HPC-Cluster für australisches Radioteleskop
Die 4096 Antennen des Murchison Widefield Array liefern einen Datenstrom von 8 GByte pro Sekunde, aus denen ein iDataPlex-Cluster von IBM wissenschaftlich interessante Werte berechnen soll.
Im dünn besiedelten Westen Australiens wurde eine Zone mit 70 Kilometern Radius für astronomische Experimente geschaffen, in der drahtlose Kommunikation weitgehend verboten ist. Dank "Radio Quietness" werden die 4096 empfindlichen Antennen des Murchison Widefield Array (MWA) kaum gestört. Sie empfangen im Frequenzbereich zwischen 80 und 300 MHz, in dem hierzulande etwa der UKW-Rundfunk liegt.
Das Antennenfeld besteht aus 128 verstreut angeordneten Kacheln (Tiles) mit jeweils 16 (4×4) Kreuzdipolen. Die empfangenen Signale jeder Antenne werden digitalisiert und per Glasfaser weitergeleitet. Es entsteht insgesamt ein Datenstrom von rund 8 GByte/s beziehungsweise 50 Terabyte pro Tag, den ein HPC-Cluster verarbeitet. Dabei setzen die internationalen Wissenschaftler, die das etwa 51 Millionen US-Dollar teure MWA betreiben, auf ein bisher nicht näher spezifiziertes iDataPlex-System von IBM. In der Projektierungsphase war auch die Rede davon, Korrelationsberechnungen auf Tesla-Karten von Nvidia auszuführen; in der aktuellen Pressemeldung werden diese aber nicht mehr erwähnt.
(Bild: Paul Bourke, Jonathan Knispel mit Unterstützung von WASP (UWA), iVEC, ICRAR und CSIRO)
Eine studentische Arbeitsgruppe hat die 4096 Antennen in den letzten Wochen aufgebaut und verkabelt, ihr Blog liefert einen Eindruck von der Gegend und dem Arbeitsaufwand. Zum Murchison Radio-Astronomy Observatory (MRO) gehört auch das Square Kilometer Array (SKA), dessen Vorläufer ASKAP (Australian Square Kilometre Array Pathfinder) schon aufgebaut wurde und ebenfalls einen IBM iDataPlex-Cluster nutzt. (ciw)