Pyramidenbau als softwaregesteuerte Produktentwicklung

Mit Hilfe einer industriellen Simulationssoftware hat der französische Architekt Jean-Pierre Houdin eine neue Theorie entwickelt, die den Bau der Cheops-Pyramide erklären könnte.

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Von
  • Niels Boeing

Mit Hilfe einer industriellen Simulationssoftware hat der französische Architekt Jean-Pierre Houdin eine neue Theorie entwickelt, die den Bau der Cheops-Pyramide erklären könnte. Zusammen mit einem zwölfköpfigen Team des Softwareherstellers Dassault Systèmes modellierte Houdin in einem 18-monatigen Projekt den Bauprozess der größten der drei Pyramiden von Gizeh. Dabei verwendete das Team Softwarewerkzeuge, die in der industriellen Entwicklung etwa von Flugzeugen, in virtuellen Crashtests oder bei großen Bauvorhaben eingesetzt werden. Zugrunde gelegt wurde der Stand der Technik im 26. vorchristlichen Jahrhundert. Zwei Millionen Steinblöcke und hölzerne Hebe- und Zugvorrichtungen wurden ebenso berücksichtigt wie der Einsatz von rund 4000 Arbeitskräften.

Die Simulation zeige, dass der Bau der Cheops-Pyramide innerhalb von 23 Jahren unter Zuhilfenahme einer im Inneren angelegten Rampe zu bewerkstelligen gewesen sei – eine Hypothese, die Houdin seit einigen Jahren vertritt. "Die Ägypter waren bereits vor 4500 Jahren zu einer detaillierten Planung eines technischen Großprojektes fähig", sagt Houdin. Die gängigen Theorien waren bisher vor allem von riesigen Außenrampen in einem relativ schlicht strukturierten Bauprozess ausgegangen.

Dem Team gelang es auch, die Entstehung der in den Granitquadern der Königskammer festgestellten Haarrisse nachzuvollziehen. Dazu berechneten sie die Zugkräfte, die auf die riesigen Steinblöcke nach Abschluss der Bauarbeiten gewirkt haben müssen. Bekannt ist, dass die Südwand der Kammer irgendwann um zwei Zentimeter absackte. In diesem Fall reproduzierte die Simulation die Risse an den richtigen Stellen.

Nun wollen die Forscher in einem Folgeprojekt die Richtigkeit der Hypothese vor Ort überprüfen. Das wäre der Fall, wenn es ihnen gelänge, das Vorhandensein der vermuteten inneren Rampe hinter der Außenwand der Pyramide nachzuweisen.

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(nbo)