Riecht Geld doch?
Gerüch(t)en zufolge duftet die kanadische 100-Dollar-Note nach Ahornsirup. Das soll der Fälschungssicherheit dienen. Warum aber dementiert die „Bank of Canada“ nicht?
- Veronika Szentpetery-Kessler
Gerüch(t)en zufolge duftet die kanadische 100-Dollar-Note nach Ahornsirup. Das soll der Fälschungssicherheit dienen. Warum aber dementiert die „Bank of Canada“ nicht?
Neulich hat mir eine Freundin erzählt, die neuen kanadischen 100-Dollar-Noten würden nach Ahornsirup duften. Sie habe es zunächst auch nicht glauben wollen. Doch, doch, versicherte der kanadische Forscherkollege, der in einer Konferenzpause mit dem Ende 2011 eingeführten Geldschein vor ihrer Nase herum wedelte. Das sei eine der Maßnahmen, um die neuen Banknoten fälschungssicher zu machen. Schließlich überredete er sie, daran zu schnuppern – und fürwahr, der Geldschein habe nach dem süßen Saft geduftet.
„Hm“, antwortete ich und zog meine rechte Augenbraue wieder herunter. Immerhin hatten wir vor nicht allzu langer Zeit über eine unsichtbare Tinte berichtet, die Metalldiebe überführen soll. „Hm“, sagte ich erneut und funkte eine Freundin in Québec an, ob denn das alles stimme. „Habe noch nie davon gehört.“ Sie versprach, sich zu melden, wenn sie etwas herausfinden sollte.
Ich beschloss, die Originalquelle zu suchen und tippte selbst ein paar Stichworte in die Suchmaschinenmaske. Laut der ausgebenden „Bank of Canada“ sind neuen Banknoten nicht mehr aus Baumwolle sondern aus einem speziellen, reißfesten Polymer. Diverse Reliefs, metallische Hologramme und transparente Bereiche sollen sie schwer fälschbar machen. Kein Wort von Duftsicherung.
In diversen Blogeinträgen schwor die Hälfte der Leute trotzdem, den Ahornsirupduft ebenfalls gerochen zu haben. Die andere Hälfte ereiferte sich, was das doch für ein großer Quatsch sei. Man spekulierte, wonach die übrigen erneuerten Geldscheine riechen würden: Die grünen 20er nach Tanne, die roten 50er nach Frucht. Die vom kanadischen Fernsehen befragten Passanten und Parfümeure waren ebenfalls gespalten. Nur eine Polizistin von der Falschgeldabteilung wiegelte im TV-Interview deutlich ab, die Macht der Suggestion sei nun einmal groß.
Ich weiß, was Sie jetzt denken. Das dachte ich ja zunächst auch. Wie kann man nur so einer „urban legend“ aufsitzen. Aber mir gibt zu denken, dass die „Bank of Canada“ einem Fernsehbericht zufolge die Gerüchte weder bestätigen noch dementieren wollte. Was, wenn es in der Tat eine Fälschungssicherung ist? Aber ganz anders als alle denken. Was, wenn es eine Sicherung ist, mit der Fälscher an der Nase herumgeführt werden sollen? Die echten Banknoten riechen nicht. Aber wenn die Fälscher zu den Leuten gehören, die den Ahornsirupduft riechen können, werden sie versuchen, ihn nachzumachen. Dann lassen sich Banknoten, bei denen tatsächlich Duftmoleküle nachgewiesen werden können, ganz einfach als Fälschung entlarven. Das würde dem Wort „Blüte“ eine ganz neue Note geben. (vsz)