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Sim Citys Erben: Städtesimulationen a la Assassins Creed, Midnight Club und Prototype

Hier wird nicht der Aufbau einer Stadt mit grauen Zahlen simuliert. Assassins Creed entfĂĽhrt uns ins alte Jerusalem, Midnight Club rast durch Los Angeles und Prototype legt New York in Schutt und Asche.

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Ubisoft hat auf der Games Convention in Leipzig das Action-Spiel Assassins Creed vorgestellt, das im November für die Xbox 360 und Playstation 3 erscheinen soll. Eine PC-Version folgt voraussichtlich im nächsten Jahr.

Assassins Creed entführt den Spieler in das Jahr 1191 nach Christus, wo er in den Städten Jerusalem, Jericho und Damaskus Attentate auf neun Personen verüben muss. Offensichtlich kommt die Spielfigur aber aus der Zukunft, denn sein Sichtfeld wird immer wieder von elektrischen Verzerrungen durchzogen, die an die Ästhetik der Matrix-Filme erinnern. Für Assassins Creed hat Ubisoft Originalquellen über die damaligen Städte studiert, um sie möglichst authentisch zu reproduzieren. Das Ergebniss kann sich wirklich sehen lassen. Die Stadtbewohner sehen alle verschieden aus und bewegen sich sehr natürlich durch die Straßen.

Als kapuzentragender Attentäter bahnt sich der Spieler seinen Weg durch schmale Gassen. Um seinen Auftrag ausführen zu können, muss er versuchen, die Unterstützung einzelner Bevölkerungsgruppen zu bekommen und möglichst lange unentdeckt zu bleiben. Dabei stehen ihm mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Er kann beispielsweise versuchen, einen Wachposten direkt anzugreifen, er kann an anderer Stelle jemanden heimlich niederstechen, um im Tumult unterzutauchen, oder er kann sich einer Gruppe von betenden Mönchen anschließen und sich so an den Wachposten vorbeimogeln.

Nachdem die Spielfigur die Wohnung der eigentlichen Zielperson ausfindig gemacht hat, kommt es dort zu einer wilden Kampfszene, bei der der Spieler mit Martial Arts die ihn umringenden Gegner angreift. Sobald er vom Opfer entdeckt wird, beginnt eine wilde Verfolgungsjagd über die Dächer von Jerusalem, bei der die KI selbstständig immer neue Wege sucht, um zu flüchten. Ubisoft hat Bewegungen aus der Trendsportart Parkour mit in das Spiel eingebaut. Je weiter Assassins Creed voranschreitet, desto mehr Bewegungen und Sprünge stehen dem Spieler zur Verfügung.

Auch wenn das Szenario brutal wirkt, halten sich die Gewaltdarstellungen im Vergleich zu anderen Spielen in Grenzen. Zur Hintergrundgeschichte wollte Ubisoft bisher noch nicht viel verraten. Es ist jedoch anzunehmen, dass mit den Morden ein weitaus größeres Unglück verhindert werden soll. Dies deutete jedenfalls eine Zwischensequenz an, bei dem die Spielfigur sein bereits totes Opfer in einer Zwischenwelt über den Sinn des Attentats aufklärte.

Laut Ubisoft beträgt die Spieldauer zwischen 15 und 40 Stunden, je nachdem, wie viele Nebenaufgaben man erledigt, um weitere Unterstützung aus der Bevölkerung zu erhalten.

Midnight Club Los Angeles

Während Rockstar Games in Leipzig nichts neues von dem auf nächstes Jahr verschobenen Grand Theft Auto 4 zeigte, konnten wir das auf der gleichen RAGE-Engine beruhende Rennspiel Midnight Club Los Angeles begutachten. Für den Straßenflitzer hat Rockstar das komplette LA nachgebaut, allerdings nicht mit allen originalen Häusern und Straßen, sondern in einer künstlerischen Interpretation, die vor allem spaßige Autorennen ermöglichen soll.

Im Spiel gibt es keine Ladesequenzen oder separate Zwischenmenüs, die den Spielfluss unterbrechen. Die ganze Zeit bleibt der Spieler in seinem Wagen auf der Straße, fährt zu den einzelnen Rennen und kassiert dort Geld für neue Vehikel.

Vorbei sind auch die ständigen Nachtfahrten. Midnight Club LA hat einen kompletten Tag-Nacht-Zyklus und soll auch unterschiedliche Wetterbedingungen simulieren.

Die Rage-Engine erzeugt eine beeindruckend lebendige Stadtkulisse, die von einem urbanen Soundtrack mit Hip Hop und Funk untermalt wird. Die Sichtweite ist nahezu unbegrenzt. Um sich einen Überblick zu verschaffen, kann die Kamera nahtlos von der Nahansicht vom Auto in eine Satelliten-Ansicht zoomen, bei der ganz LA von oben betrachtet werden kann. Ab und an waren noch einige aufpoppenden Häuser zu sehen, die aber bis zur Fertigstellung verschwinden sollen.

Während der Rennen unterstützt die dynamische Kamera den Geschwindigkeitsrausch. Sie bleibt nicht statisch hinter dem Auto, sondern fährt bei Überholmanövern zur Seite oder schiebt sich neben die Fahrertür, wenn dieser die Boost-Taste drückt. Die Ästhetik erinnert stark an Autoverfolgungsjagden in Kinofilmen wie Bullit oder Ronin.

Midnight Club Los Angeles soll im ersten Quartal 2008 fĂĽr die Xbox 360 und die Playstation 3 erscheinen.

Prototype

Noch sehr jung ist Prototype, in dem der Entwickler Radical Entertainment die Stadt New York nachbaut. In Prototype ist die Spielfigur mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet, die es ihr erlauben, an Wänden hochzuklettern und über Hochhäuser zu springen. Der Spieler muss seine eigene Herkunft klären und im Kampf gegen die US-Armee ein Komplott der Regierung aufdecken. Gegner kann der Spieler mit Klingen, die aus seinem Körper fahren, niederstechen und die Opfer anschließend assimilieren. So nimmt er deren Fähigkeiten und Aussehen an und kann unbemerkt Militärbasen infiltrieren.

Radical Entertainment zeigte im Spiel eine wilde Zerstörungsorgie, die es wegen der nahezu unbezwingbaren Superfähigkeiten der Spielfigur allerdings an Rhythmus fehlen ließ. Man vermisste ruhige Momente, in denen sich die Spannung wieder langsam aufbauen konnte. Spielerisch rief Prototype Erinnerungen an das nur mäßig erfolgreiche Crackdown wach, wenn auch der visuelle Stil völlig anders ist.

Die Stadtsimulation kann es derzeit noch nicht mit der von Assassins Creed oder Midnight Club aufnehmen. Häuserwände waren nur grob texturiert und die Sichtweite durch eine Nebelwand begrenzt. Laut Radical Entertainment sei aber nur 20 Prozent des Spiels fertig. Man darf also hoffen, dass hier noch einiges verbessert wird. Der Zeitplan ist jedoch sehr ambitioniert. Das Spiel soll bei Vivendi Universal bereits im dritten Quartal 2008 für Xbox 360, Playstation 3 und den PC erscheinen. Nach dem zu urteilen, was auf der Games Convention gezeigt wurde, ist es aber gut möglich, dass sich dieser Termin weiter nach hinten verschiebt. (hag)