Analysten sehen zentrale ENUM-Datenbanken als ökonomische Notwendigkeit
In einer Studie bezeichnen Analysten der Credit Suisse First Boston zentralisierte ENUM-Datenbanken als effektivste Möglichkeit für Adressierung von Voice-over-IP-Gesprächen.
Die Entwickler und Befürworter von ENUM bekommen Unterstützung von den Analysten der Credit Suisse First Boston (CSFB). In einer gestern veröffentlichten Studie zu den Telefondomains (wie 0.0.3.2.5.3.5.1.1.5.9.4.e164.arpa) bezeichnen die Analysten zentralisierte ENUM-Datenbanken als effektivste Möglichkeit für Adressierung von Voice-over-IP-Gesprächen (VoIP).
Derzeit, so die Studie, geht VoIP-Anbietern ein Fünftel bis ein Drittel ihres Gewinns verloren, weil sie bei Gesprächen zwischen den bestehenden VoIP-Inseln übers klassische PSTN-Netz gehen müssen. Von einer Einnahme von 14,95 US-Dollar für 500 Gesprächsminuten bleibe, so errechnete Credit Suisse, ein Betrag von 5 Dollar bei den Telcos hängen. Den Umweg über das kostspielige PSTN könnten ENUM-Datenbanken dagegen abkürzen. Sie erlauben eine direkte Adressierung zwischen zwei VoIP-Kunden verschiedener Anbieter. Mittelfristig führe daher kein Weg an ENUM vorbei, auch wenn es für eine breite Anwendung noch mehr Masse im VoIP-Geschäft brauche.
Trotz des rasanten Wachstums bei VoIP (112 Prozent pro Jahr) werde die für ENUM kritische Zahl von VoIP-Gesprächen zwar erst nach 2007 erreicht. Wenn es rund 30 Millionen VoIP-Anschlüsse gebe, werde ENUM zur ökonomischen Notwendigkeit, so die Schätzung. Bis dahin, so der Bericht, würden so genannte geschlossene ENUM-Anwendungen (private ENUM) bei Einzelunternehmen weiter zunehmen. Schon jetzt, so der Bericht, stützten sich Unternehmen wie CSFB, Fidelity, General Motors und andere auf ENUM-Datenbanken für ihr internes Routing.
Geschlossene ENUM-Datenbanken für ihr Routing ist außerdem ein großes Thema bei US-Kabelanbietern. CableLabs, das Forschungsinstitut der US-Kabelindustrie, hat im vergangenen November einen Request for Information an potenzielle ENUM-Provider herausgegeben und wird laut CSFB in diesem Jahr einen ENUM-Datenbank-Anbieter für die Kabelindustrie auswählen. Als erste kommerzielle, offene Anwendung von ENUM loben die US-Analysten im Übrigen das österreichische ENUM-Angebot in den beiden Zonen 3.4.e164.arpa und 0.7.8.3.4.e164.arpa. Sie rechnen übrigens damit, dass sich geschlossene und offene (public und private ENUM) Anwendungen ebenso wie das derzeit diskutierte Carrier ENUM parallel entwickeln werden.
Längst hat sich ENUM darüber hinaus an anderer Stelle empfohlen. Derzeit, heißt es im CSFB-Bericht, sei die Mehrzahl der ENUM-Aktivitäten gar nicht im Bereich VoIP zu verzeichnen, sondern bei der Übermittlung von mobilen Inhalten und MMS zwischen verschiedenen Anbietern. Die US-Unternehmen VeriSign und Neustar verwendeten beide geschlossene ENUM-Datenbanken für die Übertragung solcher Inhalte. Angesichts der enormen Zahl mobiler Endgeräte und der erwarteten 90 Milliarden SMS-Übertragungen 2009 liege das Gros der ENUM-Anwendung in den kommenden Jahren wohl hier.
Für die USA prognostizierten die Analysten für 2006 ein Duell zwischen VeriSign und Neustar um den ersten Vertrag für eine nordamerikanische ENUM-Datenbank (1.e164.arpa) und die darunterliegende US-Zone. Neustar, das bereits den nordamerikanischen Nummernplan verwaltet und für die GSM-Vereinigung einen DNS-Rootservice für die Mobilprovider (.gprs und 3gppnetwork.org) übernommen hat, sowie VeriSign als Betreiber der größten DNS-Zone (com) und der EPCGlobal Datenbank für RFID-Codes seien am besten positioniert für den Betrieb dieser Zonen, ebenso wie für den Betrieb eines von CableLabs geplanten ENUM-Dienstes für die Kabelbetreiber.
Die Datenbanken für Nordamerika und die USA sollen im Sommer ausgeschrieben werden, im Oktober soll die Entscheidung durch das Konsortium US Country Code 1 ENUM LLC (CC1 ENUM LLC) gefällt werden. CSFB rechnet damit, dass es besonders bei der lukrativeren Datenbank für die US-Zone zu einem Duell der beiden Giganten kommt. (Monika Ermert) / (anw)