Computacenter: Der "gute Hirte" aus Kerpen
Wenn die Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters plötzlich abfällt, stecken oft private Gründe dahinter. Gute Unternehmen wissen das und helfen ihren Angestellten, ihre privaten Probleme und Krisen zu meistern. Wie zum Beispiel das Systemhaus Computacenter.
Lieber Computacenter-Chef Oliver Tuszik,
Computacenter-"Hirte" Oliver Tuszik
(Bild:Â Computacenter)
uns Journalisten wird ja gerne nachgesagt, dass wir immer nur das Negative sehen würden und von Grund auf kritisch, skeptisch und schlecht gelaunt seien. Das ist natürlich ein ungerechtes Vorurteil und völlig falsch - zumindest was mich betrifft. Ich für meinen Teil liebe es nämlich, in bester Stimmung völlig unkritisch über tolle und positive Dinge zu berichten. Das hat unter anderem den Vorteil, dass ich anschließend nicht von einem aufgebrachten und verärgerten Firmenchef am Telefon angebrüllt werde. Das Problem ist immer nur, dass es so wenig tolle und positive Dinge passieren, zumindest solche, über die es sich zu berichten lohnt.
Aber es gibt sie, und damit bin ich bei dem Unternehmen, welchem Sie, lieber Herr Tuszik, nun schon seit vier Jahren als guter Hirte, wie an dieser Stelle zu sagen ich mich nicht scheue, vorstehen. Ich meine jetzt gar nicht mal die recht erfreuliche Geschäftsentwicklung, die Computacenter in den vergangenen Jahren genommen hat, sondern wenn ich Sie als den "guten Hirten“ bezeichne, dann vor allem in Bezug auf die Leistungen und Initiativen, die Sie für Ihre Kollegen und Mitarbeiter ins Leben gerufen haben. Dieses Gute und Positive soll an dieser Stelle einmal erwähnt werden, nicht zuletzt um als Vorbild und Inspiration für andere Manager und Firmenlenker zu dienen.
Denn was Computacenter für seine Angestellten tut, das ist wirklich beispielhaft. Da sind zum einen die Gesundheitsinitiativen (unter anderem regelmäßige Gesundheitschecks, mehrtägige Gesundheitstrainings sowie Stressawareness- und Präventionskurse, die dabei helfen sollen, Stressauslöser zu erkennen und Bewältigungsstrategien zu erkennen). Da ist zum anderen der Familienservice, der den Mitarbeitern Unterstützung in familiären Krisensituationen bietet, angefangen von der Kinderbetreuung bis zur Hilfe beim Pflegedienst. Oder drittens das sogenannte Disability Management. Aufgabe des Disability Managements (engl. "disability" = "Arbeitsunfähigkeit") ist unter anderem die Vermeidung und Früherkennung von gesundheitlichen Beeinträchtigungen am Arbeitsplatz sowie die berufliche und soziale Wiedereingliederung von Mitarbeitern, die krankheitsbedingt für eine Zeit lang ausgefallen sind. Damit geht das Disability Management bei Computacenter deutlich über das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) nach längerem krankheitsbedingtem Ausfall hinaus, wozu die Unternehmens seit dem Jahr 2004 gesetzlich verpflichtet sind.
Diese Initiativen zeigen, dass die Mitarbeiter bei Computacenter offenbar nicht nur als Arbeitskräfte betrachtet werden, die ihre vertraglich vereinbarten Leistungen zu erbringen haben, sondern als Menschen, die einen Teil ihres Lebens und ihrer Lebensenergie für Computacenter einsetzen. Lieber Herr Tuszik, sie betonen immer wieder ihren "ganzheitlichen" Blick auf ihre Mitarbeiter, das heißt Ihnen ist klar, dass niemand seine privaten Sorgen und Nöte morgens an der Eingangstür abgibt, dann tagsüber unbeschwert an seinem Arbeitsplatz volle Leistung bringt und abends beim Verlassen des Gebäudes seinen Rucksack mit seinem privaten Ballast wieder in Empfang nimmt.
Sollte es bei jemandem einmal zu einem beruflichen Leistungsabfall kommen, dann liegen die Gründe ja oft genug im Privatleben, übrigens nicht nur beim einfachen Sachbearbeiter, sondern auch beim Manager. Sofern der Vorgesetzte dies überhaupt zur Kenntnis nimmt (häufig interessiert er sich gar nicht dafür), dann fällt ihm nur allzu oft nichts anderes als die "hilfreiche“ Aufforderung ein, sein Mitarbeiter solle "sein Privatleben wieder in Ordnung bringen". Genau dies ist aber in der Regel leichter gesagt als getan, und viele Menschen schaffen dies ohne fremde und professionelle Hilfe nicht. Nicht selten ist eine Ehetherapie oder eine Erziehungsberatung wirksamer als ein rein auf die berufliche Ebene reduziertes Coaching. "Lebenslagencoaching“ heißt dieses den ganzen Menschen berücksichtigende Angebot bei Computacenter, ein Ausdruck, der mir besonders gut gefällt.
Lieber Herr Tuszik, Sie beschäftigen sich ja schon seit Jahren mit dem Problem der mangelnden Attraktivität der IT-Branche für junge Arbeitnehmer und haben an dieser Stelle bereits vor vier Jahre geschrieben, dass die IT-Unternehmen den Angestellten "mehr bieten müssen als nur einen Arbeitsplatz“. Ich habe erhebliche und begründete Zweifel, dass sich diese Notwendigkeit schon bei allen Firmen- und Personalchefs der Computerbranche in Deutschland herumgesprochen hat. Im vergangenen Jahr jedenfalls war die Situation in den meisten Unternehmen noch so, dass die Angestellten nicht im Verdacht standen, "Vergnügungssteuer" für ihre Arbeit zahlen zu müssen. Wenn zum Beispiel einer Ihrer Wettbewerber in einer mehrseitigen Broschüre für alle neuen Mitarbeiter zwar jede Menge Verhaltensregeln aufführt, aber kein einziges Mal erwähnt, dass sich die Mitarbeiter in dem Unternehmen wohl fühlen und gerne hier arbeiten sollen, dann hat er etwas Grundsätzliches noch nicht verstanden und braucht sich über mangelnde Bewerberzahlen und eine hohe Personalfluktuation nicht zu wundern.
Hoppla, jetzt bin ich doch noch ein wenig kritisch geworden, und ich merke gerade, dass auch meine Laune gar nicht mehr so gut ist wie noch zu Beginn dieses Artikels. Höchste Zeit also, zum Schluss zu kommen.
Beste GrĂĽĂźe!
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