Kommende Adventures bieten kinoreife Rätselfreuden
Aktuelle Adventures nutzen immer öfter filmische Mittel, um ihre Geschichten zu erzählen. Dafür sind bisweilen neue technische Ideen gefragt, manchmal tun es aber auch altbekannte Verfahren, denen man neuen Pfiff verleiht.
Das Angebot interessanter Adventurespiele fiel auf der diesjährigen Games Convention mehr als reichhaltig aus. Das ist umso verwunderlicher, als dieses Genre schon sehr oft als tot oder überholt galt. Die Macher der meisten neuen Titel wollen der traditionellen Point-And-Click-Bedienung treu bleiben, bei der sich das gesamte Spiel allein mit der Maus steuern lässt, und gleichzeitig neue Ausdrucksformen in Erzähl- und Darstellungsweise finden.
So präsentiert sich Die Schatzinsel, das sich weitgehend getreu an dem Roman von Robert L. Stevenson orientiert, mit aufwendigen Beleuchtungseffekten, was beispielsweise eine stürmische Überfahrt mit Blitz und Donner besonders gut in Szene setzt. Im Unterschied zu vielen anderen Titeln nutzt das Spiel von HMH Interactive nicht nur für die handelnden Figuren, sondern auch für sämtliche Hintegründe 3D-Objektgrafik, was den Vorzug einer freien Perspektivgestaltung, Skalier- und Animierbarkeit mit sich bringt. So schwanken die Kojen der Seeleute oder die schweren Eisenketten im Laderaum des Schiffes im Seegang bedrohlich hin und her, während die detailliert gestalteten Spielcharaktere dazwischen agieren.
Die Geschichte bleibt dicht an der Romanvorlage und weicht nur dann ab, wenn es die Erzähldramatik erhöht. So darf sich der Held Jim Hawkins über Mitprotagonistin Antoinette Trelawney freuen, die es bei Stevenson noch nicht gab – er hatte stattdessen den Friedensrichter John Trelawney im Team. Im Spiel sorgt Antoinette immer wieder für Abwechslung und ermöglicht Spannungsmomente.
Adventures in zwei und drei Dimensionen (10 Bilder)

Adventures in zwei und drei Dimensionen
Die Entwicklung des Spiels liegt in den Händen des Berliner Studios Radon Labs, die zugleich auch für Anaconda Games an der neuen "Das Schwarze Auge"-Umsetzung Drakensang arbeiten.
Auf einer literarischen Vorlage basiert auch Perry Rhodan: The Adventure, ein Projekt von Deep Silver und Braingame. Die mittlerweile weltweit erfolgreichste populärliterarische Science-Fiction-Welt mit ihrem Protagonisten Major Perry Rhodan besteht bereits 46 Jahre. Allein die Heftserie umfasst bislang 2400 Bände. Dazu kommen Bücher, Hörspiele und zahlreiche andere Produkte. Das neue Adventure, in dem Perry Rhodan sich auf die Suche nach seiner verschwundenen Geliebten machen muss, soll noch im Dezember dieses Jahres erscheinen. Im Spiel kommt eine Echtzeitstrategie-Engine zum Einsatz, die einen Mix aus 2D- und 3D-Grafik verwendet. Mittels Parallaxtechnik können dabei Dutzende von Objekten gleichzeitig durchs Bild bewegt werden. Robert Feldhoff, der Chefautor der Romanreihe, zeichnet für die Story des Adventures verantwortlich.
Etliche Titel setzen auf gemalte Hintergründe in 2D, die aber so extrem hochauflösend gestaltet werden, dass Luft zum starken Heranzoomen und für andere kameratechnische Maßnahmen bleibt. Außerdem kann dadurch auch der Anwender verschiedene Bildschirmauflösungen zum Spielen wählen, was bei früheren Adventures mit zweidimensionalen Hintergünden nicht möglich war. Beleuchtungstricks lassen fast vergessen, dass die Kulissen eigentlich statisch sind. Die Akteure werden dann als 3D-Objektgrafik eingebettet, wobei man sich bemüht, dies so natürlich wie möglich wirken zu lassen. Ein gutes Beispiel für diese Technik bildet das äußerst spannend erzählte "The Abbey" von Crimson Cow. Das Adventure im Comic-Look spielt in einer einsamen Abtei im tiefsten Mittelalter. Seltsame Vorkommnisse rufen Großinquisitor Leonardo auf den Plan, der gemeinsam mit seinem jungen Schüler Bruno nach dem Rechten sehen will. Wer sich inhaltlich und durch das Aussehen der Figuren an Der Name der Rose erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch. Die Entwickler haben diese Anspielung absichtlich gewissermaßen als irreführendes Moment eingebaut – denn sie verrieten uns bereits, dass nach ungefähr einer Stunde Spielzeit sehr klar sein wird, dass man sich eben nicht in einer Geschichte von Umberto Eco befindet.
Die handgezeichneten, zweidimensionalen Hintergründe geben dem Spiel ein sehr charakteristisches Gepräge. Streckenweise fühlt man sich in einen epischen Zeichentrickfilm versetzt.
Eine ganz ähnliche Technik verwendet auch Deep Silvers Geheimakte 2, der Nachfolger von Geheimakte Tunguska. Die beiden Helden des Vorgängers, Nina und Max, sind auch im neuen Teil mit dabei, allerdings ermitteln sie zu Beginn getrennt. Zusätzlich wird es weitere steuerbare Charaktere geben, mit deren Hilfe der Spieler das Geheimnis um ein verschlüsseltes Pergament aufklären muss. Hochauflösende Hintergrundbilder erlauben es auch hier, weit in die Szenen hineinzuzommen und so cineastische Sequenzen zu erzeugen. Ebenso kommt die korrekte Berechnung von Lichtquellen und deren Einfluss auf die Umgbeung zum Tragen.
Auf den ersten Blick erfrischend altmodisch ist A Vampyre Story. Ein guter Schuss schwarzer Humor, dazu skurrile, überzeichnete Charaktere und eine schauplatzorientierte Point-and-Click-Spielweise wie zu besten Lucas-Arts-Zeiten prägen das Spiel. Die Story lässt an ungewöhnlichen Ideen nichts zu wünschen übrig: Die junge Opernsängerin Mona fällt einem Vampir zum Opfer, der sie nicht nur selbst in eine Untote verwandelt, sondern sie auch noch in seinem Schloss gefangen hält. Sie weiß jedoch nichts davon, dass sie kein Mensch mehr ist. Erst als der Blutsauger von einem Vampirjäger erledigt wird, hat Mona Gelegenheit, ihr altes Leben in Paris wiederaufnehmen zu können – so denkt sie jedenfalls. Erst mit Hilfe Frodericks, der respektlos-liebevollen Fledermaus, lernt sie langsam ihre tatsächliche Situation und die Bedingungen kennen, an die sie sich als Vampir halten muss. "A Vampyre Story" stammt aus der Feder von Bill Tiller, der bei Lucas Arts unter anderem an The Dig und The Curse of Monkey Island mitgearbeitet hat. (psz)