Studie: Insider geben in ICANN-Gremien den Ton an

Die London School of Economics hat im Auftrag von ICANN die Generic Name Supporting Organisation unter die Lupe genommen.

vorlesen Druckansicht 5 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Monika Ermert

Insider geben in einzelnen Gremien der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) den Ton an. Das stellt die London School of Economics (LSE) in einer von ICANN in Auftrag gegebenen Studie (PDF-Datei) der so genannten Generic Name Supporting Organisation (ICANN GNSO) fest. Die GNSO ist vor allem Regeln für Einführung und Vergaberichtlinien allgemeiner Top Level Domains verantwortlich. Die LSE-Studie schlägt daher die Abschaffung der sechs verschiedenen GNSO-Interessengruppen (Registries, Registrare, Internet Service Provider, Business User, Markenrechtsvertreter, nicht-kommerzielle Anwender). Künftig soll es nur noch die Interessengruppen Registries/Registrare, Unternehmensanwender und die Zivilgesellschaft geben. Die Arbeit der GNSO müsse auch wesentlich transparenter gemacht werden. Dazu bedürfe es deutlich verbesserter Webseiten von ICANN und GNSO, empfiehlt die LSE.

Für Neulinge sei bislang der Zugang zur GNSO nicht leicht, bemängelten die Forscher. Bei Interessensgruppen wie Unternehmensnutzern und Markenrechtsvertretern hätten sich kleine Kerngruppen herausgebildet. Zwar tauchten in der Mitgliederliste weit mehr Unternehmensnamen auf, doch diese hätten selten oder nie an einem GNSO-Treffen teilgenommen. Mehr frischen Wind soll künftig eine Begrenzung der Amtszeit der GNSO-Ratsmitglieder auf zweimal zwei oder einmal drei Jahre bringen. Regeln zur Offenlegung von Interessenkonflikten sollen härter sanktioniert werden.

Vertreter von Nichtregierungsorganisationen begrüßten die Vorschläge im LSE-Bericht. Robin Gross, Geschäftsführerin von IP-Justice, kritisierte aber die von den LSE-Forschern empfohlene Sitzverteilung für den neuen Rat. Registries/Registrare und Unternehmensanwender sollen demnach jeweils fünf Sitze erhalten, die Zivilgesellschaft nur drei. Drei weitere Sitze im dann deutlich verkleinerten (16 statt bisher 21 Mitglieder) GNSO-Rat sollen von ICANNs Nominierungskomittee ernannt werden. Privilegiert werden die Wirtschaftsinteressen auch noch durch so genannte Vetorechte gegenüber den Vertretern der gemeinen Nutzer.

Registries und Registrare müssten für ihr Vetorecht allerdings auf die bislang praktizierte stärkere Gewichtung ihrer Stimmen verzichten. Sie stellen bislang die aktivsten Gruppen in der GNSO; ihr Geschäft hängt unmittelbar von ICANNs Regeln ab. Die vom LSE vorgeschlagene vereinfachte GNSO-Struktur soll auch mehr Flexibilität und raschere Entscheidungsprozesse bewirken. Divergierende Interessen zwischen den sechs Registries sorgen derzeit laut LSE für oft "steinige Prozesse" bei der Verabschiedung von neuen Regeln. Beispiele dafür sind etwa die Datenschutzbestimmungen für das Whois von Registries oder die Einführung neuer Top Level Domains. (Monika Ermert) / (anw)