Telekom Austria Group meldet leichtes Umsatzwachstum
Der österreichische Telekommunikationskonzern musste Rückgänge bei den Gewinnen hinnehmen, vor allem wegen der Entwicklung im Heimatland und Anlaufkosten in Serbien und Mazedonien.
Der Telekom Austria Konzern (TA) hat im ersten Halbjahr 2007 seinen Umsatz um 1,1 Prozent auf 2,35 Milliarden Euro steigern können, gab der Konzern am heutigen Mittwoch, in Wien bekannt. Andere wichtige Kennzahlen entwickelten sich jedoch negativ. Das EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) fiel um 4,3 Prozent auf 939,6 Millionen Euro, auch das Betriebsergebnis ging zurück. Ebenso sank der Nettogewinn um 2,5 Prozent auf 277,8 Millionen Euro. Grund für diese bescheidene Entwicklung waren geringere Erlöse in Österreich sowie Anlaufkosten für die im Aufbau befindlichen Mobilfunknetze in Serbien und Mazedonien.
Aufgrund des erfolgten Einzugs von acht Prozent eigenen Aktien ist der Gewinn je Aktie trotzdem von 60 auf 62 Cent geklettert (+3,3 Prozent). Aufgrund deutlich gesunkener Aufwendungen für das Working Capital verbesserte sich der Free Cash Flow um 4,7 Prozent auf 475,3 Millionen Euro. Aus dem Free Cash Flow werden Dividenden, Aktienrückkäufe, Akquisitionen und Schuldentilgungen finanziert. Wie TA-Generaldirektor Boris Nemsic betonte, ist das zweite Quartal für die Gruppe wesentlich besser verlaufen als das erste.
Der österreichische Festnetzarm der TA berichtet von einem um 0,9 Prozent auf 1,04 Milliarden Euro gesunkenen Umsatz und einem um 7,5 Prozent auf 379,6 Millionen gesunkenen EBITDA. Positiv entwickelte sich insbesondere das internationale Carriergeschäft, aber auch der Absatz von Breitbandanschlüssen. Nach wie vor stark rückläufig sind Internet-Einwahl und Sprachtelefonie. Bei Letzterer ergeht es der TA mit einem Minus der Gesamtminuten von 10,5 Prozent noch besser als der Konkurrenz. Für den Gesamtmarkt schätzt die TA das Minus auf 16,4 Prozent. Auch durch die im Mai erfolgte Übernahme des Mitbewerbers eTel konnte die TA ihren Telefoniemarktanteil auf 63,3 Prozent (Schätzung des Unternehmens) ausbauen.
Einmal mehr ärgerte sich Festnetz-Chef Rudolf Fischer über den Regulator. Jene 90 Millionen Euro, die die TA pro Jahr netto an die österreichischen Mobilfunknetzbetreiber (inklusive Mobilkom Austria) überweise, erscheinen Fischer zu hoch. "Die Mobil-Terminierungsentgelte sind nicht das Problem, die sind eh schon die niedrigsten in Europa." Vielmehr sollten die Festnetz-Terminierungsentgelte angehoben werden. "Die Regulierung ist ein Wahnsinn", verlor auch Nemsic die Contenance. "Es wird der Merger zwischen T-Mobile und tele.ring nicht berücksichtigt, als ob es das nicht gegeben hätte." Hintergrund dieser Kritik ist, dass T-Mobile Austria das gleich hohe Terminierungsentgelt kassiert wie vor der Übernahme der tele.ring.
Die Mobilfunksparte der TA freut sich über Kundenwachstum in allen Gesellschaften (Bulgarien, Österreich, Kroatien, Slowenien, Serbien und Liechtenstein). Ein Plus von 14,2 Prozent im Jahresabstand bedeutet insgesamt 10,8 Millionen Kunden. Der Umsatz stieg um 2,5 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro und war nur in Österreich rückläufig (-2,1 Prozent auf 83,7,7 Millionen). Das EBITDA blieb mit plus einem Promille praktisch unverändert (580,2 Millionen), wobei auch hier in Österreich ein Rückgang zu verzeichnen war (-2,5 Prozent auf 312,5 Millionen).
In Österreich konnte der Marktanteil um 1,1 Prozentpunkte auf 39,6 Prozent ausgebaut werden. Die Kundenzahl ist um 8,4 Prozent auf 3,8 Millionen gestiegen. Das sei vor allem auf den gut gehenden Verkauf von mobilem Breitband (210.000 verkaufte Datenkarten und USB-Modems) und den Absatz bei der Discountmarke bob zurückzuführen. Die Marktanteile der Konkurrenten schätzt die Mobilkom Austria wie folgt: T-Mobile samt tele.ring 33,3 Prozent, One samt Wiederverkäufern 22,5 Prozent, 3 4,6 Prozent.
Der im Juli erfolgte Start des Mobilfunknetzes in Serbien sei erfolgreich verlaufen. Die Kundenzahl wird als "sechsstellig" angegeben. Im Herbst ist die Aufnahme des Betriebs in Mazedonien geplant. Wie in Serbien wird auch dort auf nationales Roaming mit einem Mitbewerber zurückgegriffen, um von Beginn an umfassende Netzabdeckung anbieten zu können.
Für die Zeit nach der Umstellung der eigenen Netze auf IP-Technik kündigte Fischer einen Personalabbau an, da dann weniger Mitarbeiter benötigt würden. Den Umfang der Belegschaftsreduktion wollte er jedoch nicht näher beziffern. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)