Musikmesse: Gemeinsames Spiel ĂĽber das Internet
Das US-amerikanische Unternehmen eJamming präsentiert in Frankfurt eine Software, die gemeinsames Musizieren "in Echtzeit" über das Web ermöglichen soll.
Der Keyboarder haut in Miami in die Tasten, während gleichzeitig der Gitarrist in Berlin die Saiten anschlägt und die Sängerin in Rio ins Mikrofon haucht – so oder so ähnlich läuft zukünftig die Aufnahme eines Songs ab, wenn es nach der US-amerikanischen Firma eJamming geht. Die hat gerade auf der derzeit in Frankfurt stattfindenden Musikmesse ihren Dienst "eJamming AUDiiO" gestartet. Musiker aller Stilrichtungen sollen darüber künftig über das Internet zusammen musizieren können. Die benötigte Software für PC oder Mac steht zum kostenlosen Download bereit, der Dienst selbst soll nach einer einmonatigen Betaphase nach derzeitigen Plänen zwischen 10 bis 12 Euro pro Monat kosten. Dafür, erklärte der Firmenmitgründer, Vorsitzender und Präsident Alan Jay Glueckman gegenüber heise online, könne man dann aber auch "rund um die Uhr jammen".
Hardwareseitig muss der angehende eJammer mit einer Soundkarte einschließlich ASIO-Treibern und einer Breitbandverbindung mit einer minimalen Upload-Geschwindigkeit von 300 kBit/s ausgestattet sein. Da MIDI-Daten vergleichsweise wenig Bandbreite beanspruchen, lassen sich laut Entwickler bis zu 16 Spuren gleichzeitig nutzen. Allerdings hören die Mitspieler nicht etwa die Töne, die ihre Soundkarte auf Grundlage der MIDI-Daten erzeugt. Vielmehr werden die Daten von eJamming "unterwegs" mittels Sonic Implants in passende Töne verwandelt, sodass man am anderen Ende beispielsweise wieder ein Instrument hört. Gegen Aufpreis soll die Sound-Bibliothek später erweiterbar sein. Bei Instrumenten ohne MIDI-Anschluss müssen die Töne – wie die menschliche Stimme – über ein Mikrofon abgenommen und mittels Soundkarte über eJamming AUDiiO zum Mitspieler geschickt werden.
Laut Glueckman stünden acht Audiospuren zur Verfügung. Selbst bei einer Upload-Geschwindigkeit von 300 kBit/s muss eJamming allerdings schon tricksen, um die Daten schnell zwischen den Musikern auszustauschen. Daher werden sie vor dem Versand "ausgedünnt", sprich Auflösung und Samplingfrequenz reduziert. Zugleich landet die Aufnahme des eigenen Beitrags aber in CD-Qualität auf der heimischen Festplatte. Sind alle Beteiligten mit der Einspielung einverstanden, können sie diese "Backups" per Knopfdruck untereinander austauschen; die einkommenden Daten werden dann automatisch mit dem vorhandenen Material gemischt. In 15 bis 16 Minuten soll so beispielsweise eine Aufnahme mit drei Spuren in bester Qualität auf den Rechnern aller Musiker liegen.
Auf Nachfrage räumte Glueckman ein, dass eJamming-AUDiiO nicht stets garantieren könne, dass die Anwender in Echtzeit miteinander musizieren. Allerdings synchronisiere die Software bei Verbindungsproblemen beziehungsweise hohen Latenzen die einzelnen Beiträge, sodass die Musiker hiervon wenig bis gar nichts merken würden. Allerdings räumte der Präsident auch ein, dass eine Eingewöhnungsphase nötig sei. Testpersonen hätten auch bei einer Verzögerung von 50 bis 90 Millisekunden noch gut miteinander spielen können.
Glueckman hofft, über das an eJamming angeschlossene Portal Musiker aus unterschiedlichen Kulturen anzusprechen, um eine weltweite Zusammenarbeit zu ermöglichen. Wer eine Band gründen möchte, kann auch ein Vorspielen über das Internet organisieren und ungeeignete Kandidaten notfalls herauskicken. Ein weiteres Einsatzfeld für den Dienst sieht der ehemalige Drehbuchautor und Filmproduzent im Bereich des E-Learning, bei dem ein Lehrer mehreren Schüler weltweit ein Instrument näher bringt. (nij)