Einsteiger-NAS - noch fehlt die Einfachheit

Die Marktprognosen für Einsteiger-NAS-Systeme sind rosig. Während Flächenmärkte neue Käufergruppen erschließen bleiben die Produkte aber erklärungsbedürftig. Gefordert wird eine einfache Bedienung, Energiesparfunktionen und Remote-Zugriff.

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Von
  • Karl Fröhlich

Marktforscher überbieten sich mit ihren Vorhersagen für Consumer-NAS-Systeme. Während In-Stat bis 2014 lediglich mit einem jährlichem Zuwachs von durchschnittlich 40 Prozent rechnet, sieht IDC deutlich mehr Potenzial. "Für den Einsteigermarkt für NAS-Lösungen wird von 2011 bis 2016 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 86,2 Prozent erwartet", sagt IDCs Vice President für Harddisks John Rydning. Das Segment wurde Ende 2011 zwar von der Festplattenkrise ausgebremst, doch allein der Aldi-Deal im Dezember zeigte, dass sich mit interessanten Angeboten durchaus neue Käuferschichten erschließen lassen.

Zur Erinnerung, Aldi verkaufte damals eine Netzwerkfestplatte mit 1,5 TByte für rund 100 Euro. Die verfügbare Ware war schnell vergriffen. Die Aktion war auch noch Wochen später im Internet zu spüren. Fachmedien wie zum Beispiel speicherguide.de verzeichneten eigenen Angaben zufolge sehr lange ein überproportional hohes Interesse am Thema NAS. Die im Einsteigermarkt etablierten Hersteller verneinen allerdings, dass die Aldi-Aktion Auswirkungen auf ihr Geschäft hatte. Doch auch, wenn kurzfristig keine Effekte sichtbar waren, ergeben sich dadurch mittelfristig zusätzliche Umsatzmöglichkeiten. "Viele Nutzer, die durch das Angebot zum ersten Mal mit NAS in Berührung gekommen sind, beschaffen sich wegen limitierter Funktionalität, Kapazität und fehlender Erweiterungsmöglichkeiten der Aldi-Netzwerkplatte nun ein neues, leistungsfähigeres und teureres NAS", meint Klaus Donath, Director Networking & Software Group bei Ingram Micro Distribution.

NAS-Systeme fungieren kĂĽnftig auch im Heimbereich als zentrale Datenschnittstelle.

(Bild: Buffalo)

"Ich sehe Aldi, genauso wie Media Markt und Saturn, immer als Technologietreiber", ergänzt Mirko Rusch, Director Sales Central Europe bei Buffalo." Solche Aktionen helfen, um Endkunden bestimmte neue Trends näher zu bringen. Ob die Aldi-Kunden letztendlich mit ihrer Entscheidung glücklich geworden sind, weiß man nicht. Solche Angebote sind für viele der Einstieg in die NAS-Welt. Wenn die Leute erst einmal sehen, welchen Nutzen diese Geräte in der heutigen, digitalen Welt haben, dann möchten sie sie nicht mehr missen. Damit bekommen wir die Chance, die nächsten Schritte in der NAS-Welt aufzuzeigen und darzulegen, was noch alles möglich ist."

Endanwender bevorzugen Komplettsysteme

In der Distribution verkaufen sich vor allem Barebone-NAS-Server ohne Festplatten, die vom Handel komplettiert werden. "Der besonderer Vorteil von Leergehäusen ist, dass der Händler direkt auf verfügbare Festplatten zugreifen, individuelle Kundenkonfigurationen erstellen und seinem Kunden zudem on top ebenfalls Installationsservices anbieten kann", erklärt Michèl Hamacher, Produktmanager Einkauf bei B.Com Computer. "Auch die Möglichkeit, diese Produkte ohne weiteres mit größeren Kapazitäten aufzurüsten, ist für viele Kunden ein absolutes Kaufkriterium. Das Leistungsniveau und die Usability der Systeme liegen mindestens auf gleichem Niveau zu den fertigen Systemen. Hier können die Händler gutes Geschäft generieren."

Ausgewählte SoHo-NAS-Systeme ab vier Einschüben und integrierten Festplatten im Überblick.

Endanwender selbst bevorzugen in erster Linie fertig konfigurierte Systeme. Der Stückzahl- und Umsatzschwerpunkt liegt bei Produkten mit zwei oder vier Laufwerken. "1-Bay-Geräte sind mangels RAID-Funktion und somit verminderter Datenverfügbarkeit auch im SoHo-Bereich rückläufig, erweisen sich aber nach wie vor als interessant, wenn primär über den Preis große Stückzahlen abgesetzt werden sollen", erklärt Ingram-Manager Donath. "2-TByte-Platten gelten derzeit noch als Sweetspot im Preis-Kapazitätsgefüge. Der Trend geht aber deutlich in Richtung 3-TByte-Disks. Ansonsten gehören ein oder zwei GBit-Ethernet-Schnittstellen, mehrere USB-2.0-Ports bzw. zunehmend USB 3.0 zu den Standardanforderungen der Kunden." Weitere Merkmale auf Hardware-Ausstattungsseite spielen eher eine untergeordnete Rolle.

Wodurch zeichnet sich ein gutes NAS aus?

Viele einstige RZ-Funktionen kommen nun auch in SOHO-NAS-Systemen zum Einsatz, daher bleiben die Produkte komplex.

(Bild: Imation)

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die aktuelle NAS-Generation im Einsteigersegment nur wenig voneinander. Dies gilt für den Funktionsumfang wie auch für die Performance. Ein gutes NAS-System zeichnet sich durch leise Betriebsgeräusche und einen geringen Stromverbrauch aus. Da im privaten Umfeld und in kleinen Büros die Platten die meiste Zeit ungenutzt bleiben, sollte hier speziell auf Energiesparfunktionen geachtet werden. "Anwender wünschen sich zudem eine einfache Inbetriebnahme und eine intuitive Verwaltung mit einer leicht zu bedienende Management-Software", erklärt Björn Kaun, B2B Manager bei Iomega. "Auch ein Remote-Zugriff per PC oder auch per Smartphone kennzeichnen ein gutes Produkt."

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Bei der Preisbeobachtung unterstĂĽtzten uns:

Also-Actebis AG
B.com Computer AG
CTT AG
Devil AG
Ingram Micro GmbH

Im Vergleich zu den letzten Jahren hat sich in Punkto Bedienbarkeit viel getan, trotzdem ist NAS vor allem im Einstiegssegment nicht selbsterklärend. "Wir sehen in Gesprächen mit unseren Resellern, dass auch im unteren Leistungssegment möglichst umfassende Garantieleistungen und Support immer wichtiger werden", konstatiert Josua Braun, Senior Regional Product Marketing Manager CBU bei Netgear. "Der Kunde möchte nicht nur per E-Mail sondern auch telefonisch betreut werden, gerne auch in deutscher Sprache."

NAS-Entwicklung: schneller und einfacher

Bei der Entwicklung im Bereich SoHo-NAS sehen Experten zuerst den Bedarf an schnelleren Übertragungsraten. Noch sind die Systeme vor allem ein Datenablageplatz, doch im Heimumfeld wird das ruckelfreie abspielen von Full-HD-Filmen künftig ein Kriterium. Eine Cloud-Funktion haben die meisten Hersteller zwar schon integriert, doch hier bietet die Konfigurations- und Bedienoberfläche noch einiges an Verbesserungspotenzial. Der Zugriff über Tablets und Smartphones ist bereits möglich, aber eben nicht für Einsteiger. Via optionaler Apps wird sich der Funktionsumfang künftig flexibel erweitern lassen. Doch auch wenn sich vieles vereinfacht, kommende NAS-Generationen bleiben erklärungsbedürftig. (gs)