Bericht: Apax will bei Versatels Börsengang kassieren
Einem FTD-Bericht zufolge soll beim geplanten Versatel-Börsengang etwa die Hälfte des geschätzten Erlöses von rund 800 Millionen Euro an den Mehrheitseigner Apax Partners gehen.
Das Investmentunternehmen Apax Partners will den Börsengang des Festnetzbetreibers Versatel zu einem weitgehenden Rückzug nutzen, berichtet die Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland (FTD) in ihrer Montagsausgabe. Das für Ende April geplante Börsen-Debüt des deutschen Carriers soll dem FTD-Bericht zufolge mindestens 800 Millionen Euro einbringen. Maximal die Hälfte des Erlöses soll danach über eine Kapitalerhöhung an Versatel gehen, die anderen 50 Prozent seien für Apax reserviert. Das gehe aus Informationen der Konsortialführer JP Morgan und Credit Suisse für mögliche Investoren hervor. Apax wolle demnach seinen Versatel-Anteil von derzeit 96 Prozent auf unter 50 Prozent reduzieren.
Dadurch werde der Spielraum von Versatel-Chef Peer Knauer beschränkt, das Unternehmen weiterzuentwickeln. Bestenfalls ein Drittel des Gesamterlöses solle für Zukäufe und Investitionen wie den Netzausbau verwendet werden, den Rest des Versatel-Anteils wolle Knauer für die Entschuldung nutzen, sagte er der FTD. Weiter heißt es, Apax behalte sich vor, über die bei Börsengängen übliche Mehrzuteilung von 10 bis 15 Prozent weitere Altaktien zu verkaufen. Versatel und Apax wollten das gegenüber der Zeitung nicht kommentieren.
Branchenkenner bezeichnen den Zeitpunkt der Emission gegenüber der FTD als gut gewählt. Angesichts des anhaltenden DSL-Booms verzeichneten Anbieter wie Versatel oder Arcor derzeit ein rasantes Wachstum. Allein im laufenden Jahr werde die Zahl der Haushalte mit schnellem Internetanschluss von 14 auf rund 18 Millionen wachsen. Unklar sei jedoch, wie lange dieser Trend anhält. Der Versatel-Börsengang sei nicht nur ein Gradmesser für das Interesse der Börse an Festnetzanbietern, deren Geschäft zurzeit wegen des Booms bei schnellen DSL-Internetanschlüssen sehr gut läuft. Der Aktienverkauf sei auch ein Test auf die Bereitschaft von Investoren, einer Private-Equity-Gesellschaft in einem nervösen Marktumfeld ein hoch verschuldetes Unternehmen abzukaufen. Versatel ist mit 666,2 Millionen Euro Umsatz (2006) der drittgrößte alternative Netzbetreiber, hatte Ende vergangenen Jahres aber auch Verbindlichkeiten in Höhe von 768 Millionen Euro. (vbr)