Neue Dienste im Mobilfunk bringen den Musiklabels neue Konkurrenz
Sowohl die Handy-Gerätehersteller als auch die Mobilfunk-Netzbetreiber haben Interesse an der reibungslosen Versorgung der Anwender mit neuen Inhalten.
Kaum scheint die Rettung für die Unterhaltungsbranche in Gestalt der Inhalte für Mobilgeräte da, erwächst den Musik- und Filmfirmen neue Konkurrenz. Nokia werde im kommenden Jahr der größte Computerhersteller der Welt sein, sagte Anssi Vanjoki, Vizepräsident bei Nokia, auf der Midem. Denn mit der Einführung des für Musikfans optimierten N91, von dem die ersten 3 Millionen Stück bereits ausgeliefert würden, hätten die Nokia-Kunden kleine Computer in der Hosentasche mit Festplatte und allem, was ein Computer sonst noch so benötige. Die bei der Midem erneut präsentierten Modelle bieten 4 Gigabyte Speicherplatz, Radioempfang, sie ermöglichen eigene Playlists zu erstellen und zu verbreiten sowie Musik herunterzuladen.
Der Frage, wann Nokia auch nach dem Titel "größter Musikanbieter" strebe, beantworte Vanjoki eher indirekt: Das Unternehmen wolle sich darauf konzentrieren, dem Nutzer alle Möglichkeiten zu geben. Über die Geräte solle jedes verfügbare Musikangebot, das derzeit zu haben ist, in Anspruch genommen werden können. "Wir wollen die Technik ganz offen halten und verstehen das als großes Angebot an die Industrie, alle ihre Dienste darüber anzubieten." Man sei bereit, auch für kleinere Distributoren Informationen für bestmögliche Anpassung zu liefern. "Wir wollen anbieten, dass Musik überall in der Welt zu jeder Zeit und von jedem gehört werden kann", betonte Vanjoki.
Auch Greg Santoro, Vizepräsident Produktinnovation von Sprint, wurde mit der Frage konfrontiert, ob Gerätehersteller und Telekommunkationsunternehmen nicht das Geschäft mit dem Inhalt selbst machen wollen. Sprint Nextel betreibt seit Herbst vergangenen Jahres bereits seinen Sprint Music Store, über den Kunden Songs aus dem Repertoire der großen Musiklabels EMI, Sony BMG Warner Music und Universal Music auf ihre Handys herunterladen können. Mit 2,50 US-Dollar ist die Abrufgebühr nicht eben klein. Zudem haben die Kunden nur die Wahl zwischen drei verschiedenen Handys. Santoro wollte aber keine klare Aussage dazu machen, ob man in der Wertschöpfungskette noch weiter nach oben wolle.
"Natürlich könnten aber Künstler sich im Prinzip selbst vermarkten", erklärte der Sprint-Manager auf die Frage eines Musikers, ob Sprint nicht eine Plattform für Künstler bieten wolle, über die diese ihre Musik anbieten könnten. Santoro betonte zudem, dass mit stabilen Übertragungsraten von 2 bis 3 Mbit/s in den Mobilfunknetzen, die im kommenden Jahr realisiert werden sollen, die Möglichkeiten für den Vertrieb von Inhalten noch zunehmen.
Den klassischen Musiklabels könnte übrigens auch von anderer Seite Konkurrenz drohen: Im vergangenen Jahr hat Walmart einen US-amerikanischen Musiker Garth Brooks direkt unter Vertrag genommen. Am Geschäft mit den mobilen Inhalten könnten also andere auch noch mitverdienen wollen. (Monika Ermert) / (jk)