Rüstungs-, Elektronik- und IT-Konzern Thales will zukaufen

Im Jahr 2005 verzeichnete der führende europäische Rüstungselektronik-Konzern Rekordaufträge.

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  • dpa

Nach einem Rekord-Auftragseingang 2005 und dem Abbau der Schulden will der führende europäische Rüstungs- und Elektronik-Konzern Thales im laufenden Jahr auch mit Zukäufen kräftig wachsen. Im vergangenen Jahr seien Aufträge für mehr als zwölf Milliarden Euro eingegangen, sagte Konzernchef Denis Ranque am heutigen Freitag in Paris. Die Wiedergewinnung des finanziellen Handlungsspielraums gebe eine gute Basis für strategische Zukäufe. Damit machte Ranque auch deutlich, dass er Thales nicht als leichte Beute für Übernahmeinteressenten wie EADS und Alcatel sieht.

Der französische Panzerbauer GIAT hat Interesse an einer Übernahme durch Thales angedeutet. Intern will Thales vor allem mit Aufträgen aus Wachstumsmärkten wie China, Indien und den reichen Ölländern wachsen. 18 Prozent des Umsatzes werde in Forschung und Entwicklung investiert, sagte Ranque. Im Dezember war Thales beim Kauf des Bremer Marineausrüsters Atlas Elektronik dem mehrheitlich deutschen Konsortium aus ThyssenKrupp Marine und EADS unterlegen. Dafür gelang den Franzosen der Einstieg mit zunächst 25 Prozent beim größten europäischen Kriegsschiffbauer DCN. Bei Atlas habe "deutscher Nationalismus" über europäischen Geist obsiegt, sagte Ranque. Dank Aufträgen für die deutsche Fregatte 123 bleibe Thales aber Partner der ThyssenKrupp-Marinesparte.

Thales ist noch mit 31,3 Prozent in Besitz des französischen Staates, definiert sich aber selbst wegen seiner starken Präsenz unter anderem in Großbritannien und Südkorea als "der weltweit internationalste Rüstungskonzern". Zu den Großaufträgen 2005 zählten die britische Drohne Watchkeeper (Thales-Anteil: 900 Millionen Euro), die italienisch-französische Fregatte FREMM (1,6 Milliarden Euro), DCN-U-Boote Scorpène für Indien (600 Millionen Euro) und Multimedia für Verkehrsflugzeuge (400 Millionen Euro). Zudem profitiert Thales vom Airbus-Boom. Der Konzern kam 2004 mit 60.000 Mitarbeitern auf zehn Milliarden Euro Umsatz und wies rund 200 Millionen Euro Überschuss aus. (dpa) / (jk)