App regelt den Verkehr

Ein deutsches Studententeam hat eine Smartphone-Software entwickelt, die Staus verhindern kann, indem sie Fahrzeuge in Echtzeit umleitet.

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Von
  • Rachel Metz

Ein deutsches Studententeam hat eine Smartphone-Software entwickelt, die Staus verhindern kann, indem sie Fahrzeuge in Echtzeit umleitet.

Der deutsche Student Christian Brüggemann saß in einem Londoner Café, als ihn die Inspiration küsste: Vor seinen Augen sah er, wie sich auf einer Straße die Fahrzeuge stauten, eine Gasse weiter aber kein einziger Pkw fuhr. Sein Gedanke: Wie wäre es, wenn man Autos so in Echtzeit umleiten könnte, dass sie stets den optimalen Routen folgen?

Brüggemann, 25, beschloss, die Idee zusammen mit zwei Studienkollegen an deutschen Hochschulen in Software zu gießen. Die App wurde schließlich für das Smartphone-Betriebssystem Windows Phone entwickelt. Der Name: Greenway. Etwas später gewannen Brüggemann und sein Team beim jährlichen Studenten-Technikwettbewerb "Imagine Cup" mit ihrer Idee sogar einen Umweltpreis.

Die Anzeige von Alternativrouten in Navigationssystemen von TomTom bis Google Maps ist an sich nichts Neues. Allerdings ist das verwendete Datenmaterial nicht immer in Echtzeit verfügbar, was dazu führen kann, dass sich ein Stau schon wieder aufgelöst hat, während man ihn umfährt. Greenway geht deshalb einen Schritt weiter: Die Software versucht, vorherzusehen, wohin sich zahlreiche Fahrer bewegen und will so das Entstehen von Staus gänzlich minimieren. Aktuell wird das Verfahren in München mit mehreren Dutzend Fahrzeugen getestet, die App soll demnächst außerdem für iPhone und Android-Handys entwickelt werden.

Greenway bietet seinen Nutzern dabei stets zwei Routen zum Ziel an: den kürzesten Standardweg und eine verkehrsoptimierte Version, die Greenways Server berechnen. Außerdem wird angezeigt, wie lange die Route dauern und wie viel Treibstoff ungefähr verbraucht werden wird. Wählt man den Greenway-Weg, meldet die App alle 30 Sekunden ihre GPS-Daten, um festzustellen, ob die aktuelle Route noch die beste ist. Dabei wirkt die aktuelle Geschwindigkeit ebenso einkalkuliert wie die Position anderer Greenway-Nutzer.

Die Algorithmen des Teams machen sich dabei zunutze, dass jede Straße eine bestimmte Kapazität hat – errechnet aus Länge, Anzahl der Spuren und aktuellen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Dabei wird stets genügend Platz für teilnehmende Fahrer "reserviert" – die Autos werden also stets so dirigiert, dass eine Straße niemals zu 100 Prozent ausgelastet ist. Wird doch ein Stau registriert, den Greenway über die absinkende Geschwindigkeit feststellen kann, erfolgt ein Rerouting der Fahrer. Brüggemann zufolge kann die Software der Gruppe aktuell bis zu 50.000 Autos simulieren. Dabei zeigte sich, dass die Greenway-Route die Fahrer im Schnitt doppelt so schnell an ihr Ziel bringt und dabei bis zu 20 Prozent weniger Sprit verbraucht.

Natürlich wird Greenway erst dann richtig nützlich, wenn möglichst viele Fahrer die Technik einsetzen. Brüggemann schätzt, dass rund zehn Prozent der Autos einer Stadt die App nutzen müssten, damit das System optimal funktioniert. Das Team will dies schneller erreichen, indem Partnerschaften mit Taxiunternehmen getroffen werden.

Greenway selbst ist kostenlos, allerdings soll die schnellere Strecke stets einen kleinen Betrag kosten. Dabei wird ein cleveres Berechnungsmodell eingesetzt: Die maximal 25 Cent pro Weg errechnen sich aus der Spritersparnis, von der die Kunden einen kleinen Prozentsatz abgeben. Erreicht man sein Ziel trotzdem nicht in der versprochenen Geschwindigkeit, zahlt man nichts. (bsc)