Peinlich, peinlich, Polizei
Das schönste Fahrrad bringt nichts, wenn man ständig Angst haben muss, dass es einem geklaut wird. Polizei und Innovatoren sind gefragt!
- Jens Lubbadeh
Das schönste Fahrrad bringt nichts, wenn man ständig Angst haben muss, dass es einem geklaut wird. Polizei und Innovatoren sind gefragt!
Wie schön ist doch Fahrradfahren. Und welche großartigen Fortschritte hat die Zweirad-Technologie in den letzten Jahren gemacht. Kein Wunder, wird das Rad als vollwertiges Verkehrsmittel immer beliebter, vor allem in den Städten. Fahrräder sind leicht, schnell und herrlich wartungsfrei geworden. Kettenfett an den Händen, nicht funktionierende Dynamos oder Bremsen bei Regen, unangenehme Erschütterungen auf Kopfsteinpflaster – alles Schnee von gestern. In unserer aktuellen Ausgabe haben wir dem Rad einen ganzen Fokus gewidmet.
Was einem die Freude am Radfahren aber gehörig versauen kann, sind Fahrraddiebe. Diese professionell organisierten Banden grasen mittlerweile nachts mit LKWs ganze Stadtteile ab und nehmen mit, was nicht niet- und nagelfest ist. Und selbst wenn, kein Schloss auf diesem Planeten ist wirklich unknackbar. Für die Diebe ist es letztlich eine Aufwandskalkulation, ob es lohnt, das Rad aufzubrechen oder nicht.
Leider steht es genau da, wo das Fahrrad am sinnvollsten und effektivsten ist – in der Stadt –, am schlechtesten um seine Sicherheit.2010 wurden 330.000 Räder in Deutschland gestohlen, ein Prozent der ständig genutzten 35 Millionen Räder. Berlin führt die unrühmliche Hitliste an mit 25.988 gestohlenen Fahrräder. Dann kommen Hamburg (13.488), Köln (7.627), Bremen (6.488) und München (5.240). Die Zahlen stammen aus einer Umfrage des Verbraucherversicherungsportal geld.de an insgesamt 450.000 Usern.
Das Problem wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Allein von der Masse der geklauten Räder her, treiben Berlin, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hamburg die Statistik nach oben. So verzeichnete die deutsche Hauptstadt eine Zunahme von über 6.000 geklauten Rädern. An Rhein und Ruhr waren es 5.463 mehr als 2010, zwischen Bodensee und Neckar 3.844 und zwischen Elbe und Alster immerhin noch 2.247.
Das wirkliche Drama aber ist die katastrophale Aufklärungsquote. Relativ gute stehen noch Sachsen-Anhalt und Thüringen da: Dort wird jeder fünfte Fahrraddiebstahl aufgeklärt. Miserabel dagegen die deutschen Stadtstaaten: Nur jedes 25. gestohlene Rad wird in Hamburg, Berlin und Bremen wieder gefunden. Das ist wirklich peinlich, liebe Polizei. Vor allem, wenn man sich klar macht, welche Aufwand ihr treibt, um Rowdy-Radfahrern das Leben schwer zu machen.
Das ist innovationshemmend. Denn wer kauft sich denn vor diesem Hintergrund noch ein High-Tech-Rad? Dazu kommt, dass in Städten meist keine gesicherten Unterstellmöglichkeiten vorhanden sind, die das Diebstahlproblem lindern würden. Wo sind sie also, die Fahrrad-Parkhäuser, die es beispielsweise in Japan längst gibt?
Gefragt sind aber auch die Innovatoren in der Fahrradentwicklung. Neue Federungen und Schaltungen sind ja schön und gut, aber denkt euch doch mal lieber ein cleveres Trackingsystem aus, mit dem man gestohlene Räder ausfindig machen kann. Und die Schlösser immer größer und schwerer (und teurer) zu machen, kann die Lösung nicht sein. Das kostet nur Zeit, Geld, Gewicht und Nerven, wenn man jedesmal sein Fahrrad sichern muss wie einen Banktresor, wenn man nur mal kurz am Kiosk Kaugummi kaufen will. Ich will eine Fernbedienung, mit der man Räder genauso verrammeln und öffnen kann, wie ein Auto. Notfalls auch mit Stromschlagsicherung.
(jlu)