Digitalkamera in klassischer Aufmachung
Die neueste Leica der klassischen M-Serie will das "Kulturgut Fotografieren" in die digitale Welt retten.
Der Name klingt für Uneingeweihte nach dicker Schraube, lässt aber die Augen jedes Fotografen leuchten: M8 heißt die spektakulärste Neuheit der Leica Camera AG zur photokina (Halle 2.1, Gang D). Alle wesentlichen Charakterzüge der analogen Leica-Reportagekameras wie das legendär wertige Gehäuse, die hohe Bildqualität in Verbindung mit den Leica M-Objektiven und die klassische Bildgestaltung mit dem Leica-Messsucher sollen damit nahtlos in die digitale Welt übertragen werden. Sogar den sanften "Klick" der analogen Leicas konnten die Entwickler retten.
Die digitale Profi-Kamera – "Made in Germany", wie man gern hervorhebt – verwendet einen Kodak-CCD-Bildsensor mit 10,3 Megapixeln, der mit 18 × 27 mm nicht ganz auf Kleinbildformat kommt; Leica nennt einen Brennweiten-"Verlängerungsfaktor" von 1,33. Trotzdem sollen nahezu alle Objektive des Leica-M-Systems seit 1954 verwendet werden können. Die spezielle Bauart der Messsucherkameras (bei der ausschließlich manuellen Scharfstellung überlagert sich ein eingespiegelter Bildausschnitt im Sucher mit dem eigentlichen Motiv) ermöglicht die typische kompakte und flache Bauform der M8, was aber auch zu einem stärker angewinkelten Eintreffen der Lichtstrahlen auf den Sensor führt. Der Sensor wurde deshalb mit einem Mikrolinsenversatz versehen, was eine störende Vignettierung (Abschattung) in den Bildecken vermeiden soll. Ein mit 0,5 mm besonders dünnes Deckglas verhindert die sonst üblichen, unerwünschten Lichtbrechungen bei schräg auftreffenden Lichtstrahlen. Auf einen Moiré-Filter, der feine Bilddetails optisch herausfiltert, wurde bewusst verzichtet, um die Auflösung der Leica-M-Objektive voll auszunutzen. Auftretende Moiré-Muster werden stattdessen in der digitalen Signalverarbeitung der Kamera eliminiert.
Leica lobt den ausgesprochen rauscharmen CCD-Bildsensor mit einer Grundempfindlichkeit von ISO 160, seine maximale Empfindlichkeit beträgt ISO 2500 – das freut Available-Light-Fotografen, die unter den Leica-Fans überdurchschnittlich häufig vertreten sind. Die Bedienung mit wenigen Bedienelementen und übersichtlichen Menüs soll sich Leica-typisch auf das Wesentliche konzentieren. Die M8 wird ab Ende November 2006 im Leica-Fachhandel verfügbar sein. Die unverbindliche Preisempfehlung der "Kamera fürs Leben" beläuft sich auf 4195 Euro. (cm)