Start-up-Metropole New York

Eine wachsende Zahl junger Internet-Firmen geht nicht mehr ins Silicon Valley, sondern an die Ostküste. Investoren verfolgen den Trend aufmerksam.

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Von
  • Rachel Metz

Eine wachsende Zahl junger Internet-Firmen geht nicht mehr ins Silicon Valley, sondern an die Ostküste. Investoren verfolgen den Trend aufmerksam.

Als Dennis Crowley und Naveen Selvadurai vor mittlerweile vier Jahren mit dem Aufbau ihres bekannten Ortsdienste-Start-ups Foursquare begannen, entschieden sie sich bewusst dafür, New York zu ihrem Hauptsitz zu machen. Anfangs war der Küchentisch von Crowley im East Village in Manhattan das Büro. "Wir hatten damals sogar diese Unterhaltung, in der es darum ging, dass man das eigentlich nur in Kalifornien schaffen könnte. Sollten wir also unsere Sachen zusammenpacken?", erzählt Crowley.

Angesichts der Tatsache, dass der Pool an Internet-Entwicklern im Silicon Valley damals wesentlich größer war, galt die Entscheidung in Crowleys Freundeskreis als risikoreich. Mittlerweile zeigt sich: So verrückt war die Entscheidung nicht. In den folgenden Jahren taten es immer mehr junge US-Internet-Firmen Foursquare nach. Sie erkannten den "Big Apple" als praktikable Alternative zur San Francisco Bay Area.

Das Wachstum wird von einigen Faktoren beeinflusst. Cheerleader wie Foursquare oder das Crowdfunding-Start-up Kickstarter waren das eine, Risikokapital-getriebene Investitionsprogramme das andere. Zudem wächst das Angebot an Technikern, seitdem auch Firmen wie Facebook oder Twitter in der Stadt Büros eröffnet haben. Heute betätigt sich Crowley gelegentlich als Start-up-Mentor, spricht mit Studenten und Jungunternehmern in New York – ähnlich wie das Veteranen in Palo Alto oder San Francisco schon lange tun. "Das, was wir seit 20 oder 30 Jahren im Valley hatten, fängt hier gerade an."

Es ist schwer zu sagen, wie viele Start-ups tatsächlich in New York arbeiten, doch eine Karte aus dem Büro von Bürgermeister Michael Bloomberg zeigt über 1000 Firmen, die gerade nach Mitarbeitern suchen. Das New York Tech Meetup, eine Non-Profit-Organisation zur Unternehmensförderung, hatte nach langer Durststrecke im April 2011 insgesamt 15.000 Mitglieder, ein Jahr darauf bereits 26.000. Monatliche Treffen, erzählt Leiterin Jessica Lawrence, kosten 10 Dollar und sind schon Mal in weniger als einer Minute ausverkauft – sie finden mittlerweile in einem Theater für 850 Personen statt.

Der Risikokapital-Bereich wächst ebenfalls. Laut Daten von PricewaterhouseCoopers und der National Venture Capital Association stieg die Zahl der New Yorker Start-ups, die kürzlich Investitionen erhielten, zwischen 2007 und 2011 um 34 Prozent. Im Silicon Valley gingen die Deals um 7 Prozent zurück, im Rest des Landes um 8. Im letzten Jahr flossen 2,75 Milliarden Dollar an 390 Start-ups in New York – die größte Summe seit dem Platzen der Dot-Com-Blase im Jahr 2001. (Damals sprach man noch von der "Silicon Alley" und New York erlebte seinen ersten Internet-Boom.) Und es geht weiter: 942 Millionen Dollar sollen in diesem Jahr bereits an 182 Start-ups in Manhattan, Brooklyn, Queens und anderen New Yorker Bezirken gegangen sein. Natürlich ist das Silicon Valley noch wesentlich größer – 1202 Firmen erhielten im letzten Jahr 12 Milliarden Dollar. Trotzdem ist das Wachstum an der Ostküste greifbar und es scheint sich noch zu verstärken.

Accel Partners, eigentlich im kalifornischen Palo Alto beheimatet, steckte zwischen 2008 und 2011 nur wenig Geld in New Yorker Start-ups. Mittlerweile sind es 18 geworden, was aus der Stadt die größte Investitionsregion der Firma neben dem Silicon Valley macht. Im letzten Jahr eröffnete Accel dann ein eigenes Büro, weil man sich von der Vielfalt und Kompetenz hiesiger Unternehmer überzeugt hatte. "Hier gibt es Social Media, E-Commerce und mobile Dienste", sagt Partner Sameer Gandhi.

Wie Crowley entschied sich auch Zach Sims für New York, als er seine Firma Codecademy gründete. Das Produkt ist eine Lernplattform, die Nutzern beibringt, wie man Software entwickelt. Dabei fing eigentlich alles im Silicon Valley an, wo Sims am Inkubator-Programm "Y Combinator" in Mountain View teilgenommen hatte. Codecademy-Mitbegründer Ryan Bubinski studierte zuvor an der Columbia University und konnte sich dort ein Netzwerk an möglichen Mitstreitern aufbauen. Aus Manhattan kommt nun auch der Hauptinvestor, die Firma Union Square Ventures. Sims glaubt, dass New York hilft, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die Codecademy tatsächlich nutzen – mit Leuten, die nicht in der High-Tech-Blase leben. Hier sei die Stadt besser aufgestellt als das Silicon Valley.

Tatsächlich ist der Techniksektor in New York nur einer von vielen Industrien, Finanzen und Medien sind größer. So können Firmen mehr Erfahrung sammeln. Olga Vidisheva, Gründerin der E-Commerce-Plattform Shoptiques, nutzt die hier angesiedelte Mode-Szene. Sie stellte dabei fest, dass die Metropole genügend Talente anzieht. New York sei außerdem quirliger. "Ich fühlte mich im Silicon Valley immer komisch, wenn ich das Büro um 2 oder 3 Uhr nachts verließ." New York sei ständig geöffnet. (bsc)