Eine Billion US-Dollar kostet eine wirksame Kappung der globalen CO2-Emissionen

Nach einer Studie könnte die Klimaerwärmung, die vom rasanten Wirtschaftswachstum der Schwellenländer verstärkt wird, ohne große Einbußen erheblich begrenzt werden.

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Von
  • Florian Rötzer

Nach der von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) veröffentlichten Studie The World in 2050: implications of global growth for carbon emissions and climate change policy wird sich die Klimaerwärmung durch das Wirtschaftswachstum in den sogenannten E7-Ländern (Emerging Economies) weiter beschleunigen. Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland und die Türkei erzielen zwar nur ein Fünftel der Wirtschaftsleistung der G7-Länder, aber ihre Kohlendioxid-Abgabe hat bereits einen Anteil von 32 Prozent an den gesamten Emissionen. Die G7-Länder (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und USA) haben einen Anteil von insgesamt 39 Prozent. Die USA sind mit 23 Prozent noch immer das Land mit den meisten Treibhausemissionen, Indien und China erreichen derzeit zusammen 21 Prozent, die EU liegt bei 15 Prozent.

Setzt sich das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern ungebrochen fort, so würde ihr Bruttoinlandsprodukt bis 2050 um 25 Prozent höher als das der G7-Staaten sein und ihr Anteil am globalen Kohlendioxidausstoß würde bei 50 Prozent liegen. Wenn die Abgabe nicht wirksam begrenzt wird, droht bei Beibehaltung der jetzt praktizierten Energieeffizienz nach den Berechnungen von PwC eine „Verdoppelung der Kohlenstoffkonzentration in der Erdatmosphäre, deren ökologische und ökonomische Folgen kaum absehbar sind“. Die Kohlenstoffkonzentration in der Atmosphäre würde dann von heute 380 ppm (Parts per Million) auf 550 ppm anwachsen.

Die Autoren der Studie sind jedoch der Meinung, dass sich Klimaschutz wirksam betreiben ließe, ohne das Wirtschaftswachstum entscheidend zu verlangsamen. Sie schlagen eine „Green Growth Plus“-Strategie vor, für die allerdings die Industrieländer, also allen voran die G7-Staaten, Vorreiter spielen müssten. Wenn diese ihre Emissionen bis 2050 um die Hälfte senken würden, könnten die wirtschaftlich schnell wachsenden Schwellenländer immer noch ihre Emissionen um 30 Prozent erhöhen.

„Unsere Analysen zeigen, dass der Kohlenstoffausstoß durch die stärkere Nutzung alternativer Energiequellen, effizienteren Energieeinsatz und die Einrichtung von CO2-Speichern begrenzt und bis 2050 sogar unter das gegenwärtige Niveau gedrückt werden könnte“, sagt Manfred Wiegand, Global Utilities Leader und Partner im Bereich Energy von PwC. Dabei würde das weltweite BIP nur geringfügig – drei, vielleicht auch nur ein Prozent - unter dem liegen, das sich aus einem unveränderten Wachstum ergibt, die Kohlenstoffkonzentration könnte damit bis 2050 auf 450 ppm begrenzt werden. Nach PwC könnte eine entsprechende Förderung der Erneuerbaren Energien sogar den Ausbau der Atomenergie unnötig machen. Alleine mit kohlenstoffärmeren Treibstoffen könnte man den Ausstoß bis 2050 um 25 Prozent senken. Mit größerer Energieeffizienz ließen sich Emissionen um ein Drittel verringern, mit der freilich in seiner Wirksamkeit umstrittenen Speicherung von Kohlendioxid noch einmal um 20 Prozent.

Schwierigkeiten bei der Umsetzung einer wirksamen Strategie zum Klimaschutz sind nach Ansicht der PwC-Experten vor allem politisch bedingt. Sie geben auch eine Zahl für die Kosten an, die für ihren Plan erforderlich wären, der allerdings schnell in die Gänge gebracht werden müsste: 1.000.000.000.000 oder 1 Billion US-Dollar. Das entspräche der Wirtschaftsleistung Kanadas in einem Jahr, würde aber weit weniger kosten als die erwarteten Folgen für eine weiter massiv ansteigende Klimaerwärmung. "Aus unseren Ergebnissen geht hervor, dass Kosten von einer Billion Dollar ihren Preis wert sind”, meint John Hawksworth, der Autor des Berichts. (fr)