Themenmolekül: Die Nanolympiade
Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute unter anderem mit Superstinkbomben, einer Waage für Saurier und Pflanzen, die einander anklicken.
- Peter Glaser
Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute unter anderem mit Superstinkbomben, einer Waage für Saurier und Pflanzen, die einander anklicken.
Auf meinen Expeditionen durch das Netz finde ich immer wieder bemerkenswerte Informations-Atome, die sich im Lauf der Zeit zu Themenmolekülen verbinden. Gelegentlich möchte ich an dieser Stelle solche Link-Gravitationswolken aus der Welt der fröhlichen Wissenschaft und Technologie vorlegen.
Als der südafrikanische Botaniker Lyall Watson im Jahr 1973 behauptete, dass Pflanzen Gefühle hätten, die sogar durch einen Lügendetektor-Test erfasst werden könnten, wurde er von vielen Wissenschaftlern nicht ganz ernst genommen. Neue Forschungsergebnisse, die in dem Wissenschaftsjournal Trends in Plant Science veröffentlicht wurden, haben nun immerhin ergeben, dass Pflanzen nicht nur auf Geräusche reagieren, sondern dass sie auch durch eine Art von Klicklauten miteinander kommunizieren, nicht nur über chemische Signale. Die Pflanzen klicken sich gewissermaßen gegenseitig an.
Der Informatiker Andrew Gallagher von der Cornell University in Ithaca, New York, hat einen Algorithmus geschrieben, der in der Lage ist, ein aus 10.000 Teilen bestehendes Puzzle aus ausschließlich quadratischen Teilen innerhalb von 24 Stunden zusammenzusetzen. Das Advanced Multimedia Processing Lab (AMP) an der Cornell University nahm mit diesem Beitrag an einem mit 50.000 Dolar dotierten Wettbewerb der DARPA teil- der Ideenschmiede des US-Verteidigungsministeriums -, in dem es darum ging, geschredderte Dokumente wieder lesbar zu machen. Gallagher und sein Team belegten mit ihrer Lösung unter 9.000 registrierten Teams den 17. Platz.
Ein "Fortune"-Titel vom September 1953: Reagenzgläser als Eyecatcher. Nach dem 2. Weltkrieg beginnt ein neues Wissenschaftszeitalter.
Düfte I: Wer etwas für Bücher übrig hat und findet, dass Bibliothekarinnen respektive Bibliothekare eine besondere Note haben, der kann nun auch selbst wie ein Buch riechen. Der Verleger Gerhard Steidl hat in Zusammenarbeit mit dem Parfumdesigner Geza Schoen und dem Magazin Wallpaper den Duft "Paper Passion" geschaffen, der sich in einer von Karl Lagerfeld gestalteten Buch-Verpackung aufhält. "Das Bouquet eines frisch gedruckten Buchs ist der schönste Duft auf der Welt", behauptet Lagerfeld. Für 85 Euro kann man die Behauptung selbst überprüfen.
Düfte II: Ein Job, den wahrscheinlich niemand gerne macht: Stinkbomben für das Verteidigungsministerium zu entwickeln. Man stelle sich einen Gestank vor, der schlimmer ist als alles, was einem zuvor jemals in die Nase gekommen ist. Eine Verbindung aus Kloakengeruch und dem stechenden Odor verrottenden Fleischs. Ein Gestank, der so ekelerregend und intensiv ist, dass man sofort die Flucht ergreift. Es wäre die Begegnung mit etwas, das amerikanische Waffenforscher "Malodorant" nennen – eine nichttödliche Waffe, die einen Gegner dazu bringt, einen Raum zu verlassen. Der Einsatz von chemischen Mitteln im Krieg ist nach der internationalen Chemiewaffenkonvention verboten. Auch Reagenzien, wie sie oft von der Polizei verwendet werden – zum Beispiel Tränengas – sind im Krieg verboten. Aber im US-Verteidigungsministerium glaubt man, eine Lücke in den Vereinbarungen gefunden zu haben und versucht nun, dem militärischen Arsenal Superstinkbomben hinzuzufügen.
"Wissenschaft verstehen": Einblick in eine aus dem Weltenraum zur Erde zurückfallende Kapsel nebst Astronaut. Das Magazin "Understanding Science" ("Jeden Freitag neu") versuchte Anfang der Sechzigerjahre Themen aus Wissenschaft und Technik, heute würden wir sagen: mit Methoden der Popkultur zu verbreiten.
Wie man einen Dinosaurier wiegt? Na, zum Beispiel mit einem Laserstrahl. – Das größte aufgebaute Dinosaurier-Skelett der Welt thront in der Eingangshalle des Berliner Naturkundemuseums über den Besuchern. Es ist das eines Giraffatitan, früher bekannt als Brachiosaurus (der Koloss aus dem Vorspann von Jurassic Park) bekannt. Die Knochen verraten, wie lang und wie hoch Giraffatitan war. Aber wie schwer war das Tier? Bill Sellers von der Universität Manchester hat eine neue Methode entwickelt, Statur und Gewicht des Dinosauriers zu schätzen. Erst erfolgt ein Laser-Scan des Skeletts, dann werden virtuelles Fleisch und Haut um die virtuellen Knochen gewickelt. Die Berechnungen ergeben, dass Giraffatitan satte 23.200 kg oder 23,2 Tonnen gewogen hat.
Zu Ehren des jüngst verstorbenen Ray Bradbury hier eine Zusammenstellung der schönsten Buchumschläge von "Fahrenheit 451" vom Erscheinungsjahr 1953 bis heute, zusammengestellt von dem Online-Magazin Slate.
Nanolympia: Forscher von IBM Research in Zürich, der University of Warwick und der Royal Society of Chemistry (RSC) haben im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 2012 aus Graphen-Molekülen die bisher kleinsten olympische Ringe der Welt geschaffen. Etwa 100.000 der Olympicene benannten Moleküle wären nötig, um den Durchmesser eines menschlichen Haares zu umspannen. Olympicene ist seit den Sechzigerjahren bekannt und das Team hat einen neuen Weg gefunden, um das Molekül effizienter und auf weniger giftigem Weg als bisher zu gewinnen. Graphene mit ihrer Bienenwaben-ähnlichen Atomstruktur, könnten sich bei der Herstellung der nächsten Generation von Solarzellen oder Leuchtdioden als überaus nützlich erweisen, so die Forscher.
Minimalistische Eigenwerbung aus DDR-Zeiten: Chemisch-technische Erzeugnisse aus dem VEB Chemische Fabrik Finowtal, ein Betrieb des CFK Schwarza. Die Fabrik (vor 1945: Schering-Kahlbaum AG Chemische Fabrik Finow) in einer Luftaufnahme. (bsc)