Schüler entdecken die Großchemie
Um dem drohenden Fachkräfte-Mangel in der Chemie-Industrie entgegenzuwirken, hat die Unternehmerschaft Niederrhein eine Chemie-Akademie für Schüler ins Leben gerufen.
- Veronika Szentpetery-Kessler
Die Chemieindustrie in Deutschland ist eine Wachstumsbranche, doch sie benötigt dringend Nachwuchs. Derzeit wandern aber mehr Fachkräfte ins Ausland ab als nach Deutschland ein. Zudem ist jeder sechste der 414.800 Beschäftigten in der Branche über 55 Jahre alt. Um dem drohenden Fachkräfte-Mangel entgegenzuwirken, hat die Unternehmerschaft Niederrhein die Chemie-Akademie für Schüler ins Leben gerufen, berichtet Technology Review im vierten Teil der Serie „Nachwuchsförderung“ in seiner aktuellen August-Ausgabe (seit Donnerstag am Kiosk oder online bestellbar).
Die Akademie soll in bundesweit einmaliger Form 16- bis 18-Jährige für die Branche gewinnen. Ein Jahr lang kommen an jedem zweiten Samstagmorgen 28 Jungen und Mädchen in das Ausbildungszentrum der Bayer-Tochter Currenta in Krefeld und lernen, was Chemie in der Praxis eines Großunternehmens bedeutet. Zum Beispiel: Aspirin selber im Labor herzustellen und die Inhaltsstoffe von Gemischen mit Hilfe von Flüssgkeitschromatografen zu entschlüsseln. Teil des Programms ist auch eine so genannte Labor-Rallye: Die Teilnehmer müssen an mehreren Stationen verschiedene Aufgaben lösen und dabei selber herausfinden, welches Experiment am schnellsten zum Ziel führt.
Am meisten zeigen sich die Jungchemiker aber vom Technikum beeindruckt: Denn während sie Experimente in der Schule nur im kleinen Maßstab zu sehen bekommen, wird hier in ganz anderen Dimensionen produziert – und durch Glasaufbauten auch sichtbar gemacht. Im Technikum lernen sie gleichzeitig auch: Was im Reagenzglas kein Problem ist – zum Beispiel das Schütteln von Gemischen sofort eine klare Flüssigkeit liefert –, kann in der Großproduktion durch Krusten- oder Schlammbildung teuer werden. Derzeit absolviert bereits der zweite Jahrgang das Programm der Chemie-Akademie, im Herbst geht die Veranstaltung in die dritte Runde.
Mehr zum Thema in Technology Review
(vsz)