Roaming soll auch in der Schweiz billiger werden
Auch für Schweizer Handynutzer soll das Telefonieren im europäischen Ausland billiger werden. Der so genannte Preisüberwacher der Schweizerischen Eidgenossenschaft hat eine entsprechende Eingabe an die Regierung geleitet.
Im Zusammenhang mit der Debatte in der EU soll auch für Schweizer Handynutzer das Telefonieren im europäischen Ausland billiger werden. Der so genannte Preisüberwacher der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Rudolf Strahm, hat eine entsprechende Eingabe an den Bundesrat geleitet. Er bittet die Schweizer Regierung zu prüfen, wie die erwartete EU-Regelung rasch auf die Schweiz ausgedehnt werden könne. Zwar hätten weder die Preisüberwachung noch die Wettbewerbskommission (Weko) oder die eidgenössische Kommunikationskommission (ComCom) eine gesetzliche Grundlage, die Preise für die Benutzung des Mobiltelefons im Ausland rasch zu senken, doch könne der Bundesrat auf Grund eines bilateralen Arrangements oder Abkommens mit der EU dafür sorgen, dass die Schweiz nicht auch bei den Mobilfunkpreisen im europäischen Vergleich zu einer Hochpreisinsel wird oder dies bleibt.
Es möge zutreffen, teilte der Preisüberwacher weiter mit, "dass die Mobilfunkbetreiber ein gemeinsames Interesse haben, die Roaming-Gebühren gegenseitig auf hohem Niveau zu halten, was allenfalls auf ein implizites gleichgerichtetes Verhalten auf internationaler Ebene hinweisen könnte. Die Möglichkeit, ein solches zu identifizieren und umgehend zu ahnden, besteht aber weder für die Preisüberwachung noch für die Weko, noch für die ComCom." Falls die Schweiz ein Abkommen mit der EU erzielen könne, hieße das nicht nur, dass Schweizer Bürger beim Aufenthalt in EU-Staaten zu günstigeren Preisen mit dem Handy telefonieren könnten. Gleichzeitig müsse rechtlich ebenfalls sichergestellt werden, dass EU-Bürger beim Aufenthalt in der Schweiz von gesenkten Roaming-Gebühren der schweizerischen Mobilnetzbetreiber Swisscom, Orange, Sunrise und Tele2 profitieren. Der Gleichschritt mit der EU bei der Preisregulierung liege im volkswirtschaftlichen Interesse.
Überall in Europa ist die Handy-Benutzung im Ausland sehr teuer. Lokale Anbieter stellen hohe Roaming-Gebühren für die Mitbenutzung ihres Mobilfunknetzes in Rechnung. Die EU-Kommission will unter Federführung von Kommissarin Viviane Reding kraft einer Gesetzesvorlage noch in diesem Jahr europaweit eine Obergrenze bei den Kosten für Mobiltelefongespräche aus dem Ausland einführen. Falls der Ministerrat und das Europäische Parlament dem Vorschlag der EU-Kommission folgen, könnte die Verordnung bereits diesen Sommer wirksam werden.
Die Bereinigung der bisher etwas intransparenten Preisgestaltung von Handynutzung respektive dem Zugang zum mobilen Internet im Ausland hat heute schon mal das Schweizer Telekommunikationsunternehmen Swisscom AG bekannt gegeben. Zum einen vereinheitlicht die Mobilfunktochter Swisscom Mobile die Preise für das mobile Internet im Ausland. Außerdem gibt es künftig die so genannte "World Data Option" bei der mobilen Datenübertragung im Ausland unabhängig vom jeweiligen Mobilfunkanbieter, also weltweit auf allen GPRS-, EDGE- und UMTS-Netzen der Roaming-Partner und nicht mehr nur auf den Partnernetzen von Vodafone. Bei Wahl der World Data Option 1 verrechnet Swisscom Mobile grundsätzlich einen Einheitstarif von 3 Franken (1,85 Euro) pro Megabyte plus eine Monatsgebühr von 5 Franken (3,10 Euro). Für Swisscom Mobile Kunden, die bereits eine nationale Data Option Month oder Data Option 2000 gewählt haben, ist die neue World Data Option inklusive, und die Monatsgebühr entfällt. Für Vielreisende und -nutzer wird auch die World Data Option Month auf alle Roaming-Netze ausgeweitet. Für 149 Franken (91,80 Euro) im Monat sind dabei 100 Megabyte Datenverkehr inklusive. Jedes weitere Megabyte kostet 3 Franken. Ohne eine der Optionen beträgt der Datentarif weltweit pro Megabyte 14 Franken (8,60 Euro). (Tom Sperlich) / (vbr)