Software sagt EinbrĂĽche voraus
Mit statistischen Verfahren will eine US-Firma Polizeibehörden helfen, effizienter auf Streife zu gehen.
- David Talbot
Mit statistischen Verfahren will eine US-Firma Polizeibehörden helfen, effizienter auf Streife zu gehen.
Die Idee erinnert an den Science-Fiction-Film "Minority Report", in dem "Precog"-Mutanten Verbrechen vorhersagen können: Das US-Start-up PredPol aus Santa Cruz hat eine Software entwickelt, die besonders kriminalitätsgefährdete Gebiete anzeigt.
Das Programm, das derzeit von der Stadtpolizei der kalifornischen Metropole Los Angeles getestet wird, wertet zum einen Polizeiberichte mit Ort und Zeitpunkt der Verbrechen aus. Zum anderen nutzt es Erkenntnisse aus soziologischen Studien ĂĽber das Verhalten von Kriminellen, etwa dass Einbrecher und Autoknacker ihre Stammgebiete selten verlassen.
(Bild:Â 20th Century Fox)
Daraus berechnet die Software bis auf einzelne Straßenzüge hinunter, in welchen Gegenden sich Einbrüche und Autodiebstähle mit der höchsten statistischen Wahrscheinlichkeit ereignen werden. Das System generiert für jeden Streifenwagen eine eigene Karte, in der die vorhergesagten Hotspots mit 150 mal 150 Meter großen Kästen angezeigt werden. Neue Daten fließen ständig in die Software, eine Reaktion auf neue Entwicklungen ist in Echtzeit möglich.
In einem Test konnte PredPol Cluster mit Einbrüchen fast doppelt so genau vorhersagen wie erfahrene Polizei-Analysten. Nach Einführung der Technik gingen die Einbrüche in einem vorher stark betroffenen Bezirk um 25 Prozent zurück. Der Erfolg beruhte dabei allerdings nicht nur auf höheren Verhaftungsraten, sondern auch auf der Tatsache, dass die stärkere Polizeipräsenz Verbrechen verhinderte.
(Bild:Â PredPol)
"Es gibt einen fühlbaren Umschwung", sagt der Polizeikapitän Sean Malinowski, der im Foothill-Quartier von Los Angeles für Ordnung sorgt. "Unsere Leute sind häufiger draußen, um Straftaten einzudämmen. Die Verdächtigen tauchen dann in ihren Lieblingsgegenden auf und sehen die Polizeifahrzeuge und die Beamten, wie sie mit Bürgern reden. Das allein reicht aus, kriminelle Aktivitäten zu verhindern."
Außerdem ist das Software-Werkzeug eine Möglichkeit, bürokratischen Aufwand einzudämmen: Statt Tag für Tag in langen Meetings festzulegen, wo patrouilliert werden soll, erhalten die Beamten ihre Planung direkt aus dem PredPol-Rechner. So bleibt mehr Zeit, Präsenz zu zeigen. Hilft das wiederum, Verbrechen zu verhindern, sinkt die Bürokratierate noch drastischer. "Ich muss nicht zurück in die Wache, um einen Bericht zu schreiben und den Einbrecher abzuliefern. Ich habe mehr Minuten draußen für meine Mission. Das sehen wir deutlich", sagt Malinowski.
(Bild:Â PredPol)
Die PredPol-Software wurde bereits in einem Gebiet mit 200.000 Einwohnern und 120 Quadratkilometern Fläche eingesetzt und soll nun sogar Regionen mit über einer Million Bewohnern erfassen. Das Start-up sieht sich dabei nicht als Konkurrenz zu erfahrenen Beamten. "Wir sorgen nur dafür, dass Informationen dann verfügbar sind, wenn sie gebraucht werden", wirbt man.
Auch zusätzliche Hardware oder Personal müssen die Behörden nicht anschaffen – der Dienst läuft als Cloud-Angebot auf den Servern im PredPol-Rechenzentrum, auf die die Kunden dann zugreifen können. Die Nutzung des Kartenmateriaks kann per Smartphone, Tablet oder klassisch per Papierausdruck erfolgen. Datenschutzprobleme sieht PredPol nicht. So würden die früheren Verbrechen nicht mit Namensdaten erfasst und – im Gegensatz zum "Minority Report"-Science-Fiction-Ansatz – keine individuellen Personen getrackt. "Das wäre juristisch auch sehr problematisch", so die Firma.
Bei Investoren scheint PredPol anzukommen: Zuletzt sammelte das Start-up bei Unternehmern wie dem Plantronics-Chef Ken Kannappan 1,3 Millionen Dollar ein, um sein System weiterzuentwickeln. Die Grundidee stammt aus einem universitären Kontext: Die University-of-California-Professoren Jeff Brantingham und George Mohler wollten sehen, ob sie Algorithmen zur Erdbebenvorhersage eventuell auch für die Verbrechensbekämpfung einsetzen könnten. Ihre ausentwickelte Technik wurde schließlich an PredPol lizenziert, um sie kommerziell zu nutzen. (bsc)