VoIP soll marodes US-Notrufsystem renovieren helfen
Unverständliche Notanrufe von mobilen VoIP-Nutzern sind für deutsche Notrufzentralen ein Alptraum. In den USA soll Internet-Telefonie hingegen die Probleme des veralteten Notrufsystems lösen.
Das Absetzen von Notrufen gilt als Problem bei der Internet-Telefonie, da die Rufnummer ortsunabhängig eingesetzt werden kann und für die Notrufzentrale nicht ersichtlich ist, woher der Anruf kommt. Nun soll Voice-over-IP in den USA das Problem der maroden Notrufsysteme lösen helfen. Wie schlimm es um diese Systeme steht, hat sich während der Naturkatastrophen an der Südostküste der USA im letzten Jahr gezeigt. "Das war ein Weckruf für das ganze Land: Unsere Kommunikationssysteme für Notfälle sind nicht ausreichend flexibel", sagte Rick Jones von der Nonprofit-Organisation National Emergency Number Association (NENA).
Nach dem Hurrikan Katrina waren in Mississippi rund 30 Notrufstationen für mehrere Tage außer Gefecht gesetzt und Anrufe unter der Notrufnummer 911 gingen in deren Gebiet ins Leere. Ein flexibles, dynamisches Notrufsystem in IP-Technik würde das gezielte Umverteilen von Anrufen erleichtern, glauben Experten wie Jones. Außerdem funktionierten im Krisengebiet manchmal noch Internet-Zugänge, während die Fest- und Mobilfunknetze für Sprachtelefonie überlastet waren. Doch die Notrufzentralen haben keine Verbindung zum Internet und können keine E-Mails oder andere Textnachrichten empfangen. Das würde den Zentralen aber auch die Abstimmung von Maßnahmen untereinander erleichtern. Man könnte dafür beispielsweise das Datennetz nutzen, das die Polizei für Datenbankzugriffe bei Kfz-Überprüfungen einsetzt.
Die US-Regulierungsbehörde FCC schreibt erweiterte Notrufmöglichkeiten (E911) vor. Beim erweiterten Notruf muss es den angerufenen Einsatzkräften unter anderem möglich sein, den Standort des Anrufers zu bestimmen, ohne ihn danach zu fragen. Die FCC ist den VoIP-Providern hinsichtlich der problematischen Umsetzung von E911 bei Internet-Telefonie etwas entgegen gekommen. Die NENA sieht dies als provisorische Lösung und will VoIP-Provider bei der Zusammenarbeit mit den Betreibern der Notrufzentralen, die sie vertritt, unterstützen. In etwa 225 der rund 3100 US-Counties arbeiten die Notrufstationen noch gar nicht nach E911, in etwa 121 Counties sind gar keine 911-Notrufe möglich.
Die NENA arbeitet seit 2003 an einem Standard zum Einsatz von IP-Technik in den US-Notrufzentralen unter Berücksichtigung von E911. Doch offene Finanzierungsfragen und regionale Zuständigkeiten behindern jede praktische Umsetzung. Obwohl die örtlichen Behörden für die Notrufstationen zuständig sind, hat der Kongress bereits 2004 für fünf Jahre jeweils 250 Millionen US-Dollar an Bundesmitteln genehmigt und ein Büro für die Koordinierung der Maßnahmen eingerichtet. Die NENA schätzt allerdings, dass die Erneuerung des gesamten Notrufsystems rund drei bis sechs Milliarden US-Dollar kosten wird.
Bislang habe es zwar einige Gespräche gegeben, doch noch kein Dollar der Bundesmittel sei geflossen, sagt Jones. Pete Eggimann vom Metropolitan Emergency Services Board für St. Paul und Minneapolis, ist für 26 Notrufstationen in sieben Counties zuständig. Er will diese über ein IP-Netzwerk verbinden und damit nicht länger warten. Er sagt: "Bundesgelder wären gut, aber man kann nicht fest damit rechnen. Öffentliche Sicherheit ist eine örtliche Aufgabe, die wir selbst angehen müssen." (ad)