskii, Library of Congress)
Nachbearbeitung. Die fertige Farbaufnahme lässt sich nun noch weiter verfeinern und optimieren. Dazu muss man die Aufnahme zunächst noch einmal speichern und neu laden, da Photoshop sonst nur einen der drei Farbkanäle bearbeitet – das könnte ein Bug sein. Zunächst gilt es die vielen Bildstörungen wie Kratzer, Risse oder Flecken zu entfernen, das geht sehr schön mit dem Bereichsreparaturpinsel. Sodann kann man per Gradationskurve oder Tonwertkorrektur noch die Tonwerte optimieren Hierbei empfiehlt es sich kanalweise vorzugehen. (pen)