Cyber Home hat Insolvenzantrag gestellt
Der Hersteller von billigen DVD-Playern und -Recordern hat bereits Mitte März Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Der Geschäftsbetrieb soll erst einmal aufrechterhalten werden.
Der Hersteller von DVD-Playern, -Recordern und Navigationssystemen unter der Marke Cyber Home hat Mitte März Insolvenzantrag gestellt. Die Cyber Home Europe AG vertrieb DVD-Player und DVD-Recorder im unteren Preissegment, die in Asien hergestellt werden. Die erst Anfang Februar in Lexington Technology Europe AG umfirmierte Gesellschaft beschäftigt zurzeit etwa 60 bis 70 Mitarbeiter im nordrhein-westfälischen Hilden. Verkauf und Geschäftsbetrieb sollen nach Auskunft des vorläufigen Insolvenzverwalters Frank Kebekus zunächst fortgeführt werden. Kebekus will das Unternehmen nach Möglichkeit retten. Die Suche nach einem möglichen Investor sei angesichts des harten Wettbewerbs und der kleinen Margen im Billig-Segment allerdings nicht leicht.
Zumal die attraktive Marke Cyber Home offenbar nicht zur Insolvenzmasse gehört. Die weltweiten Rechte an der Marke gehörten nach Informationen von heise online der ebenfalls insolventen Cyber Home Entertainment Inc. USA, die sich seit dem vergangenen Sommer in Liquidierung befindet. Das US-Investmentunternehmen Cerian habe vom US-Insolvenzverwalter den Auftrag bekommen, die weltweiten Markenrechte zu verkaufen, erklärte Cerian-CEO Brian Sagi. Zu dem Paket gehören auch zahlreiche Domains, nicht aber die deutsche Internetadresse. Die rechtlich eigenständige deutsche Aktiengesellschaft war mit der US-Firma und der taiwanischen Cyber Home mehr oder weniger verwandt und operierte offenbar unter einer Markenlizenz der Amerikaner. Die Markenrechtssituation dürfte auch der Auslöser für die Umfirmierung zur Lexington Technology Europe AG gewesen sein.
Hintergrund der Cyber-Home-Pleiten sind neben minimalen Gewinnmargen offenbar auch Lizenzstreitigkeiten mit dem DVD-Konsortium, das die verschiedenen Rechte an den verwendeten Technologien und dem DVD-Logo verwaltet. Im Oktober 2006 hatte ein US-Gericht entschieden, das Konsortium habe sein Lizenzabkommen mit Citron, einem Zulieferer von Cyber Home, rechtmäßig gekündigt und Citron sich der Vertragsverletzung schuldig gemacht. Daraufhin hatte Cyber Home USA Insolvenzantrag gestellt. Zuvor hatten US-Behörden im Sommer 2006 nach einem Lizenzstreit mit Philips 20.000 Cyber-Home-Player im Wert von rund 2 Millionen US-Dollar beschlagnahmt.
Unklar ist, ob auch die Cyber Home Entertainment in Taiwan in Schwierigkeiten ist. Die taiwanische DigiTimes hatte im Oktober vergangenen Jahres unter Berufung auf ungenannte Quellen berichtet, dass sich Cyber Home angesichts eines hohen Margendrucks aus der Herstellung fertiger Player unter eigener Marke zurückziehen wolle. Unterdessen will sich Cyber Home Europe unter neuer Flagge offenbar neuen Märkten zuwenden, ein neues Produkt soll schon in der Pipeline stecken. Erst im vergangenen Sommer hatte sich das Unternehmen auch auf den ebenso lukrativen wie umkämpften Markt der mobilen Navigationssysteme gewagt. (vbr)